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Schöneck: Über 200 Besucher bei Infoabend zu geplantem Rechenzentrum

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Die Informationsveranstaltung zum geplanten Rechenzentrum im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II, veranstaltet vom neu gegründeten „Bündnis lebenswertes Schöneck“, lockte über 200 Besucher in den Bürgertreff Kilianstädten. Landwirt Matthias Wacker (von rechts, Kommunalfinanzexperte Dr. Thilo Sekol und Dr. Werner Neumann vom BUND referierten über verschiedene Aspekte und mögliche Folgen des Projekts.
Die Informationsveranstaltung zum geplanten Rechenzentrum im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II, veranstaltet vom neu gegründeten „Bündnis lebenswertes Schöneck“, lockte über 200 Besucher in den Bürgertreff Kilianstädten. © PM

Rund 230 Besucher waren laut Mitteilung der Veranstalter vom „Bündnis lebenswertes Schöneck“ zu dessen Informationsveranstaltung zum geplanten Rechenzentrum im Bürgertreff Kilianstädten gekommen.

Schöneck – In dem neu gegründeten Bündnis engagieren sich Bürger, die mit den aktuellen Plänen der Gemeinde zum Bau eines Rechenzentrums durch die Hetzner Online GmbH auf fast 13 Hektar Ackerland (entspricht etwa 18 Fußballfeldern) im Gewerbegebiet Kilianstädten Nord II neben dem Gelände des Autokontor Bayern nicht einverstanden sind.

Barbara Schöller, die durch den Abend führte, informierte anhand einer Übersichtskarte von Kilianstädten zunächst über die Größe des geplanten Rechenzentrums, das einstöckig und ohne Nutzung der Abwärme geplant wird.

Matthias Wacker, Agrarwissenschaftler, Umweltmanager und Landwirt aus Kilianstädten, informierte im Anschluss über die Besonderheiten des vom Vorhaben betroffenen Ackerbodens (Lössboden), der in dieser Güte und Qualität in Deutschland besonders selten sei und zu Hessens ertragreichsten Böden gehöre. Er erläuterte, welche Probleme die Versiegelung des Bodens bei der Grundwasserbildung nach sich ziehe, „denn das Rechenzentrum soll im Wasserschutzgebiet errichtet werden“, so die Mitteilung des Bündnisses. „Da Kilianstädten seit 2020 aufgrund der Trockenheit vornehmlich durch die Reservebrunnen Hellerborn und Wolfsbrunnen versorgt wird, würde die Versiegelung weiterer Flächen die Versorgungssituation weiter verschärfen.“ Weiter erläuterte Wacker, welche ohnehin bedrohten Tierarten betroffen wären.

Finanzexperte: Gewerbesteuer verschwindend gering

Dr. Thilo Sekol, Experte für Gewerbesteuern und kommunalen Finanzausgleich, informierte das Publikum über die nach seinen Berechnungen finanziellen Auswirkungen einer Ansiedlung eines Rechenzentrums für die Gemeindekasse. Hintergrund war die Annahme der Gemeinde, das Rechenzentrum würde hohe Einnahmen in die Gemeindekasse spülen. Sekol rechnete beispielhaft vor, dass von einer Million Euro Gewerbesteuereinnahme aufgrund des kommunalen Finanzausgleichs und die Änderung von Schlüsselzuweisungen und Umlagen einerseits sowie aufgrund der Kosten für Instandhaltung der Infrastruktur der Gemeinde andererseits lediglich der Betrag von 6000 Euro (0,6 Prozent der gezahlten Gewerbesteuer) in der Gemeindekasse verbleiben würden.

Landwirt Matthias Wacker (von rechts, Kommunalfinanzexperte Dr. Thilo Sekol und Dr. Werner Neumann vom BUND referierten über verschiedene Aspekte und mögliche Folgen des Projekts.
Landwirt Matthias Wacker (von rechts), Kommunalfinanzexperte Dr. Thilo Sekol und Dr. Werner Neumann vom BUND referierten über verschiedene Aspekte und mögliche Folgen des Projekts. ©  PM

Diplom-Physiker Dr. Werner Neumann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigte auf, wie eine Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums seiner Ansicht nach möglich wäre und welche finanziellen Vorteile die Bürger von Schöneck davon haben könnten. An den Beispielen anderer Rechenzentren in anderen Städten erläuterte er, dass die Nutzung der Wärme zum Beheizen der Gebäude heute technisch möglich sei und sich für die Bürger auch finanziell lohnen würde.

Bürgermeisterin ließ sich entschuldigen

Im Anschluss an die Vorträge stellte das Publikum Fragen an die Redner und weitere Experten (Guido Vero, Hydrogeologe, Manfred Sattler, HGON, und Kai Richter vom Hochschulrechenzentrum der Goethe-Universität in Frankfurt). Diskutiert wurde laut Mitteilung der Veranstalter, was eigentlich für den Bau des Rechenzentrums spreche, insbesondere weshalb einem einzigen Betrieb das gesamte Gewerbegebiet überlassen werden solle, und die damit verbundene Frage der fehlenden Risikostreuung. „Die anwesenden Bürger brachten ihr Unverständnis und ihre Empörung über die Pläne der Gemeinde zum Ausdruck“, so das Bündnis in einer Mitteilung.

Bürgermeisterin Cornelia Rück (SPD) hatte nach Angaben der Veranstalter ihre Teilnahme am Infoabend aus Termingründen abgesagt. Allerdings habe zwei Tage zuvor ein Treffen von Vertretern des Bündnisses mit Rück und Vertretern des Gemeinderates im Rathaus stattgefunden. „Dort wurden die diversen Kritikpunkte des Bündnisses diskutiert“, heißt es in der Mitteilung. „Die Politiker betonten, dass in Sachen Rechenzentrum noch nichts abschließend beschlossen sei.“

Fahrraddemo und Bürgerversammlung

Moderatorin Barbara Schöller informierte die Anwesenden des Infoabends am vergangenen Donnerstag über die geplante Fahrrad-Demonstration des „Bündnisses lebenswertes Schöneck“ und von „Fridays For Future Schöneck“ am 23. September. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Rathaus Kilianstädten. Von dort geht es dann nach Büdesheim, wo auf dem Platz vor dem evangelischen Gemeindehaus ab 18.30 Uhr die Kundgebung und ein Fest geplant sind.

Für den 26. September hat die Gemeinde ab 19 Uhr zur Bürgerversammlung im Bürgertreff Kilianstädten eingeladen. Dort will sie über die Pläne zum Rechenzentrum informieren. Nach Angaben der Gemeinde ist auch die Firma Hetzner eingeladen. Vertretern der Firma Hetzner, Bürgermeisterin Cornelia Rück sowie die Fraktionsvorsitzenden des Schönecker Parlaments stehen für Fragen zur Verfügung. Die Bürger sind aufgerufen, diesen Termin wahrzunehmen und ihre Fragen direkt den zu stellen. Die Sitzung wird geleitet vom Vorsitzenden der Schönecker Gemeindevertretung, Klaus Ditzel. (jow)

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