Fußball

Die Gebrüder Eichhorn führen das Vereinsheim in Büdesheim

Im Sinne von Papa Franz Eichhorn führen die Brüder Christian, Andreas und Dominik (von links) das Vereinsheim beim FC Büdesheim weiter. Franz Eichhorn war bis zu seinem Tod vergangenen Herbst eine Institution beim FCB – daran wollen seine Söhne anknüpfen.
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Im Sinne von Papa Franz Eichhorn führen die Brüder Christian, Andreas und Dominik (von links) das Vereinsheim beim FC Büdesheim weiter. Franz Eichhorn war bis zu seinem Tod vergangenen Herbst eine Institution beim FCB – daran wollen seine Söhne anknüpfen.

Das Vereinsheim des FC Büdesheim ist seit einigen Monaten fest in den Händen der drei Brüder Christian, Andreas und Dominik Eichhorn, die für das leibliche Wohl von Fußballern und Gästen sorgen. Das Trio tritt damit in die Fußstapfen ihres Vaters Franz, der heute 60 Jahre alt geworden wäre.

Schöneck – Mehr als 20 Jahre lang hatte dieser das Vereinsheim bewirtet und sich als „gute Seele“ des Fußballvereins einen Ruf weit über Büdesheim hinaus erarbeitet. Die drei Söhne wollen das Andenken ihres im vergangenen Oktober verstorbenen Vaters bewahren, indem sie seine Arbeit fortführen.

„Große und schwere Fußstapfen“ habe ihr Vater hinterlassen, wie Christian Eichhorn betont und dabei seufzt; der Schmerz über den frühen Verlust des Vaters sitzt bei ihm und seinen Brüdern noch tief. Dieser nämlich war in Büdesheim eine Institution und weit über die Vereinsgrenzen hinaus bekannt – nicht nur wegen seiner legendären Frikadellenbrötchen.

Schöneck: Der verstorbene Wirt musste seine Fußballkarriere recht früh beenden

Dabei war Franz Eichhorn eine eigene lange Karriere bei den Büdesheimer Fußballern verwehrt geblieben: Mitte der 1960er Jahre als Spätaussiedler aus der damaligen Tschechoslowakei nach Büdesheim gekommen, kickte er zwar schon als Bub und bis zu seinem Wehrdienst beim FC, danach musste er wegen einer Fersenverletzung aber seine Fußballschuhe an den Nagel hängen. Dem Verein blieb er dennoch verbunden und wurde nach einem klassischen Bierdeckel-Vertrag Trainer in der Jugendmannschaft seines Sohnes Andreas.

In der Folge engagierte sich Franz Eichhorn auch als Betreuer und Beisitzer, übernahm schließlich neben seinem Beruf beim Entwässerungsamt in Frankfurt Ende der 90er auch das Vereinsheim in Büdesheim – und fand damit seine Bestimmung. Sich um die Verköstigung von Spielern und Gästen zu kümmern, das wurde schnell die Herzensangelegenheit ihres Vaters, der dabei auf seine Metzgerausbildung zurückgreifen konnte: „Ob Wurstgulasch, Gyros oder Schnitzel, er hat oft nach Wunsch gekocht“, erinnern sich die drei Brüder, „und hungrig musste niemand nach Hause gehen.“

Söhne des Wirts wuchsen um das Vereinsheim in Schöneck herum auf

Franz Eichhorn ist der verstorbene Wirt des Vereinsheims.

Seine Söhne wuchsen gewissermaßen um das Vereinsheim herum auf und erlebten das große Engagement ihres Vaters für den Verein hautnah mit: Im Vereinsheim war Franz nicht nur die erste Anlaufstelle für Spieler, sondern kümmerte sich auch sonst um alles, was so anfiel. „Er war sich nicht zu fein, auch mal die Trikots zu waschen, war morgens meist der Erste, der kam, und abends der Letzte, der ging“, beschreiben die drei Söhne den Alltag ihres Vaters, der für seine unermüdliche Arbeit auch von offizieller Seite geehrt wurde: Neben dem Ehrenbrief des Landessportbundes gab es für Franz Eichhorn die bronzene Ehrennadel des Hessischen Fußballverbandes und der Gemeinde Schöneck. Einzig aufs Rasenmähen, so erinnern sie sich und lachen, habe er sich nicht so gut verstanden.

Im Kerngeschäft habe ihrem Vater aber niemand etwas vorgemacht, wie die drei Brüder betonen: „Er hatte zu den Spielern einen guten Draht und war für viele der ‘Onkel Franz’, den jeder kannte.“ Da er sich nicht nur auf die Bewirtung verstand, sondern auch immer ein offenes Ohr hatte, hätten sich auch die Gastvereine immer in Büdesheim wohlgefühlt und ihn am liebsten abwerben wollen, doch Eichhorn senior widerstand all diesen Versuchen mit der ihm eigenen Loyalität.

Ganze Familie wurde bei der Arbeit in und um das Vereinsheim in Büdesheim (Schöneck) eingespannt

Büdesheim hatte der Spätaussiedler nämlich rasch als seine Heimat angesehen und in die Arbeit rund ums Vereinsheim – teilweise ging es sieben Tage die Woche um Fußball – die gesamte Familie eingespannt. Die Verbundenheit zwischen Verein und Familie existiert noch heute, so ist Sohn Christian zum Beispiel inzwischen zweiter Vorsitzender sowie Platzwart und Dominik steht für die erste Mannschaft auf dem Platz. Im Wechsel mit ihrem Bruder Andreas bewirten sie nun das Vereinsheim – und treten damit in die Fußstapfen ihres Vaters.

Dies sei eine Entscheidung gewesen, die sie sich nicht leicht gemacht hätten – schließlich war der Tod ihres Vaters im vergangenen Oktober ein schwerer Schlag für die Familie. „Wir mussten uns da erst einmal organisieren“, beschreibt Christian die schwierigen Wochen nach dem Schicksalsschlag, in denen auch das gesamte Vereinsleben in Büdesheim praktisch zum Erliegen gekommen sei.

Schöneck: Schockstarre beim FC Büdesheim nach dem Tod des Wirts

Der FC Büdesheim befand sich mit den Eichhorns zusammen in Schockstarre und nahm großen Anteil am Verlust der Familie. „Wir haben in dieser Zeit viel Unterstützung durch den Verein erhalten“, so die drei Brüder, und zu sehen, dass nicht nur die Verbundenheit ihres Vaters zum Verein groß war, sondern auch die Verbundenheit des gesamten Vereins zu ihrem Vater, sei in diesen Tagen sehr tröstlich gewesen.

Liebevolle Erinnerung: Der FC Büdesheim gedenkt seinem verstorbenen Wirt.

Als sich die drei Brüder entschlossen hätten, das Werk des Vaters fortzuführen, habe der Verein erleichtert reagiert, seitdem organisieren sich Christian, Andreas und Dominik und versuchen, die Arbeit gut auf drei Schultern zu verteilen. „Wir wurden da ein bisschen ins kalte Wasser geworfen“, geben sie zu, „und einen gastronomischen Hintergrund hat von uns auch keiner.“ Das umfangreiche Programm, das ihr Vater anbieten konnte, führen sie so gut wie möglich fort, wenn auch in etwas abgespeckter Form. „Wir fuchsen uns da so langsam rein“, meint Christian Eichhorn, doch in manchen Punkten werde ihr Vater wohl unerreicht bleiben. „Die Frikadellen“, verraten die Brüder, „bekommen wir nicht ganz so gut hin wie er. Da hat er einen ganz speziellen Kniff gehabt.“

Trotz einiger Veränderungen wollen die drei das Andenken ihres Vaters aber fortführen, und der Name Franz Eichhorn wird so oder so noch lange mit dem FC Büdesheim und dem Vereinsheim verbunden bleiben: Zu Ehren des umtriebigen Vereinswirts haben die Spieler eine Sitzbank gebaut, „In liebevoller Erinnerung an Franz Eichhorn“, steht auf der Rückenlehne. Diese Bank soll ihren Platz vor dem Vereinsheim finden – genau dort, wo Eichhorn immer das Treiben auf dem Fußballplatz beobachtet hat und wo seine Söhne seine Arbeit nun fortsetzen. (Von Robert Giese)

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