Wohnraummangel

Winzige Häuser im Trend: Schönecker will den Verein Kleiner Wohnen Rhein-Main gründen

Sein eigenes Tiny House steht in einem Kleingarten: Uwe Christof möchte den Verein „KleinerWohnen RheinMain“ gründen.
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Sein eigenes Tiny House steht in einem Kleingarten: Uwe Christof möchte den Verein „Kleiner Wohnen Rhein-Main“ gründen.

Noch ist es recht spartanisch eingerichtet. Ein Tisch, Stühle, keine Heizung, keine Sanitäranlagen – aber dafür gibt es jede Menge Pläne. Uwe Christof erfüllt sich den Traum vom Tiny House, indem er selbst eines baut. Seine „Gartenlaube auf Rädern“, wie er sie selbst nennt, steht momentan in einem Schrebergarten in Schöneck. In der Zukunft soll sie einmal als Ferienhaus in einer Urlaubsregion aufgestellt werden. Der IT-Manager im Vorruhestand hat sich das Thema „Kleiner Wohnen“ auf die Fahnen geschrieben. Er will anderen dabei helfen, ihren großen Traum vom winzigen Zuhause zu realisieren, auch in der Gemeinde.

Schöneck – Gemeinsam mit 14 Mitstreitern plant der 62-Jährige, den Verein „Kleiner Wohnen Rhein-Main“ zu gründen. „Die Satzung ist fertig und wird gerade geprüft“, sagt er. Der Vereinssitz soll Frankfurt sein, um auch überregional wahrgenommen zu werden.

Mit der Vereinsarbeit ist der Schönecker bereits firm. „In meiner beruflichen Zeit in München habe im Bayerischen Oberland einen solchen Verein mitgegründet. Er heißt Einfach gemeinsam leben e.V.“, berichtet Christof. Als Vorstand habe er in mehreren Projekten Erfahrung mit Grundstücksbesitzern, Behörden, Interessenten, Kritikern und der Öffentlichkeitsarbeit sammeln können.

„Das Thema beschäftigt mich schon lange. Beruflich bin ich viel herumgekommen und habe gesehen, wie anderswo gelebt wird. Erstaunlich finde ich: Selbst in Indien ist die Eigentumsquote höher als bei uns in Deutschland. Wohnraum müsste einfach erschwinglicher sein.“ Vor sieben Jahren ist er dann auf die Tiny-House-Bewegung aus Amerika aufmerksam geworden. „Auf einer Gartenausstellung in Büdingen habe ich einen Schäferwagen auf Rädern entdeckt. Dort gab es auch Infos zu den Tiny Houses. Die haben es mir sofort angetan“, erzählt Christof.

Facebook-Gruppen haben großen Zulauf

Neben seinem Engagement für „Einfach gemeinsam leben“, hat sich der IT-Manager auch im Internet für den Boom aus Amerika stark gemacht. Christof ist Administrator der Facebook-Gruppen „Tiny House Rhein-Main“ sowie „Tiny House München und Oberland“ und schaltet dort täglich mehr als 20 neue Mitglieder frei. Über 2600 Interessierte aus den beiden Gebieten tauschen sich hier über die Problematiken rund um Kleinwohnformen aus.

Sie möchte Christof unterstützen. „Viele Menschen träumen davon, solch ein kleines Häuschen ‘einfach’ auf eine Wiese zu stellen und darin preisgünstig zu wohnen. Die Ernüchterung kommt jedoch, wenn man sich näher mit dem Thema befasst“, so der Experte. Denn in Deutschland unterliege alles, was „auf Grund der Schwere mit dem Erdboden verbunden ist“ als Gebäude dem Baurecht. Erst recht, wenn man darin dauerhaft wohnen möchte. Dabei sei es egal ob mit oder ohne Räder. Denn auch der Verwendungszweck spiele eine maßgebliche Rolle bei der baurechtlichen Einordnung der kleinen Häuser. Und die auf vielen Fotos dargestellten mobilen Tiny Häuser auf Rädern unterlägen zusätzlich dem Straßenverkehrsrecht. „Es gibt ein Recht, ein großes Haus bauen zu können, aber für winzige Häuser gibt es das nicht“, moniert Christof. Dabei gebe es genügend kleine Grundstücke, die temporär genutzt werden könnten. Allein in Kilianstädten will der Schönecker 41 solcher so genannten Enkelgrundstücke ausgemacht haben. Das sind Grundstücke, die nur 200 bis 300 Quadratmeter groß und deshalb zu klein für ein „normales“ Haus sind.

Eine Lösung für den Wohnraummangel

„Das wäre eine Möglichkeit, neuen Wohnraum zu schaffen, ohne den Boden komplett zu versiegeln. Ein weiterer Vorteil: Ein Aushub ist für die kleinen Häuschen ist nicht nötig. Wird das Tiny House irgendwann entfernt, ist das Grundstück wieder wie vorgefunden“, führt Christof seine Argumente auf. Kleinwohnformen sind für ihn eine ideale Lösung, um dem Wohnraummangel zu begegnen.

In Schöneck wird aktuell über neue Baugebiete in den Ortsteilen diskutiert (wir berichteten). Der Tiny House-Befürworter wünscht sich, dass dort auch Platz für mehrere solcher Kleinhäuser auf einem gemeinschaftlichen Grundstück als Mehrgenerationen-Wohnanlage geschaffen wird. Dafür will er bei den Kommunen werben.

Vereinsziel: Aufklärung und Beratung

Aber nicht nur Lokalpolitiker wollen überzeugt werden, Bedenken kommen auch oft von Anwohnern, weiß Christof. Die Liebhaber von kleinen Wohnformen eine der Drang nach Minimalismus, Konsumverzicht und einem ökologischerem Leben. Doch Nachbarn fürchteten sich vor einer Art „Wagenburg“ mit Lärm und einer ausschweifenden Lebensweise. Dabei sollen die kleinen Häuser auch gerade für die ältere Generation ein Alternative sein. Viele Häuser seien zu groß, wenn die Kinder nicht mehr zu Hause wohnen. Eine der Aufgaben des Vereins wird also Aufklärung sein.

Unterdessen „zimmert“ Christof weiter an seinem ganz privaten Traum vom minimalistischen Leben.

Uwe Christof sucht noch nach weiteren Mitstreiter für die Vereinsgründung. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail an Uwe.Christof@t-online.de bei ihm melden.

(Von Mirjam Fritzsche)

Uwe Christof

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