Studie für mehr Wachstum: Bauland-Offensive Hessen stellt drei mögliche Neubaugebiete vor

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In Kilianstädten könnte zwischen Weimarer Straße, Feldstraße und Dresdner Straße ein neues Baugebiet entstehen.

Die Bauland-Offensive Hessen hat nun eine Studie zu drei möglichen Neubaugebieten in Schöneck vorgestellt. Dort soll ein Wachstum von Schöneck möglich sein. 

 „Es geht um das Wo“, erklärt Dieter Schulz (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Bauausschusses, am Mittwochabend in der Nidderhalle. In der gemeinsamen Sitzung mit den drei Ortsbeiräten der Gemeinde steht die Präsentation einer Machbarkeitsstudie zu neuen Baugebieten in Kilianstädten, Oberdorfelden und Büdesheim auf der Tagesordnung. Trotz Corona und Abstandsgebot ist das Interesse der Bürger riesig. „So viele Gäste haben wir nur selten“, freut sich Schulz. Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) betont gleich zu Anfang, dass man mit der Planung in einem ganz frühen Stadium sei. „Es geht aktuell nur darum, was machbar ist. Es ist noch ein langer Weg, bis eine Entscheidung fällt“, sagt die Bürgermeisterin. 

Der Prozess brauche Zeit. Fast eineinhalb Stunden präsentieren Gregor Voss, Dr. Jürgen Schmitt und Ronald Uhle von der Nassauischen Heimstätte die Ergebnisse ihrer Untersuchungen. „Wir gehen davon aus, dass auf jeden Fall weiterer Wohnraum benötigt wird. Nach Prognosen wird die Einwohnerzahl in Schöneck bis 2030 um 5,1 Prozent wachsen“, so Dr. Jürgen Schmitt. 

Zahl der Haushalte in der Gemeinde Schöneck sei entscheidend

Entscheidend für den Wohnungsbau sei die Zahl der Haushalte, die in der Gemeinde bis 2030 um 583 auf 6208 wachsen soll. Positiver Aspekt: Schöneck sei ein attraktiver Wohnort, allerdings gebe es bereits jetzt ein Wohnungsdefizit. Während die Mietpreise zwischen 2007 und 2018 um 26 Prozent gestiegen seien, erhöhten sich die Kaufpreise sogar um 50 Prozent. Ziel neuer Baugebiete sei ein Anteil von rund 30 Prozent an bezahlbarem Wohnraum (Mietpreis zu 6,50 Euro/Quadratmeter). Wegen der sozialen Mischung sollen neben Geschossbauten auch Reihenhäuser und Doppelhaushälften entstehen, die zu marktüblichen Preisen veräußert werden sollen. 

Oberdorfelden könnte mit einem Baugebiet zwischen Umgehungsstraße, der Verbindungsstraße nach Kilianstädten und den Bahngleisen um 360 Einwohner wachsen

In der Standortanalyse für Kilianstädten wurde ein Gebiet von 6,5 Hektar zwischen Weimarer Straße, Feldstraße und Dresdner Straße betrachtet. Hier könnten um die 200 Wohneinheiten mit 530 Einwohnern Platz finden. Als positiv bewerten die Experten die Größe, Lage und Anbindung für eine Baugebietsentwicklung und dass es Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft gibt. Die Höhensituation mit einer Neigung von neun Prozent stelle eine Schwierigkeit dar. Zusätzlicher Verkehr im bestehenden Wohngebiet lasse sich zudem kaum vermeiden. In Oberdorfelden wurde das Gebiet zwischen Umgehungsstraße, der Verbindungsstraße nach Kilianstädten und den Bahngleisen untersucht (6,1 Hektar). 

Großer Erschließungsaufwand in Killianstädten

Ein Manko hier: ein hoher Erschließungsaufwand, da ein Lärmschutzwall entlang der L3008 benötigt würde. Auch an der Bahnlinie müssten passive Schallschutzeinrichtungen eingebaut werden. Positiv: Die Erschließung kann weitgehend ohne zu-sätzlichen Verkehr im benachbarten Wohngebiet erfolgen. Ein sehr großes Baugebiet mit 16 Hektar ließe sich in Büdesheim realisieren. Mehr als 1000 Neubürger könnten hier wohnen. Das Gebiet müsse wegen der Größe allerdings in zwei Abschnitten entwickelt werden. Es gibt zudem zwei Besonderheiten: Im südwestlichen Bereich des Gebiets soll nach Wunsch der Gemeinde ein Lebensmittelmarkt realisiert werden. Das wäre positiv für die Nahversorgung, müsse planungsrechtlich jedoch noch geprüft werden. Der Bereich des ehemaligen Gartenbaubetriebs soll, wenn möglich als Grünfläche erhalten bleiben, macht die Entwicklung aber komplizierter. Für das Gebiet sprechen unter anderem die unproblematische Topographie und die bereits bestehende Wohnnutzung in der Nachbarschaft. Die große Frage ist nun: Wo fängt man an? „Wir empfehlen zunächst Kilianstädten und Oberdorfelden parallel zu entwickeln und Büdesheim erst später anzugehen“, sagt Schmidt. 

Vorlage sei noch kein Bebauungsplan für Schöneck

Die Entscheidung sei allerdings knapp ausgefallen. Auch die umgekehrte Reihenfolge sei denkbar. Im Anschluss an die Vorträge hatten die Bürger noch viele Fragen. Viele drehten sich um die bereits bestehende schwierige Verkehrssituation in Richtung Bad Vilbel und Frankfurt sowie die Befürchtung einer Überlastung innerörtlicher Straßen. „Die komplette Verkehrssituation konnten wir im Rahmen dieser Studie nicht untersuchen. Ein Gutachten würde dann aber noch für eine konkrete Baugebietsplanung erstellt.“ Schmitt betont noch einmal, dass die Entwürfe keine Vorlage für einen konkreten Bebauungsplan seien, sondern nur darstellten, was machbar sei. Neue Kitas in Büdesheim und Kilianstädten wurden in der Betrachtung mit eingeplant. „Aber was ist mit Schulen?“, will eine Bürgerin wissen. Günter Rauch, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, betont, dass man regelmäßig mit dem Main-Kinzig-Kreis als Schulträger im Gespräch sei. Bereits vor Jahren habe es eine Diskussion über eine weiterführende Schule in Schöneck gegeben. Allerdings reichten damals die Schülerzahlen nicht aus. 

In Büdesheim könnte mit 16,2 Hektar das größte Baugebiet entstehen. Es müsste in zwei Abschnitten entwickelt werden. Am westlichen Rand könnte der Ortsteil nach Vollendung um mehr als 1000 Bürger wachsen.

„Das Grundstück zwischen Kilianstädten und Büdesheim ist aber vorhanden. Bei einer Entscheidung über neue Baugebiete könnte man das erneut diskutieren.“ Ein Anwohner äußerte Bedenken zum Baugebiet in Kilianstädten. „Dort ist ein Überschwemmungsgebiet. Regelmäßig läuft bei Starkregen Wasser in die Keller.“ Hier konnte Rauch positive Nachrichten verkünden. Die anliegenden Ackerflächen seien von der Gemeinde gepachtet worden und sollen in Grünstreifen verwandelt werden. „Im Spätsommer nach der Ernte wollen wir damit beginnen.“ Das neue Baugebiet müsste dann entsprechend mit Gräben und Wällen geschützt werden. Die Diskussion muss nun in den kommenden Monaten mit den Bürgern und politischen Vertretern fortgeführt werden. Die Studie soll demnächst auf der Homepage der Gemeinde nachzulesen sein.

Die Bauland-Offensive Hessen

Die Bauland-Offensive Hessen ist ein Instrument des Landes Hessen zur Unterstützung der Kommunen bei der Mobilisierung von Flächen für bezahlbaren Wohnraum. Im ersten Schritt bietet das Land den Kommunen an, bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfung für die in Frage kommenden Flächen erstellen zu lassen. Die Bearbeitung erfolgt durch die neu gegründete Bauland-Offensive Hessen GmbH als Tochter der Nassauischen Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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