Mit den Spundwänden geht‘s los

Startschuss für Modernisierung der Gruppenkläranlage von Schöneck und Niederdorfelden

Mächtige Eisenspundwände werden derzeit auf dem Gelände der Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden bis zu 20 Meter tief in die Erde gerammt, um den ersten Bauabschnitt der Sanierung- und Modernisierung, das Zwischenspeicherbecken, bauen zu können.
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Mächtige Eisenspundwände werden derzeit auf dem Gelände der Gruppenkläranlage Schöneck-Niederdorfelden bis zu 20 Meter tief in die Erde gerammt, um den ersten Bauabschnitt der Sanierung- und Modernisierung, das Zwischenspeicherbecken, bauen zu können.

„Das wird eine Operation am offenen Herzen ohne Betäubung“, sind sich Andreas Lotz, seit Anfang Februar Betriebsleiter der Gruppenkläranlage der Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden sowie Hans-Jürgen Merget, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung in Schöneck, einig. Nach Plan bis Ende kommenden Jahres wird das Klärwerk auf der Gemarkung Rendel modernisiert und an die gestiegenen Einwohnerzahlen der beiden Kommunen angepasst.

Schöneck/Niederdorfelden - Dafür müssen die Gemeinden tief in den Säckel greifen, veranschlagt sind 12,4 Millionen Euro bei einer geplanten jährlichen Betriebskosteneinsparung von künftig 200 000 Euro (wir berichteten).

„Noch läuft die 1987 in Betrieb genommene Anlage mit guten bis sehr guten Werten. Aber das neue Baugebiet in Niederdorfelden und die im Regionalen Flächennutzungsplan möglichen Erweiterungen in Schöneck machen eine Aufstockung der Leistung mit Blick auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung notwendig. Auch sind viele der verbauten Teile der Anlagen- und Maschinentechnik in die Jahre gekommen und müssen ersetzt werden“, betonte Merget.

Nach der Einigung der beiden Gemeinden hinsichtlich der Kosten – 75 Prozent übernimmt Schöneck, 25 Prozent Niederdorfelden – wurden die Ingenieurbüros Enno Leonhard und Hydroingenieure nach einer europaweiten Ausschreibung mit der Planung im Februar 2018 beauftragt. Diese erarbeiteten aufgrund der räumlichen Enge auf dem Areal in Kooperation mit Professor Dr. Wagner von der TRH Darmstadt ein Konzept, das beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt Zustimmung fand.

Expertise aus Darmstadt

Notwendig wäre eine Verdopplung bis Vervierfachung der Flächen für die biologische Reinigung gewesen. Mit dem Einsatz eines SBR-Reaktors, in dem diese Reinigungsprozesse auf kleiner Fläche hintereinander ablaufen, soll auf dem bislang verfügbaren Platz dieselbe Reinigungsleistung bereitgestellt werden können.

„Diese Methode ist ziemlich einzigartig, weshalb die Genehmigung auch nur wegen der Expertise des Darmstädter Professors zu bekommen war“, betonte Lotz. Eine weitere Komponente, für die gerade die Spundwände 20 Meter tief in das Erdreich gerammt werden, ist ein 500 Kubikmeter fassendes Zwischenspeicherbecken zur besseren Regulierung der Zulaufmengen aus dem Hauptsammler, um bei Starkregenereignissen einen Puffer vorhalten zu können. Dieser erste Bauabschnitt wurde ebenfalls europaweit ausgeschrieben, eine Firma aus der italienischen Schweiz hat daraufhin den Auftrag bekommen.

Planung hat drei Jahre gedauert

Ein weiteres Problem ist der Klärschlamm, der bisher entwässert und getrocknet wird, aber immer noch einen Feuchtigkeitsgehalt von weit über 70 Prozent aufweist. „Die Kosten für die Entsorgung von Klärschlamm steigen ständig, so dass hier dringend Handlungsbedarf besteht“, erläuterte Merget Hans-Jürgen . Nach einer Vorklärung wird der Faulschlamm künftig in einem Faulbehälter behandelt und der Wasseranteil auf um die 65 Prozent reduziert. Das bei diesem Prozess gewonnene Faulgas wiederum soll ein Blockheizkraftwerk antreiben, das 70 Prozent der entstehenden Stromkosten abdecken und verschiedene Gebäude beheizen soll.

Insgesamt listet die Aufstellung der Ingenieurbüros 17 Einzelmaßnahmen auf, um die Kapazität der Kläranlage von derzeit 20 000 auf 30 000 Einwohnerwerte – entspricht nicht der Einwohnerzahl – anzuheben. Aufgrund verschiedener Parameter sei es nicht möglich gewesen, das Areal der Kläranlage zu erweitern, man habe mit den baulichen und räumlichen Gegebenheiten planen müssen, schreiben die Ingenieure.

„Deshalb hat die Planung und Genehmigung auch drei Jahre gedauert, weil es notwendig war, immer wieder Modifikationen und Verschiebungen von baulichen und betriebstechnischen Maßnahmen vorzunehmen, um letztlich einen optimalen Betriebsablauf mit Hinblick auf die vom Gesetzgeber geforderten Werte, aber auch für ein effizientes Arbeiten der fünf Mitarbeiter zu erreichen“, betonte Hans-Jürgen Merget. (Von Thomas Seifert)

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