Arbeitskreis Ortsgeschichte und Ortsvorsteher Thorsten Weitzel arbeiten Hand in Hand

Schöneck: Neue Chronik geplant

Arbeiten an der neuen Chronik für Kilianstädten (von links): Ortsvorsteher Thorsten Weitzel, Erich Wacker (stehend) und Ludwig Wacker.
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Arbeiten an der neuen Chronik für Kilianstädten (von links): Ortsvorsteher Thorsten Weitzel, Erich Wacker (stehend) und Ludwig Wacker.

Viele Abende haben sie bereits zusammengesessen und von damals erzählt. Aus den Aufzeichnungen und Geschichten von Ludwig Wacker und dem kürzlich verstorbenen Gerhard Weismüller vom Arbeitskreis (AK) Ortsgeschichte Kilianstädten entsteht derzeit eine neue Chronik für den Ort. Anlässlich des Gemeindejubiläums „50 Jahre Schöneck“ sollen die Jahre 1971 bis 2021 beleuchtet werden.

Schöneck - Für das Projekt hat Ortsvorsteher Thorsten Weitzel bereits auf dem Dachboden des Rathauses gestöbert und seine eigene Großmutter interviewt. Der AK hat den 42-Jährigen für die Schreibarbeit gewinnen können.

„Ursprünglich dachte ich, es ging um Korrekturlesen, als ich um Unterstützung gebeten wurde“, sagt Weitzel schmunzelnd. Mit dem Rotstift könne er als Gymnasiallehrer schließlich gut umgehen. Der Ortsvorsteher ließ sich nicht lange bitten und stürzte sich mit Feuereifer in das Projekt. Schließlich gab es auch für ihn noch einige spannende Fakten zu erfahren.

Der erste Band „Kilianstäden“, den der Arbeitskreis Ende 2009 veröffentlichte und der die Zeit ab der Entstehung des Ortes beleuchtet, endet mit der Fusion von Kilianstädten, Büdesheim und Oberdorfelden zur neuen Gemeinde Schöneck. „Dort steigt der zweite Band wieder ein“, erläutert Weitzel. 110 DIN A4-Seiten hat er in einem Kraftakt bereits in den vergangenen Sommerferien zu Papier gebracht. In der zweiten Phase geht es darum, Fotomaterial zu sichten und und zu einem Buch zu setzen. Arbeitstitel: „50 Steerer Jahre in Schöneck“. Wer über das Wort „Steere“ stolpert: Das ist kein Schreibfehler. „Auch wenn heute oft von Steede gesprochen wird, im Kilianstädter Platt heißt es eigentlich Steerer“, weiß Ludwig Wacker.

Der 90-Jährige hat noch viele lebendige Erinnerungen an seine Jugend im Ort. Sein Wissen über das Leben auf den Bauernhöfen hat er in dem Buch „Landwirtschaft in Kilianstädten 1939 bis 1999“ zusammengefasst. Als ehemaliger Kommunalpolitiker kann er auch einiges aus der Politik der vergangenen Jahrzehnte beitragen. Unterstützung logistischer Natur gibt es von AK-Mitglied Erich Wacker.

Weitere Informationsquellen für die Chronik sind neben Gesprächen mit Zeitzeugen Protokolle, Niederschriften und Presseartikel der vergangenen 50 Jahre. In Schlagwörtern wie „Politisch“, „Sportlich“ oder „Feierlich“ hat Weitzel die Fakten aufbereitet. Ein kleiner Auszug ist in der nebenstehenden Infobox nachzulesen. „Dieser Band dürfte auch für jüngere Leute im Ort interessant sein, da sie viele Jahre selbst miterlebt haben“, betont Weitzel. Auch für Neubürger, die sich über die jüngste Vergangenheit ihrer neuen Heimat schlau machen wollten, sei die Chronik bestens geeignet.

Kilianstädten war nach dem Krieg eine richtige „Kinostadt“

Er selbst könne sich noch gut an die Zeit erinnern, in der das Straßenfest in Kilianstädten seine Hochzeit erlebte. „Damals wurde im Radio durchgesagt, dass es im Ort keine Parkplätze mehr gibt“, erinnert sich der heutige Ortsvorsteher. Seit einigen Jahren wird das Fest nicht mehr gefeiert.

Für ihn als Gemeindevertreter ebenfalls spannend: Der Standort des Bürgertreffs war seinerzeit heiß diskutiert. „Es gab heftige politische Auseinandersetzungen“, so Weitzel.

Was viele heute vielleicht nicht mehr wissen: Kilianstädten war nach dem Krieg eine richtige „Kinostadt“. „Es gab zwei Kinos. Die Menschen aus der ganzen Umgebung kamen her“, sagt Ludwig Wacker. Auch zum Tanzen kamen sie bis 1987 in den Ort. Dann wurde der Tanzsaal in der Gaststätte Zum Schützenhof Lind von der Gemeinde geschlossen. Die Diskothek „Chicsaal“ (vorher Black Point) war Mitte der 1960er bis Mitte der 80er Jahre der Treffpunkt für Jugendliche aus dem Rhein-Main-Gebiet. Bis zu 400 Leute feierten – allerdings so lautstark, dass die Anwohner sich heftig beschwerten und der Laden dichtgemacht wurde. Das Gebäude an der Frankfurter Straße musste schließlich einem Neubau weichen. In den vergangenen Jahren veranstaltete der SV Kilianstädten im Bürgertreff Chicsaal-Revival-Partys. Allerdings nur bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Den Einschränkungen durch das Covid-19-Virus widmet Weitzel innerhalb des Jahres 2020 ein eigenes Kapitel. „Das wird bestimmt spannend für nachfolgende Generationen“, sagt er. Eigene Anhänge soll es unter anderem für die Themen „Windräder“, „Massengrab“, Flurbereinigung“ und „Kilianstädter Originale“ geben.

Ziel ist, dass die Chronik bis zum Herbst fertig ist und auf dem Weihnachtsmarkt zum Verkauf angeboten werden kann. Weitzel ist hoffnungsvoll, dass dieser stattfinden kann. 500 Exemplare sollen in den Druck gehen. Das neue Heimatbuch von Kilianstädten werde für zirka 22 Euro über die Ladentheke gehen. „Zum Glück sind die meisten Vorarbeiten geleistet. Gerhard Weismüller hatte bereits viele historische Bilder digitalisiert“, sagt Weitzel. Eine Druckerei habe sich ebenfalls bereits gefunden. (Von Mirjam Fritzsche)

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