Wo die Natur sich Flächen zurückerobert

Spaziergang im „Torfbruch“ mit Naturparkführer Gerhard Fischer

Insektenschutz in Brandenburg
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Neben solchen Buschwindröschen, die auch einen leichten rötlichen Schimmer zeigen können, finden sich auf der südlichen Seite der Schifflache auch zahlreiche Gelbe Windröschen. Den Bienen sind sie alle recht.

Einen sehr persönlichen Blick auf die Vorgänge in der Natur hat der Großauheimer Führer Gerhard Fischer in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Hessischer Spessart nach seinem jüngsten Ausflug geschildert.

Hier seine Beschreibung: Trotz der Ausgangsbeschränkung genieße ich jeden Tag bei einem Spaziergang von Großauheim nach Großkrotzenburg das Frühlingserwachen. Jeder spricht und jeder spürt die dramatischen Veränderungen unseres gewohnten Lebens. Der Wechsel, mit dem wir jetzt konfrontiert sind, wird sicherlich noch lange nachwirken, wenn wir diese Krise überwunden haben. Aber ein anderes Verhalten lässt uns auch mehr Zeit zum Nachdenken und Handeln. 

Ein Spaziergang in der Frühlingsluft, wenngleich auch noch recht frisch, beflügelt unsere Schritte in die erwachende Natur. Es ist schon merkwürdig, dass unsere Augen, Ohren und Nase jetzt die Dinge, Geräusche und Gerüche wahrnehmen, für die wir oft in unserem hektischen Alltag keine Zeit zum Anhalten und Innehalten haben. Begleiten Sie mich zu einer Wanderung durch die Schifflache in der Gemarkung Großauheim, dem alten Mainarm, der heute ein Refugium von Störchen, Wildgänsen, Kormoranen und Wildenten ist. Hier können wir sehen, wie sich unsere Natur langsam zurückerobert, was ihr vor langer Zeit abgetrotzt wurde. 

Neue Heimat für Amphibien und Wasservögel

Über viele Jahre wurde dort Torf abgebaut. Unser Weg wird gesäumt durch einen weißen Teppich von Anemonen (Buschwindröschen), der durch das helle, leuchtende Gelb von Winterlingen unterbrochen wird. Das helle Grün der aufbrechenden Buchenknospen zwängt sich durch die schützende Hülle der Sonne entgegen. Die Wiese, die vormals als landwirtschaftliche Wirtschaftsfläche genutzt wurde, wird mit dem jetzt ansteigenden Wasserspiegel des Wasserlaufs „vernässt“, auf diese Weise will man eine neue (alte) Moorlandschaft entstehen lassen. 

In diesem Naturschutzgebiet können sich dann auch Amphibien und andere Wasservögel ansiedeln und eine neue Heimat finden. Weidenkätzchen wiegen sich in dem noch kalten Wind und die Wildenten schwimmen schnatternd um die Wette, damit sie den besten Partner finden. Ein Storchenpaar hat auch schon den Horst des letzten Jahres bezogen und klappert um die Wette. Alle Geräusche, unsere Atmung, das Knirschen unsere Schritte, die Vogelstimmen dringen in unsere Ohren. Wir werden eingeladen zum Nachdenken und Danken für den Tag, den wir erleben und den Aufbruch in einen neuen Tag. ju

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