Versuchter Totschlag wegen Streit um Einkaufswagen?

30-Jähriger soll Kontrahenten mit Vollgas überfahren haben

Nichtiger Anlass: Ein Streit im und vor dem Lidl-Markt soll zu einer furchtbaren Tat ausgeufert sein, die jetzt ein Nachspiel vor Gericht hat. Archiv
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Nichtiger Anlass: Ein Streit im und vor dem Lidl-Markt soll zu einer furchtbaren Tat ausgeufert sein, die jetzt ein Nachspiel vor Gericht hat. Archiv

Der Anlass soll völlig nichtig gewesen sein – die nachfolgende Tat umso brutaler: Ein 30-Jähriger muss sich von nächster Woche an vor dem Hanauer Schwurgericht verantworten, weil er nach einem Streit in Schöneck seinen Gegner (42) verfolgt, absichtlich überfahren und ins Gesicht getreten haben soll (wir berichteten).

Schöneck/Hanau - Die Anklage lautet nun auf versuchten Totschlag und hat ein juristisches Nachspiel. Der Fall soll laut Staatsanwaltschaft Hanau am 1. Februar vergangenen Jahres im Lidl-Markt in Kilianstädten seinen Anfang genommen haben. Dort war der 41-Jährige mit seiner Lebensgefährtin einkaufen. Der Angeklagte und dessen Ehefrau ebenfalls. Offenbar soll es dabei zu Verwechslungen der Einkaufswagen gekommen sein. Daraus soll zunächst ein verbaler Streit zwischen beiden Männern entbrannt sein. Auf dem Parkplatz des Supermarktes sei das Wortgefecht erneut aufgeflammt – dann sei es zu Schubsereien gekommen und beide Männer hätten sich schließlich „Bauch an Bauch“ gegenübergestanden.

Mit dem Wagen verfolgt?

Nach lauten Worten und Drohgebärden habe sich die Situation jedoch zunächst entschärft. Der Angeklagte soll mit seinem Mercedes weggefahren sein und habe den Motor aufheulen lassen. Das Ende des Streits? Offenbar nicht. Wie Staatsanwältin Lisa Pohlmann, Pressesprecherin der Anklagebehörde, auf Anfrage mitteilt, sei nach dem Stand der Ermittlungen davon auszugehen, dass der 30-Jährige seinem Kontrahenten anschließend nachgefahren ist. Nach rund zwei bis drei Kilometern sei diese „Verfolgung“ jedoch beendet worden, der Mercedes soll abgedreht sein.

Opfer erleidet mehrere Brüche

Etwas später habe der 42-Jährige jedoch wieder den Mercedes im Rückspiegel bemerkt, der ihm bis nach Büdesheim gefolgt sein soll. An der Kreuzung Bergstraße/ Windecker Pfad wollte der „Verfolgte“ nun seinen Kontrahenten aus dem Supermarkt zur Rede zu stellen. Er stieg aus und lief auf dem Bürgersteig in Richtung des Mercedes. Laut Pohlmann soll der 30-Jährige dann zunächst den Rückwärtsgang eingelegt und mit der Limousine rund 60 Meter gefahren sein. Offenbar, um „Anlauf“ zu nehmen. „Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte dann den Vorwärtsgang einlegte, auf den Bordstein fuhr und dann Vollgas gegeben hat.“ Mit schlimmen Folgen für das Opfer, das vom Wagen erfasst wurde, über das Dach rutschte und auf dem Bürgersteig aufschlug.

Staatsanwaltschaft: Tod billigend in Kauf genommen

Der Angeklagte soll danach ausgestiegen sein und seinem Kontrahenten ins Gesicht getreten haben. Danach flüchtete der 30-Jährige vom Tatort. „Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag, weil der Angeklagte den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen haben könnte“, so die Pressesprecherin zur juristischen Einordnung. Der 42-Jährige soll eine Gehirnerschütterung sowie mehrere Knochenbrüche, Riss- und Schürfwunden davongetragen haben. Nach dem Geschehen wurde der Verdächtige von der Polizei gefasst. Das Amtsgericht Hanau erließ einen Haftbefehl, der unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden ist (wir berichteten). Nach Angaben der Behörden soll der Angeklagte die Tat unter laufender Bewährung begangen haben.

Von Donnerstag, 25. März, an will nun die Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel den Fall untersuchen und zahlreiche Zeugen hören. Für die Hauptverhandlung sind daher bereits mehrere Verhandlungstage angesetzt. (Von Thorsten Becker)

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