Tag der Deutschen Einheit

Im Herzen immer noch ein Ossi: Gebürtiger Sachse lebt in Schöneck und ist Trabifahrer aus Leidenschaft

Steht mit seinem gelben Trabi vor der Frauenkirche in Dresden: Stephan Burkhardt aus Schöneck.
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Steht mit seinem gelben Trabi vor der Frauenkirche in Dresden: Stephan Burkhardt aus Schöneck.

Er war einer der ersten, der nach der Wiedervereinigung von Ost nach West zog. In Schöneck fand Stephan Burkhardt seine Heimet. Ein bisschen „Ostalgie" hat er sich bis heute bewahrt.

Schöneck – Fünf Jahre war Stephan Burkhardt alt, als am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung gefeiert wurde. Kurze Zeit später zog er mit seinen Eltern von Dresden in den Westen – nach Norddeutschland. Auch wenn die Zeit, die er in der DDR verbracht hat, kurz war: Sie hat ihn entscheidend geprägt. „Im Herzen bin ich immer noch ein Ossi“, sagt der 35-Jährige. Und das kann man auch sehen. Der gebürtige Sachse, der seit fast zehn Jahren im Schönecker Ortsteil Kilianstädten zu Hause ist, fährt mit einem gelben Trabant durch die Lande.

„Meine Großeltern hatten damals einen Trabi als Alltagsauto und ich heute auch“, erzählt Burkhardt. Mehr als zwei Jahre lang hat er über das Internet gesucht, bis er schließlich in Gummersbach fündig wurde. „Da ich ein großer Dynamo Dresden-Fan bin, wollte ich unbedingt ein gelbes Auto haben“, erklärt Burkhardt. 4650 Euro hat ihn der Zweitakter mit 26 PS gekostet. Plus die Umbauarbeiten.

Nicht wirklich originalgetreu, aber dafür ziemlich ausgefallen: Der Trabi ist heute ein Cabrio. „Das Aufschneiden war kein Problem. Das Auto besteht ja praktisch nur aus Pappmaché“, witzelt er. Die Streben seien anschließend metallisch verstärkt worden. Das Embleme seiner Lieblingsfußballmannschaft ziert heute zudem die Motorhaube.

Sechs Jahre nennt er das Kultauto nun schon sein Eigen. Anfangs wurde es nur zu besonderen Gelegenheiten ausgefahren. Doch seit sein anderer Wagen kaputt ist, nutzt er den Trabi für alle Fahrten. In Frankfurt falle er mit dem gelben Trabi-Cabrio mehr auf als so mancher Porsche- oder Maseratifahrer, berichtet Burkhardt, der als Account Manager Fachkräfte an Banken vermittelt. Auch in Schöneck sei er als „der mit dem gelben Trabi“ bekannt.

Schönecker ist mit Trabi in ganz Deutschland unterwegs

80 000 Kilometer ist der Trabant bisher gelaufen. Burkhardt hofft noch auf viele mehr. Mit dem kleinen, gelben Auto ist er in ganz Deutschland unterwegs. „Dazu besitze ich noch einen DDR-Wohnwagen, den Qek Junior hp 500.83, mit dem ich regelmäßig auf Reisen gehe, unter anderem auf Ostfahrzeuge-Treffen nach Dettenheim, Germersheim, Heilbronn, Döttesfeld, Denkendorf und Mehlbach“, sagt der Wahl-Schönecker. Wegen Corona konnten sie in diesem Jahr allerdings nicht stattfinden. Mit dem Trabant ging es aber auch schon an die Nordsee und nach Frankreich.

„Die Reisegeschwindigkeit ist natürlich gemütlich. Bergan schafft der Trabi nicht mehr aus 80 Stundenkilometer. Auf gerader Strecke 100“, erklärt Burkhardt. Zudem sei es sehr laut. Es klappert an allen Ecken und Enden, eine Unterhaltung sei kaum möglich. Von Bequemlichkeit müsse man nicht sprechen. „Das ist reine Ostalgie. Es gibt wirklich keinen vernünftigen Grund, einen Trabant zu fahren“, sagt er.

Mit dem Trabi zu Besuch in Dresden

Aktuell ist Stephan Burkhardt zu Besuch bei seiner Familie in Dresden. Die Oma hatte Geburtstag. Auch die Eltern leben wieder dort. So oft er kann, zieht es ihn Richtung Osten. „Mir gefällt die Mentalität der Sachsen. Sie sind besonders herzlich. Da kann man sich bei fremden Leuten einfach an einen Tisch mit dazusetzen und wird freundlich aufgenommen“, schwärmt er. Ab und an habe er er schon überlegt, wieder zurück in die alte Heimat zu ziehen. Allerdings sei das Gehaltsgefüge zwischen Ost- und Westdeutschland auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung zu unterschiedlich. „In Sachsen finde ich einfach keinen entsprechenden Job.“

Doch auch in Schöneck fühlt sich der 35-Jährige wohl. Dort wohnt er bereits seit 2011. „Ich genieße die Ruhe“, sagt er. Seine Wohnung habe er sich „dekorativ ostdeutsch“ eingerichtet. Es gebe Trabi-Modellautos und viele Bilder von Dynamo Dresden. Ein Stück der Berliner Mauer ist hier auch zu finden. „Die Möbel sind allerdings modern“, sagt der Ost-Fan.

Am Tag der deutschen Einheit sitzt StephanBurkhardt wieder hinter dem Lenker seines Zweitakters auf dem Weg zurück nach Schöneck – und mit Dresden im Herzen.

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