Schulstart

Schulen sind gewappnet: Getrennte Jahrgänge und Hygienekonzepte sollen gegen die Infektionsgefahr helfen

An den Schulen im Kreis startet am Montag das neue Schuljahr. Laut Hessischem Kultusministerium müssen Lehrer und Schüler auf dem Schulgelände und in den Gebäuden eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Unter anderem an der Hohen Landesschule in Hanau müssen die Schüler in den ersten Wochen sogar im Unterricht eine Maske tragen.
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An den Schulen im Kreis startet am Montag das neue Schuljahr. Laut Hessischem Kultusministerium müssen Lehrer und Schüler auf dem Schulgelände und in den Gebäuden eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Unter anderem an der Hohen Landesschule in Hanau müssen die Schüler in den ersten Wochen sogar im Unterricht eine Maske tragen.

Am Montag fängt das neue Schuljahr an, und die Schulen im Kreis starten nach monatelanger Corona-Pause wieder mit dem Regelbetrieb.An den 93 Schulen im Kreis werden in diesen Tagen die letzten Vorbereitungen getroffen. Und auch die kreisweit rund 30 000 Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen müssen sich auf einen Schulstart vorbereiten, der aufgrund der Corona-Umstände seinesgleichen sucht.

Main-Kinzig-Kreis - Die Meinungen in der Elternschaft zur Rückkehr zum Normalbetrieb seien unterschiedlich, berichtet die Sprecherin des Kreiselternbeirats, Susanne Gärtner-Koske. Ein Teil der Eltern könne es kaum erwarten, dass mit dem Regelbetrieb auch wieder ein Stück Normalität beginne. Andere Eltern fordern hingegen, dass die Schulen noch zwei weitere Wochen geschlossen bleiben sollten, um Ansteckungen durch Reiserückkehrer zu vermeiden. Zwar gebe es eindeutige Verhaltensvorgaben unter anderem durch das Kreis-Gesundheitsamt, aber, so Gärtner-Koske, die Kontrolle dazu fehle. Sie appelliert eindringlich an die Elternschaft in der Region, sich als Reiserückkehrer aus Risikogebieten verantwortungsvoll zu verhalten.

In vielen Schulen finde in der ersten Woche der Unterricht ausschließlich mit dem Klassenlehrer statt, so Gärtner-Koske, um eine konstante Lerngruppe zu schaffen. Allerdings werde jeder Schul-Hygieneplan durch die Situation in der Schülerbeförderung mit Bussen ad absurdum geführt, meint sie. In vielen Regionen im Kreis würden keine zusätzlichen Busse bereitgestellt. „Der Kreis teilte uns mit, dass es an Kapazitäten fehle, und die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle.“

Main-Kinzig-Kreis: Im Infektionsfall entscheidet Schule eigenständig über eine Schließung

Sollte es an einer Schule doch zu Infektionen kommen, sei es von der Einrichtung abhängig, ob eine komplette Schulschließung nötig sei oder nicht, meint die Elternsprecherin. Kleine Dorfschulen im Sinntal sollten anders behandelt werden wie beispielsweise die Kopernikusschule in Freigericht, die mit knapp 2500 Schülern die größte Einrichtung im Kreis ist und wo eine komplette Durchmischung eher unwahrscheinlich sei. Sollte es wieder zur Heimbeschulung kommen, sieht Gärtner-Koske die Schulen im Kreis weiterhin nicht gut auf digitalen Unterricht vorbereitet. Denn auch jetzt stünden nicht genügend Endgeräte bei den Familien zur Verfügung.

Dabei gehen viele Schulen zumindest schon in die richtige Richtung. An der Hohen Landesschule in Hanau wurde beispielsweise gestern erstmals eine Gesamtkonferenz mit allen 120 Lehrern sowie den Schüler- und Elternvertretern online durchgeführt, so der kommissarische Schulleiter Helge Messner. Zusätzlich zu der vom Land Hessen festgelegten Maskenpflicht auf den Schulfluren werde es an der Hola in den ersten Tagen auch in den Unterrichtsräumen eine Maskenpflicht geben, so Messner auf Nachfrage. „Das werden wir nach 14 Tagen auch evaluieren.“

An der Hohen Landesschule in Hanau werden die Aufenthaltsräume nach Jahrgängen getrennt

Das Hygienekonzept der Hola, die im neuen Schuljahr von rund 1480 Schülern besucht wird, sieht zudem vor, dass die Aufenthaltsräume nach Jahrgängen getrennt werden. „Es wird also keine Durchmischung geben“, betont Messner. Ob bei einer Infektion eines Schülers oder einer Lehrkraft die ganze Schule oder nur einzelne Gruppen in Quarantäne müssen, obliege dem Gesundheitsamt, so Messner.

Die Heinrich-Böll-Gesamtschule in Bruchköbel fährt eine andere Strategie als die Hola. Dort gilt die Maskenpflicht – wie vom Hessischen Kultusministerium bestimmt – auf dem Schulgelände und in den Gebäuden. Nur im Unterricht könnte die Maske abgenommen werden, so Schulleiter Ernst Münz auf Nachfrage. Um die Jahrgänge voneinander zu trennen, betreten sie das Gebäude zeitversetzt, so Münz weiter. Wie an der Hola sind die Jahrgänge auch in den Pausen in getrennten Aufenthaltsbereichen. Für die Teilnehmer am Ganztagsangebot sei auch die Mensa geöffnet.

Andere Schulen im Main-Kinzig-Kreis wollen eine Maskenpflicht im Klassenraum

Die Otto-Hahn-Gesamtschule spricht lediglich eine Empfehlung an ihre rund 2100 Schüler aus, die Maske auch im Unterrichtsraum zu tragen. Auch die Otto trennt die Jahrgänge voneinander und hat zudem die Mensa geschlossen. „Im Hinblick auf die Mensa werden wir aber das Infektionsgeschehen verfolgen“, so die stellvertretende Schulleiterin Angela Kirchhoff. Die kooperative Gesamtschule startet mit elf fünften Klassen ins neue Schuljahr. Auch an der „Otto“ gab es eine digitale Gesamtkonferenz und eventueller digitaler Unterricht sei durch die Schulcloud abgesichert, so Kirchhoff.

Für die Hanauer Schulen ist die Stadt Schulträger. Bürgermeister Axel Weiss-Thiel mahnt in einer Pressemitteilung im Hinblick auf die Schulöffnungen zu Vorsicht und Umsicht. Er begrüße, dass der allgemeine Präsenzunterricht wieder beginne, denn die Begleiterscheinungen geschlossener Schulen seien immens negativ gewesen, so Weiss-Thiel laut Mitteilung. In den Schulen gehe es jetzt darum, „das Recht auf Bildung für alle zu ermöglichen und zugleich gesundheitliche Fürsorge für alle nicht aus dem Auge zu verlieren“.

Stadt Hanau hat viel für Präsenzunterricht und digitalen Fernunterricht getan

Der Bürgermeister weiter: „Familien und Personal an Kitas und Schulen, in der Stadt und im Staatlichen Schulamt tragen nun eine hohe Verantwortung, damit Kitas und Schulen auch langfristig geöffnet bleiben können.“ Die Stadt Hanau habe bisher viel sowohl für den Präsenzunterricht als auch für den digitalen Fernunterricht getan. Die Anstrengungen zur zügigen Umsetzung des Digitalpakts Schule seien nochmals verstärkt worden. 2000 Tabletts für Schulen zur Ausleihe an Schülerinnen und Schüler seien bestellt; nun hoffe die Stadt auf eine baldige Lieferung durch das Land. Außerdem habe die Stadt die Reinigungsintervalle in den Schulgebäuden verstärkt.

Der Kreis als Schulträger verweist auf Nachfrage darauf, dass die wesentlichen Maßnahmen schon seit Längerem greifen. Dazu gehöre eine höhere Frequenz bei der Reinigung, mehr Hygienematerial sowie mehr Schutz für die Kreisbediensteten, wie Sekretärinnen und Hausmeister. Schutzmaterial für die Lehrerschaft müsse vom Land Hessen als Arbeitgeber gestellt werden.

Mehrkosten für Main-Kinzig-Kreis belaufen sich auf 700 000 Euro

Die Mehrkosten für den Kreis alleine für die häufigeren Reinigungen belaufen sich auf rund 700 000 Euro. Hinzu komme das Schutzmaterial, das den Kreis einen mittleren sechsstelligen Betrag koste, so die Auskunft der Pressestelle. Das Team „Schule und Kitas“ des Gesundheitsamts stehe allen Schulen bei allen Fragen zu Corona – oder im Falle eines Covid-Falls an einer Schule –zur Verfügung. Rund zwei Wochen nach Schulbeginn werden sich alle Verantwortlichen zudem treffen und die Lage reflektieren.

Die aktuelle Sprecherin des Kreisschülerrats, Michelle Franzel, meint auf Nachfrage, dass natürlich Infektionsfälle ein Risiko für die betroffene Schule darstellten. Aber um die Schließung von ganzen Schulen zu vermeiden, wäre es ihrer Meinung nach´sinnvoller, beispielsweise Schichtbetrieb an den Schulen zu machen oder noch stärker auf abgeschlossene Lerngruppen zu setzen. In der Schülerschaft werde die Maskenpflicht unterschiedlich bewertet, berichtet die 19-Jährige, die vor einigen Monaten an der Kreuzburg ihr Abitur gemacht hat. „Die Meinungen sind zwiegespalten.“ Denn einerseits hätten die Schüler ein Recht auf Bildung, aber andererseits wäre die Gefahr durch das Virus noch nicht gebannt.

Franzel wünscht sich von Politik und Gesellschaft, dass die Meinungen der Schüler mehr Gehör finden. „Das haben wir auch schon vor Corona gefordert.“ Aus Schülersicht sollte das „veraltete Bildungssystem“ Veränderungen erfahren. Beispielsweise im Hinblick auf die Digitalisierung an Schulen hätte Corona endgültig die Defizite aufgedeckt.

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