Ohne Wetzen und Dengeln geht es nicht

Streuobstfreunde Kilianstädten zeigen den perfekten Umgang mit der Sense

Der letzte Schliff für eine gute Sense: Obstbauer Thorsten Graupe stellt die gedengelte Schneide mit einem nassen Wetzstein gerade.
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Der letzte Schliff für eine gute Sense: Obstbauer Thorsten Graupe stellt die gedengelte Schneide mit einem nassen Wetzstein gerade.

Auf der Wiese des Vereins Streuobstfreunde Schöneck in Kilianstädten stehen etwa 120 Obstbäume auf 500 Quadratmetern Fläche, teils frisch veredelt. Dort fand kürzlich ein Kurs zu „Mähen mit der Sense“ statt. Unsere Zeitung war dabei.

Schöneck – Vor zwei Jahren standen diese Bäume noch auf einem Privatgrundstück in Büdesheim. Doch dieses Grundstück wurde verkauft, und so musste der Vorsitzende Werner Nussbaum die Fläche räumen. Ersatz fand er in dieser Ausgleichsfläche der Hessischen Landgesellschaft. Die Streuobstfreunde kauften das Grundstück. Heute sind 1800 Quadratmeter Fläche eingezäunt. In der Gemarkung stehen weitere Sammlungen mit etwa 450 Sorten. Der Verein mit 53 Mitgliedern besteht seit November 2012. Nussbaum möchte dem Verein 2022 seine private Sammlung zum zehnjährigen Bestehen übergeben.

Thorsten Graupe und Peter Schmitt-Wilbert sind Gartenwarte im Verein und mähen die Fläche regelmäßig von Hand. Wie Graupe zu Beginn erklärt, werden seit einigen Jahrzehnten immer mehr Motorgeräte bei großen Flächen und kleinen Hausgärten eingesetzt. „Sie machen nicht nur Lärm, sondern vergiften mit Öl und Benzin auch die Böden“, sagt er. Die Sense sei ein sehr altes Gerät zum Mähen. Sie rücke wieder in das Bewusstsein. Graupe vermittelte die Grundlagen zum Umgang mit der Sense. Er nannte die Namen der einzelnen Teile, zeigte, wie eine Sense eingestellt wird und wie die Bewegungsabläufe beim Sensen ausgeführt werden.

Eine Alternative zur Motorsense

„Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist das Dengeln“, sagt er. Bei dem Verfahren zum Schärfen der Schneide wird diese mit dem Hammer ausgetrieben. Die so erzeugte Schneide wird als Dengel bezeichnet.

Welche Motivation die Teilnehmer haben, das Mähen mit der Sense zu erlernen, erklärten sie selbst. Sonja Merx ist im Besitz einer Streuobstwiese mit Baumbestand und sieben Schafen. Sie und ihr Ehemann Philipp möchten mit dem Sensen Futter für die Schafe gewinnen. Sönke Knop ist Hobbyimker. Er hat 14 Völker. Die Flächen um die Bienen hält er frei, dass diese besser anfliegen können und er einfacher an die Bienen herankommt. Seine Bienen mögen es nicht, wenn er in ihrer Nähe Motorsensen einsetzt. Er möchte die manuelle Mahd ausprobieren. „Ich mag das Mähen mit der Sense und Geräten, die ohne Motor laufen“, sagt Heiko. Es sei eine friedliche Art zu arbeiten. Anne baut aktuell eine Gärtnerei in Bruchköbel auf. „Mein Opa arbeitete früher auch mit einer Sense. Ich bin an den Bewegungsabläufen interessiert“, sagt sie.

Die Sense muss richtig eingestellt sein

Bernd erinnert an früher, als die Leute auf dem Land mit der Sense Flächen mähten, um Futter zu gewinnen. Laut Graupe besteht die Sense aus einem Sensenblatt und Sensenbaum, zu dem zwei Griffe gehören, und dem Sensenauge, mit dem das Sensenblatt am Sensenbaum aus Holz oder Metall befestigt wird. Zum Sensenblatt zählen Spitze, Rücken, Schneide, Bart, Hamme und Warze.

„All das ist wichtig, um die Sense passend zur Körpergröße einzustellen“, sagt Graupe. Damit die Sense laufe, müsse sie richtig eingestellt sein. Die Griffe müssten stets zur Körpergröße passen. Es gebe keine Standardeinstellung für einen Sensenbaum. Sensenbäume seien bis 1,75 Meter lang. Der Griff in der Mitte des Sensenbaums sollte auf Höhe des Hüftgelenks sein. Der Unterarm plus etwa zehn Zentimeter ergebe die Höhe des zweiten Griffs.

Der Holzbaum sei gegenüber einem aus Metall gelenkschonender, verrät Graupe. Wenn der Bart höher als die Spitze sei, sei die Sense nach innen gestellt. Graupe zeigt dies am praktischen Beispiel.

Beim Dengeln wird die Schneide mit dem Hammer ausgetrieben.

Wie Werner Nussbaum erklärt, zog sein Vater, ein Kaninchenzüchter, jedes Jahr etwa 120 Tiere auf. „Diese brauchten Futter. Ich arbeitete deshalb schon als 13-Jähriger mit der Sense.“ Eine gute Sense sei heute für 50 Euro in Baumärkten zu bekommen. Künftig soll der Kurs einmal jährlich nach dem 21. Juni angeboten werden. „Zu Beginn fallen den Teilnehmern die fließenden Bewegungen und das richtige Halten der Sense noch schwer“, sagt Nussbaum. Laut Graupe ist das Dengeln ein Kaltschmieden. „Ich schlage in mehreren Durchgängen auf das Eisen, verändere die Struktur und möchte erreichen, dass der Dengel dünner wird“, erklärt er die Vorgehensweise.

Um die gedengelte Schneide gerade zu stellen, kommt zusätzlich ein Wetzstein zum Einsatz, der während der Anwendung nass sein muss. Bearbeitet werde das Sensenblatt vom Bart zur Spitze hin, im flachen Winkel und im Wechsel, sagt Graupe.

Am Wiesenabschnitt erklärt er das Prinzip beim Mähen mit der Sense: „Die Sense läuft und schneidet – und wir laufen mit, indem wir uns nur mit der Hüfte drehen“. Beim Sensen lägen beide Daumen oben auf den Griffen. Ein Bein sei leicht nach vorne gestellt. Kraft sei nötig – und ein wenig Geduld. (Georgia Lori)

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