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Veranstalter und Ordnungsamt ziehen positives Resümee nach dreitägiger Tailgateparty

Liebhaber von großen, lauten Autos trafen sich am Wochenende auf einem Acker in Büdesheim zu einer Tailgateparty.
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Liebhaber von großen, lauten Autos trafen sich am Wochenende auf einem Acker in Büdesheim zu einer Tailgateparty.

Die Sonne brennt, aus den Boxen klingt CCR und Johnny Cash, es riecht nach Grill und Benzin, ein Traktor tuckert an schlammbespritzten Jeeps vorbei, im wassergefüllten Anhänger prosten sich vier Mitfahrer zu -– was auf einem abgeernteten Acker in Büdesheim nach entspannter Festival-Atmosphäre aussieht, hat im Vorfeld für reichlich Wirbel gesorgt.

Schöneck – Die örtliche CDU hatte die sogenannte Tailgateparty – ein amerikanischer Brauch, bei dem sich Pickup-Fahrer an den offenen Heckklappen zum Feiern versammeln – als „in Pandemiezeiten nicht vermittelbar“ kritisiert und eine engmaschige Kontrolle gefordert.

Tatsächlich standen die rund 180 Teilnehmer, die aus dem gesamten Bundesgebiet mit ihren Geländefahrzeugen angerückt waren, unter strenger Beobachtung des Ordnungsamtes und der besorgten Anwohner, die gestern allerdings ein positives Resümee zogen: „Wir waren mehrmals vor Ort, auch nachts, und haben gesehen, dass die Teilnehmer alle Auflagen eingehalten haben“, sagt Mathias Laufer, Leiter des Schönecker Fachbereichs Bürgerservice und Ordnungswesen. „Nach 22 Uhr war es ruhig, es gab kein Feuer und keine Beschwerden seitens Polizei und Anwohnern. Die Teilnehmer sind bei ihrer An- und Abreise langsam und rücksichtsvoll gefahren und haben keinen Müll hinterlassen.“

Mit Blick auf das von der CDU angesprochene erhöhte Infektionsrisiko durch den auswärtigen Besuch wurden auch alle Corona-Auflagen erfüllt. „Die Gäste haben in kleinen Gruppen zusammengesessen“, so Laufer. „Entgegen den Befürchtungen ist die Veranstaltung optimal verlaufen.“ Dem stimmt auch Landwirt und Anwohner Tim Wörner zu: „Meine Bedenken haben sich nicht bestätigt.“

Veranstaltung stand bis kurz vor Beginn auf der Kippe

Aufgrund der Sorge vor zu viel Lärm und Flurschäden durch die hubraumstarken Autos stand die Heckklappen-Party „bis kurz vor knapp auf der Kippe“, wie Veranstalter Anthony Abrantes berichtet. „Ich verstehe die Ortsansässigen und ihren Unmut, dass wir als Auswärtige hier feiern, obwohl sie ihre Feste wegen Corona in den vergangenen Monaten absagen mussten“, sagt der Halbamerikaner, der bereits zum dritten Mal zur Tailgateparty eingeladen hatte. „Aber andererseits ist unsere Party mit knapp 200 Teilnehmern jetzt im August etwas anderes als ein Volksfest mit mehreren tausend Besuchern.“ Dennoch zeigte er sich gesprächsbereit und ging auf die Befürchtungen ein: Um Flurschäden zu vermeiden, wurde die Schlammstrecke geschlossen, der Anfahrtsweg führte möglichst weit am benachbarten Pferdehof vorbei, statt offenem Feuer gab es Essen von einem Foodtruck aus Schöneck und zusätzlich zu Ordnungsamt und Polizei sorgte ein Sicherheitsdienst für Ruhe und Ordnung.

„Miteinander statt gegeneinander ist unser Motto“, sagt der Veranstalter aus der Nähe von Ulm, der die Teilnehmer auf größtmögliche Rücksichtnahme eingeschworen hat und nächstes Jahr wieder hier feiern will. „Dann vielleicht etwas weiter ab vom Schuss, damit wir die Anwohner noch mehr in Ruhe lassen können.“

„Wir sind politischen Gegenwind gewöhnt“, sagen Tim und Michel, zwei Urgesteine der Szene. Sie haben Verständnis für die Skepsis der Anwohner und die verschärften Auflagen. „Im Grunde sind wir nichts anderes als Dorfkinder, die ein Faible für große, laute Autos haben“, beschreibt Anthony Abrantes die Lebensphilosophie der Feiernden, die sich mit seinem Label „German Rednecks“ identifizieren und aus ganz Deutschland auf den Acker bei Büdesheim gekommen sind. Die örtliche CDU kann die Begeisterung nicht teilen. „Wir haben die Veranstaltung nicht befürwortet“, erklärt Vorsitzender Andreas Zeller. „Glücklicherweise ist es ruhig geblieben und kein großer Schaden entstanden. Trotzdem passt es nicht in diese Zeit.“

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