Schon manche Krisen gemeistert

Die Leiterin der Arbeitsagentur Heike Hengster ist seit fünf Jahren im Amt

Sie verweist immer wieder auf die Förderprogramme der Arbeitsagentur für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Heike Hengster, die seit fünf Jahren, die für den Main-Kinzig-Kreis zuständige Arbeitsagentur leitet. archiv
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Sie verweist immer wieder auf die Förderprogramme der Arbeitsagentur für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Heike Hengster, die seit fünf Jahren die hiesige Arbeitsagentur leitet.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass Heike Hengster den Vorsitz der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Hanau von Alexander Noblé übernommen hat. Die 55-Jährige hat seitdem bei der Hanauer Agentur viele wichtige Entwicklungen im Main-Kinzig-Kreis begleitet. Eine Bilanz.

Region/Hanau – Im Büro von Heike Hengster stehen sie auf einem Schrank: die zwei Trophäen, die die Hanauer Arbeitsagentur jeweils in 2018 und 2016 für die beste Performance aller 156 Agenturen in Deutschland gewonnen hat. Worin das Hanauer Erfolgsrezept liege? „Wir haben ein sehr kooperatives Miteinander in der Region“, so Hengster. Gemeinsam werden Bedarfe gesehen und zusammen nach Lösungen gesucht. Und diese Netzwerke hätten auch trotz personeller Veränderungen Bestand. So erlebte sie beispielsweise den Wechsel an der Kreisspitze, von Erich Pipa zu Thorsten Stolz, mit. Auch diverse Bürgermeister oder Amtsleiter sah sie schon Kommen und Gehen. Hengster ist immer im Gespräch mit Institutionen wie Industrie- und Handelskammer, Staatlichem Schulamt, Kommunen und anderen Behörden geblieben. Das sei gerade in den vergangenen zwölf Monaten, in denen die Pandemie die Rahmenbedingungen für alles vorgab, wichtig gewesen.

Qualifikation für den Arbeitsmarkt

Aber die Vorsitzende der Geschäftsführung ist krisenerprobt. In 2015, als ganz plötzlich sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war die Arbeitsagentur auch regional einer der Hauptakteure zur Bewältigung dieser Lage, richtete Sprachkurse ein, versucht seitdem die Menschen für den deutschen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Das sei im MKK gut gelungen, meint die 55-Jährige.

Heike Hengster, die gelernte Bankkauffrau ist und ein Studium der Wirtschaftswissenschaften Volkswirtschaftslehre drauf gesetzt hat, findet auch nach fast 20 Jahren in den Diensten verschiedener Arbeitsagenturen ihre Aufgaben „hoch spannend“. „Ausbildung und Arbeit beschäftigen ausnahmslos jeden“, sagt sie. Der Beruf definiert nicht selten auch das Leben eines Menschen. „Und die Arbeitswelt verändert sich ständig, das macht meinen Job so interessant.“

Bereits vor der Corona-Pandemie hätten große Firmen im Kreis Umstrukturierungsmaßnahmen umgesetzt, oft auch verbunden mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Durch das Virus seien solche Prozesse sicherlich verstärkt worden, meint Hengster.

Kurzarbeit bietet Möglichkeit, Mitarbeiter weiterzubilden

Im Dezember des vergangenen Jahres zählte die Agentur 12 650 Arbeitslose im MKK, das waren deutlich mehr als noch im selben Vorjahreszeitraum. Zwar sei die Kurzarbeit aktuell ein wichtiges Instrument, um Arbeitsplätze zu erhalten. Aber die Fixkosten, so Hengster, die bleiben für die Arbeitgeber auch in der Pandemie bestehen. Für Arbeitgeber, die Kurzarbeit anmelden müssten, sei diese Zeit wiederum auch Gelegenheit, ihre Mitarbeiter weiterzubilden, meint die BA-Agenturleiterin. Beispielsweise im Umgang mit zukunftsweisender Technik und digitalen Medien. Auch in diesem Bereich gebe es Beratung und Förderung durch die Bundesagentur.

Ein besonderes Augenmerk legt die Agentur auf den Ausbildungsmarkt. Denn auch wenn die Krise einiges verändert hat, eine Konstante bleibt: „Qualifizierte Fachkräfte werden weiter händeringend gesucht“, so Hengster. Darum nehme die Beratung von Arbeitgebern und Jugendlichen weiterhin einen wichtigen Stellenwert ein. Für Arbeitgeber gibt es Förderprogramme, die ihnen helfen sollen, trotz Corona Ausbildungsplätze anzubieten. Die Arbeitsagentur verzeichne viele Nachfragen zu solchen Förderprogrammen. Für die Jugendlichen, die ins Berufsleben starten wollen, habe sich der Markt gedreht. Konnten sie sich Anfang des vergangenen Jahres noch eine Lehrstelle aussuchen, sind Ausbildungsplätze aktuell eher rar gesät.

Jobmotoren in der Region stecken in der Krise

Wie die Situation für junge Menschen ist, die jetzt ihre Ausbildung beenden, werde sich erst im Juni in den Zahlen der Agentur niederschlagen, so Hengster. Aber schon jetzt ist klar, dass diese schwieriger wird. Denn die großen Jobmotoren der Region, wie beispielsweise der Flughafen Frankfurt, stecken in einer tiefen Krise. „Dadurch ist die gesamte Rhein-Main-Region betroffen.“

Das erfolgreiche Rezept der Hanauer Arbeitsagentur sei es auch, den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Beratung und Weiterqualifizierung zu legen, das sei ein zwar langfristiger aber umso nachhaltigerer Weg, meint Hengster. Gerade der medizinisch-pflegerische Bereich biete viele sinnstiftende Berufe der Zukunft, deren Bedeutung durch die Corona-Pandemie deutlich geworden sei.

Hengster sieht den massiven Ausbau von Online-Angeboten in den verschiedensten Zusammenhängen in der gesamten Arbeitswelt als positiven Effekt der Krise. „Es gab eine schlagartig gewachsene Veränderungskompetenz und Willen zur Flexibilität.“ Und sie prognostiziert, dass der Wandel in der Arbeitswelt in Zukunft rapider vonstatten gehen werde. Beispiel Home Office: Das mobile Arbeiten verändere Team- und Führungsstrukturen in den Unternehmen.

Bei der Agentur selbst wird das kommende Jahr 2022 viel Veränderung bringen. Dann sollen die Bauarbeiten am neuen Gebäude beginnen. Dazu wird zuerst das Berufsbildungszentrum abgerissen und dort sowie auf dem alten Heraeus-Parkplatz das neue „Haus rund um das Erwerbsleben“ errichtet werden. Darin werden das Jobcenter sowie die städtischen Einrichtungen ihren Platz finden.

(Von Monica Bielesch)

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