Widersprüche um das Kennzeichen

Polizisten sagen im Schönecker Einkaufswagen-Prozess aus

Nach dem Streit um einen Einkaufswagen in Schöneck will der Angeklagte seinem Kontrahenten gefolgt sein, um das Nummernschild abzulesen. Ein Polizist sagt nun aus, das Kennzeichen sei umgehend genannt worden.
+
Nach dem Streit um einen Einkaufswagen in Schöneck will der Angeklagte seinem Kontrahenten gefolgt sein, um das Nummernschild abzulesen. Ein Polizist sagt nun aus, das Kennzeichen sei umgehend genannt worden.

Die Aussagen im Prozess vor der Hanauer Schwurgerichtskammer um den versuchten Totschlag in Büdesheim gehen auch am zweiten Verhandlungstag weit auseinander. Dort muss sich der 32-jährige T. verantworten, der nach einem nichtigen Streit um einen Einkaufswagen seinem Kontrahenten gefolgt und anschließend absichtlich angefahren haben soll (wir berichteten).

Schöneck/Hanau –An diesem Morgen stehen drei Beamte der für Schöneck zuständigen Polizeistation in Maintal-Dörnigheim im Fokus der Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel. Sie waren am 1. Februar 2020 im Einsatz, als eine Streife an die Kreuzung Windecker Weg/Bergstraße gerufen wurde.

Polizistin: „Der Mann hat vor Schmerzen geschrien“

„Als wir ankamen, lag dort ein Mann auf der Straße. Er hat vor Schmerzen geschrieen“, beschreibt eine Schutzfrau die Szenerie. Der Verletzte habe ein blutverschmiertes Gesicht gehabt. An diesem Abend, gegen 20.30 Uhr, habe es wie aus Eimern geregnet. „Ich habe eine Regenschirm aufgespannt um den Verletzten zu schützen. Er konnte sich nicht bewegen. Als der Rettungswagen kam, musste er erst Schmerzmittel bekommen, ehe er bewegt werden konnte“, so die Kommissarin. Ihr Streifenkollege bestätigt diese Aussagen, Spuren seien wegen des Regens kaum zu finden gewesen.

Doch die Nachtschicht der Polizei zählt schnell eins und eins zusammen. Die Streife vor Ort erfährt, dass es wohl eineinhalb Stunden zuvor am Lidl-Markt in Kilianstädten einen verbalen Streit gegeben habe.

Das bestätigt der Polizist, der in dieser Nacht auf der Maintaler Wache Telefondienst hat. Am frühen Abend habe die Lebensgefährtin von T. angerufen und gemeldet, es habe einen Streit sowie eine Schubserei am Discounter gegeben. „Die Anruferin hat mir dann mitgeteilt, dass die andere Person weggefahren sei und hat mir das Kennzeichen des Wagens genannt.“ Und: Der Beamte hat das vollständige Frankfurter Kennzeichen gegen 19.30 Uhr umgehend notiert.

Sehr unterschiedliche Aussagen

Die Aussage des Beamten steht im krassen Widerspruch zu dem, was der Angeklagte am ersten Verhandlungstag in seiner Version des Tatgeschehens angegeben hatte. T. nennt als Grund für die „Verfolgungsfahrt“, dass seine Freundin nach der Konfrontation die Polizei angerufen habe, um Anzeige zu erstatten. Der Beamte habe das Kennzeichen wissen wollen. Das sei aber angeblich nicht bekannt gewesen. Daher sei er dem Wagen zunächst bis Büdesheim nachgefahren, dann jedoch abgedreht.

Unterschiedlich sind zudem die Aussagen zum eigentlichen Tatgeschehen. T. hatte ausgesagt, sein Kontrahent habe „plötzlich einen Satz auf die Straße gemacht“. Er habe nicht mehr bremsen können und den 42-Jährigen mit dem Auto angefahren. Das Opfer berichtete von einer gänzlich anderen Situation. Er habe den Verfolger zur Rede stellen wollen. T. habe daraufhin „Vollgas gegeben“ und ihn umgefahren.

Rocker-Tattoos oder „Kunst“?

Die Verteidiger von T. versuchen daher am zweiten Verhandlungstag, den 42-Jährigen zu möglichen Motiven für die verbale Auseinandersetzung aus der Reserve zu locken und wollen Hintergründe zu den Tätowierungen des Opfers wissen. Doch der 42-Jährige weist Verbindnungen zu etwaigen Rocker-Vereinigungen weit von sich, erklärt, dass er nirgends Mitglied sei und bezeichnet die Tattoos als „Kunst“.

Der Rechtsanwalt, der den 42-Jährigen als Nebenkläger vertritt, kommt dagegen noch einmal auf die gesundheitlichen und finanziellen Folgen für seinen Mandanten zu sprechen, der zahlreiche schwere Verletzungen davontrug, über drei Monate arbeitsunfähig war und berufliche Einbußen habe. Er stellt daher den Antrag, dass der Angeklagte zu einem Schmerzensgeld von „mindestens 25 000 Euro“ verurteilt wird. Der Prozess wird fortgesetzt. (Von Thorsten Becker)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare