Kilianstädter Trödelhöfe

Schöneck: Mit dem Shuttle-Bus zum Antikmarkt

Der Antik- und Trödelmarkt fand im vergangenen Jahr hauptsächlich an den Straßenrändern statt. In diesem Jahr wollen die Veranstalter in die Höfe zurück.
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Der Antik- und Trödelmarkt fand im vergangenen Jahr hauptsächlich an den Straßenrändern statt. In diesem Jahr wollen die Veranstalter in die Höfe zurück.

Über eine frühere Arbeitskollegin wurde Klaus Grundmann, Veranstalter der Kilianstädter Trödelhöfe, auf ein Haus in Schöneck aufmerksam. Seitdem lebt der 57-Jährige in Kilianstädten in einer Hofreite mit dem Haupthaus von 1782. In seiner Scheune sind Antiquitäten keine Seltenheit. Nicht nur Pendeluhren aus Frankreich und England hängen neben Kuckucksuhren an der Wand, sondern auch gerahmte Radierungen, Aquarell-und Ölgemälde.

Schöneck – In einem Nebenraum sieht man Skulpturen, einige aus Bronze, auch Musikinstrumente wie Mandolinen. Alte Apothekerflaschen, Kaffeemühlen und ein indonesisches Ritualschwert, das aufwendig mit Schnitzereien verziert ist, erzählen Geschichten.

Eine Nachtwächter-Figur als Glücksbringer

Grundmann zeigt auf eine Holzfigur. „Die ist unverkäuflich und für mich sehr wertvoll“, sagt er. Es ist die Figur eines Nachtwächters aus den 1970er/80er Jahren. Sie stammt aus dem Besitz von Grundmanns Vater. Nach dessen Tod wanderte der Nachtwächter in den Besitz des Sohnes über. „Ich gehe etwa vier Mal pro Jahr auf einen Trödelmarkt. Dann begleitet mich die Figur als Glücksbringer“, sagt Grundmann. Es mache ihm Spaß, oft große Konvolute über Ebay-Kleinanzeigen und aus Nachlässen zu kaufen. Die schönsten Dinge behalte er für sich.

Doch am liebsten sammelt er mechanische Uhren aus den 50er bis 70er Jahren. Der Schwiegervater hatte eine Uhrenfabrik in Pforzheim, in jener Stadt, aus der seine Frau stammt. Oft, sagt Grundmann, stünden Leute an seinem Stand und fragten ihn, wer das denn brauche. Dann entgegne er, dass es niemand brauche, aber dass Trödel eben eine Art Lebensfreude sei.

70 Aussteller bieten Raritäten an

Die meisten Flohmarktgänger seien Sammler, angetrieben von der Suche nach „dem Schnäppchen“. Seit sieben Jahren organisiert Grundmann die Kilianstädter Trödelhöfe. Schon vier Wochen vor Start haben sich in diesem Jahr 70 Aussteller aus ganz Hessen angemeldet. 2020 reisten trotz Corona mehr als 3000 Besucher an. Dieses Jahr gibt es wegen der beengten örtlichen Strukturen einen kostenlosen Shuttle-Bus, der im Zehn-Minuten-Takt drei Parkplätze anfährt. Haltepunkte sind der Parkplatz im Gewerbegebiet beim Rewe-Markt sowie die Parkplätze an der Erich-Simdorn-Halle und am Bürgertreff.

Bereits im dritten Jahr dabei ist der Foodtruckbetreiber „Mundpropaganda“ aus Kilianstädten mit einem Speisenangebot. In der Kulturscheune gibt es erstmals eine Kunstausstellung des Kunstvereins. „Das planen wir als Experiment. Solche Märkte kann man durchaus links und rechts vom Tellerrand erweitern“, sagt Grundmann.

Viele Fans für Armbanduhren

Etwa 17 Helfer stehen ihm zur Seite. Das Gelände umfasst zwölf Höfe, den Rathausparkplatz, den Hof an der Kulturscheune und die Herrnhofstraße mit Nebenstraßen. 2015 hat Grundmann mit acht Höfen, 20 Ausstellern und über 500 Besuchern begonnen.

Grundmann selbst besitzt eine Veranstaltungsagentur. Der gebürtige Mannheimer studierte BWL, Fachrichtung Marketing und Werbewirtschaft. „Nach einem dritten Glas Wein mit Freunden beschloss ich, einen eigenen Flohmarkt ins Leben zu rufen“, sagt Grundmann. Aus der Idee wurde eine Erfolgsgeschichte. 2016 sei er auf Antikmärkte gefahren, um Aussteller zu akquirieren. Von 100 seien drei gekommen.

Heute fragten Aussteller an. Dieses Jahr seien zwei Anbieter mit alten Möbeln dabei. Doch die Preise für Mobiliar seien extrem gefallen, auch für Porzellan, erklärt der Fachmann. Für Armbanduhren hingegen gebe es viele Fans. „Russische Uhren sind im unteren, mittleren Preissegment ein riesiges Thema“, sagt Grundmann.

Klaus Grundmann hier mit Hanuman, einer hinduistischen Gottheit mit der Gestalt eines Affen. Grundmann organisiert seit 2015 die „Kilianstädter Trödelhöfe“.

Die Marke Poljot werde extrem gesucht. Uhren seien dauerhaft beliebt ebenso wie Bronzeskulpturen und Militaria. Zinn und Briefmarken würden kaum nachgefragt. Warum die Leute so verrückt nach Trödel seien, könne er sich nicht genau erklären. Doch was man in Kilianstädten kaufen könne, finde man in Frankfurt auf der Zeil in keinem Laden.

„Auch der Trödel oder Antiquitäten unterliegen einer gewissen Mode“, sagt Klaus Grundmann, der die Veranstaltung rein als Hobby organisiert. Der 57-Jährige spricht von 200 Stunden Vorbereitungszeit, mit dem Planen der Plätze, Rundschreiben für die Aussteller und Werbung. Zukünftig plant er, die Kilianstädter Trödelhöfe mit Bedacht weiter auszubauen.

Die Kilianstädter Trödelhöfe finden am Sonntag, 12. September, von 10 bis 16 Uhr statt. Der Shuttle-Bus fährt seine letzte Runde um 15 Uhr. (Georgia Lori)

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