Musik und gute Laune

Weckruf trotz Absage: Musiker und Königin ziehen am Laternenfest-Datum durch Büdesheim

Orchestermitglieder spielen Musik in einer Hofeinfahrt
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Das eigentliche Laternenfest fiel in diesem Jahr wegen Corona aus. Doch so ganz ohne ging es natürlich nicht. Also zogen die Musiker des Blasorchesters durch die Büdesheimer Straßen und machten insgesamt 49-mal Station im Ort.

Das Büdesheimer Laternenfest fällt in diesem Jahr, wie so vieles, der Covid-19-Pandemie zum Opfer. „Aber man will ja in der Gemeinde zumindest die Musiker des Blasorchesters unterstützen und spendet dann den einen oder anderen Euro in die Orchesterkasse. Schließlich haben wir ja auch etwas davon“, sagen Elke und Jürgen Riemekasten und freuen sich.

Von Rainer Habermann

Ihr Haus liegt an der Büdesheimer Brückgasse, hier macht das Blasorchester Büdesheim (BOB) Halt und spielt ein peppiges Ständchen. Wie an 49 anderen Stationen in ganzen Ort. Seit

8 Uhr morgens sind rund 25 Musiker auf der Straße, sie ziehen kreuz und quer durchs Dorf, blasen kräftig ins Mundstück, schwingen die Trommelstöcke, verschnaufen dann mal wieder. Bis zum Abend geht das Spektakel weiter. Der „Weckruf“, der fast seit Anbeginn des Laternenfests zu der Feier dazu gehört und diesmal solo veranstaltet wird, ohne Fest, wird gehört.

Menschen warten in ihren Gärten auf den festlichen Zug

In etlichen Gärten, auf Treppen und in Einfahrten warten die Menschen darauf, dass der Zug, der keiner ist, vorbeikommt. Und nicht nur in barer Münze werden die schmissigen Klänge honoriert, das eine oder andere Schnäpschen macht auch die Runde.

„Normalerweise hätte meine Frau im Krönungsausschuss mitgearbeitet. Aber der findet heuer ja nicht statt, die Laternenkönigin ist immer noch dieselbe. Und so halten wir auf diese Weise die Tradition mit aufrecht“, erklärt Jürgen Riemekasten die Sachlage. „Aber Gesundheit geht vor Spaß“, kommentiert er die Bestrebungen, trotz Corona nicht alle guten Traditionen unter den Tisch zu kehren.

Laternenkönigin bleibt länger im Amt

Einer jener guten alten Bräuche ist die Wahl einer Laternenkönigin fürs Fest und für die diversen Feierlichkeiten auch andernorts, bei denen die Queen den Ort repräsentiert. Beim Weckruf ist die Laternenkönigin normalerweise nicht dabei, heuer aber schon. „Karina I.“ heißt sie und hat sich bereit erklärt, über ihre eigentliche Amtszeit hinaus den Thron zu hüten. Auch das ist der Pandemie geschuldet, denn im Frühjahr ging alles drunter und drüber, es fand keine neue Wahl statt.

Martina Rexteroth, jahrelange Vorsitzende des Krönungsausschusses und „Königinnenmutter“ par excellence, chauffiert sie, ihre Hofdame, die ebenfalls „Karina“ heißt, und ein kleines, verschmitzt strahlendes Mädchen namens Daliah im noblen Audi-Cabrio zu den einzelnen Stationen. „Daliah wird bestimmt mal eine Laternenkönigin, wenn sie im richtigen Alter ist“, lächelt Rexteroth.

Orchester marschiert mit Corona-Abstand durch Büdesheim

An den Stationen muss die Königin natürlich aussteigen: Das Volk verlangt nach ihr. Ebenso wie nach Marschmusik, Polka & Co, die das BOB perfekt liefert. Mit Abstand, natürlich, den die Musiker sowohl zueinander wie auch zu ihrem Publikum fast schon mustergültig einhalten. Darauf achtet Lutz Edel, Vorsitzender des SKV Büdesheim und selbst Trommler im BOB, ganz besonders.

Seine Frau Andrea Edel hat ebenfalls den Gesamtablauf im Blick und erzählt, weshalb ihr „bald die Füße wehtun. Weil das Laternenfest nicht stattfindet, wurde auch unser Wagen, mit dem wir normalerweise beim Umzug unterwegs sind, nicht fertiggemacht und hat keinen TÜV mehr. Er wurde nicht instandgesetzt und steht im Stall, frisst aber kein Brot“, lacht sie.

Laternenfest mit Hygienekonzept

„So müssen wir die fünf, sechs Kilometer durch den Ort eben zu Fuß bewältigen. Aber das ist auch toll, der Kontakt zu den Leuten ist – trotz Abstand – so noch intensiver. Die Leute freuen sich, wir freuen uns: Was will man noch mehr!“, strahlt Edel.

Krankheitsfälle gab es im BOB keine, jedenfalls keine coronabedingten, sagt Edel. „Obwohl wir ja zur Risikogruppe gehören, denn unser Altersdurchschnitt ist doch recht hoch.“ Der Gemeindebus stand zur Verfügung, darin wurden diejenigen Musiker gefahren, die mit dem Gehen ihre Probleme haben.

Und selbstverständlich hatte das BOB respektive der SKV als Hauptverein auch ein Hygienekonzept vorgelegt, welches die Gemeindeverwaltung abnickte. So ist dieser „Weckruf“, der musikalische Umzug durch Büdesheim, in diesem Jahr das einzige, was vom Laternenfest übrig bleibt.

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