15 Prozent in der Existenz bedroht

Studie: Corona trifft regionale Wirtschaft in manchen Bereichen weniger hart als bundesweit

In der Region beantragten 18 Prozent der Unternehmen Kurzarbeitergeld, fünf Prozent weniger als bundesweit. Auch in anderen Bereichen stellt sich die Situation für Betriebe in der Rhein-Main-Region teils deutlich besser da als im Deutschlandvergleich.
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In der Region beantragten 18 Prozent der Unternehmen Kurzarbeitergeld, fünf Prozent weniger als bundesweit. Auch in anderen Bereichen stellt sich die Situation für Betriebe in der Rhein-Main-Region teils deutlich besser da als im Deutschlandvergleich.

Die Corona-Pandemie bringt die Wirtschaft an ihre Belastungsgrenzen. Auch in der strukturstarken Rhein-Main-Region ist das zu spüren. 15 Prozent der Unternehmen sehen sich in ihrer Existenz bedroht, wie aus einer Studie hervorgeht, die im Auftrag der Commerzbank erstellt wurde.

Region - Die Ergebnisse der Studie zeigen aber auch: Im bundesweiten Vergleich sind die Firmen in Rhein-Main noch relativ gut durch die Krise gekommen.

Das Geldinstitut hatte zum siebten Mal eine Unternehmerkunden-Studie in Auftrag gegeben, für die vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos deutschlandweit insgesamt 3500 Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt wurden; davon 100 im Rhein-Main-Gebiet, unter anderem auch in Hanau und der Region.

Studie bezieht sich auf die Zeit während des ersten Lockdowns

Unter den Befragten seien sowohl Kunden der Commerzbank als auch Nicht-Kunden, wie Stefan Krämer, Leiter der Unternehmerkundenberatung unter anderem für den Bereich Hanau, bei der Vorstellung der Studie deutlich machte.

Die ausgewerteten Zahlen beziehen sich auf die Zeit während des ersten Lockdowns im Frühjahr beziehungsweise auf die Monate danach, denn die Befragung fand im Zeitraum zwischen 22. Juni und 15. August dieses Jahres statt. Der Teil-Lockdown im November spiegelt sich daher nicht in den Zahlen wider.

Zwei von fünf Unternehmern in der Existenz bedroht

Laut der Studie wurden 37 Prozent der Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet von Corona wirtschaftlich stark getroffen. Von diesen Unternehmen sehen sich zwei von fünf, also 41 Prozent, in ihrer Existenz bedroht. Damit stehen die regionalen Unternehmer besser da als im Bundesdurchschnitt: Denn da sind es 44 Prozent, die sich als sehr stark betroffen einschätzen, davon wiederum sehen sich 55 Prozent in ihrer Existenz bedroht.

Dass die lokale Wirtschaft während des ersten Lockdowns offenbar besser durch die Krise kam, zeigt sich auch an den Zahlen zur Inanspruchnahme von Förderhilfen: Während 54 Prozent der Unternehmen bundesweit angaben, keine staatlichen Unterstützungsmaßnahmen genutzt zu haben, sind es in Rhein-Main sogar 67 Prozent.

Und die Hilfen hielten sich im Ganzen gesehen in überschaubaren Grenzen. Denn 70 Prozent der Unternehmen in Rhein-Main beantragten staatliche Kredite oder Zuschüsse bis zu einer Höhe von 10 000 Euro (bundesweit waren es 57 Prozent), nur 25 Prozent eine Summe, die darüber lag (bundesweit 20 Prozent).

Kurzarbeit-Zahlen unter dem Bundesdurchschnitt

18 Prozent nutzten Kurzarbeitergeld, im Deutschlandvergleich waren es 23 Prozent. 70 Prozent der Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet kamen bislang ohne Personalmaßnahmen durch die Corona-Krise – auch das sind mehr als im bundesweiten Vergleich (65 Prozent). Die Gründe dafür sieht Krämer vor allem im breiten Branchen-Mix, den es in Hanau und im Umland gebe.

Die Firmen seien in der Regel inhabergeführt, zudem gebe es viele traditionelle Familienunternehmen. Eine Start-up-Szene wie in Berlin, die nun große Probleme habe, gebe es hier eher nicht. Rund 4700 Unternehmerkunden betreue die Commerzbank in Hanau geschäftlich und/oder privat, so Krämer.

Osten der Rhein-Main-Region hat Krise „hervorragend gemeistert“

Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern hält man die breite Struktur an verschiedenen Branchen für den Hauptgrund, warum die Region bisher vergleichsweise gut durchgekommen ist. Gerade im Osten der Rhein-Main-Region, und damit auch im Main-Kinzig-Kreis, hätte die Wirtschaft die Krise „hervorragend gemeistert“, sagt Dr. Achim Knips, unter anderem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der IHK verantwortlich.

Allerdings, so Knips, gelte es abzuwarten, ob die Situation und die Stimmungslage bei den heimischen Unternehmen auch so bleiben – gerade vor dem Hintergrund, dass die Zahlen erhoben wurden, als noch kein zweiter Lockdown unmittelbar bevorstand.

Lokale Wirtschaft zeigt sich sehr flexibel

Im breiten Branchenmix mag auch begründet sein, dass 49 Prozent der Unternehmen der Region der Studie nach schon vor der Corona-Krise Homeoffice-Regelungen nutzten, im Bundesvergleich nur 43 Prozent. Für eine Flexibilität der lokalen Wirtschaft spricht auch, dass auf die Frage, wie das Geschäftsmodell angepasst wurde, um durch die Corona-Krise zu kommen, 28 Prozent der Befragten eine Erweiterung des Produkt- beziehungsweise Dienstleistungsangebots nannten; deutschlandweit jedoch nur 16 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie scheinen auch zu belegen, dass die Corona-Krise der Digitalisierung einen Schub gibt: 41 Prozent der Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet – und damit fünf Prozent mehr als auf Bundesebene – nutzen demnach die Krise, um die Digitalisierung in ihrem Unternehmen weiter voranzutreiben; 72 Prozent konzentrieren sich auf die Digitalisierung im Bereich Marketing und Kundenkommunikation.

Auch das sind deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (57 Prozent). Gut die Hälfte baut den Online-Vertrieb ihrer Produkte aus, ein Viertel möchte den Einkauf stärker digitalisieren. 65 Prozent der Unternehmer wollen die Digitalisierung kurzfristig, das heißt innerhalb eines Jahres, vorantreiben.

Unternehmer haben mehr Zeit für die Familie

Bei allem finanziellen Schaden können einige Gewerbetreibende der Krise auch etwas Positives abgewinnen: Knapp jeder Dritte nutze die Krise zur Entschleunigung oder habe seine Arbeitszeiten flexibilisiert; gut jeder vierte Unternehmer im Rhein-Main-Gebiet habe durch die Corona-Krise mehr Zeit für die Familie und könne seine Kreativität steigern. Das gaben 26 Prozent der Rhein-Main-Unternehmer an, aber 39 Prozent bundesweit.

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