Aus dem Gericht

Tödliche Messerstiche vor den Augen der Tochter: Angeklagter berichtet über mögliche Hintergründe

In diesem Haus in Bad Soden-Salmünster soll ein 42-Jähriger seine 38 Jahre alte Ehefrau nach einem Streit erstochen haben. Foto: Thorsten Becker
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Hintergründe weiterhin unklar: Im Prozess um die Bluttat von Bad Soden-Salmünster geht die Suche nach dem Motiv weiter.

Mord oder Totschlag? Am zweiten Verhandlungstag im Schwurgerichtsprozess gegen Rudolf H. vor dem Hanauer Landgericht sind neue Details zu dem Familiendrama von Bad Soden-Salmünster ans Licht gekommen. Das aus Kroatien stammende Paar hat offenbar massive Eheprobleme gehabt.

Bad Soden-Salmünster/Hanau – Der 43-jährige Elektriker sitzt auf der Anklagebank, weil er in der Nacht zum 18. Februar seine 38-jährige Frau in der gemeinsamen Wohnung mit drei Messerstichen getötet haben soll. Die Kinder des Paars sollen Zeugen des Verbrechens gewesen sein.

Laut Staatsanwaltschaft soll H. aus „niedrigen Beweggründen“ gehandelt haben, weil er die von seiner Frau geforderte Scheidung nicht habe akzeptieren wollen.

Zur blutigen Tat sagt H. bislang nichts. Aber er nennt aus seiner Sicht die möglichen Hintergründe. Ganz offensichtlich ist, dass sich das Paar nach 21 Jahren auseinandergelebt hat. Daraus macht H. keinen Hehl.

Angeklagter aus Bad Soden-Salmünster spricht von den Anfängen der Ehe

Als sich beide 1999 in Split kennengelernt haben, sei dies „der glücklichste Tag meines Lebens“ gewesen. Anfangs sei es eine glückliche Ehe gewesen, aus der ein Sohn und eine Tochter hervorgegangen sind. „Frau und Kinder haben bei mir an erster Stelle gestanden.“

Nach der Ausbildung zum Elektriker habe er diesen Beruf aber nicht ausgeübt, sonders sei in der Sicherheitsbranche tätig gewesen, habe Geldtransporte und Geschäfte bewacht, an den Wochenenden als Türsteher in Clubs hinzuverdient. Eine vom Großvater übernommene Papageienzucht habe ebenfalls zum Familieneinkommen beigetragen.

Doch dann habe seine Frau massive Probleme gehabt und sich in den Alkohol geflüchtet. „Sie hat getrunken, bis sie besoffen war. Am anderen Tag wusste sie nichts mehr davon“, berichtet der Angeklagte. Zudem habe sie Beruhigungspillen „in großer Zahl“ eingeworfen.

Umzug nach Bad Soden-Salmünster erfolgte auf Wunsch der Frau

Immer mehr verwandelt sich das „Familienglück“ in eine Strapaze. „Ich habe immer nachgegeben“, beteuert der 43-Jährige auf die Fragen von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel. Auch als es 2017 darum gegangen sei, nach Deutschland umzusiedeln. „Es war ihre Idee. Ich war am Anfang dagegen“, schildert er die Situation. Schließlich habe er nachgegeben und seiner Frau den Wunsch erfüllt. Papageien und Familienwagen seien verkauft, die Ersparnisse zusammengekratzt worden. Schließlich sei die Wohnung in Salmünster angemietet worden.

An der Beziehung habe sich jedoch nicht viel geändert, seine Frau sei „viel ausgegangen“, habe weiterhin „viel Bier getrunken“. „Wir haben wenig miteinander geredet.“ Nach rund eineinhalb Jahren dann die Kehrtwende. Wiederum sei es seine Frau gewesen, die wieder zurück in die Heimat wollte. H.: „Ich wollte das nicht, weil unsere Kinder jetzt hier in die Schule gegangen sind.“

Im Februar sei der schwelende Streit dann eskaliert. Die 38-Jährige sowie die Schwiegermutter in Kroatien hätten mit der Scheidung und den damit verbundenen finanziellen Folgen gedroht. Er werde „die Wohnung nur mit zwei Plastiktüten verlassen“, soll die Schwiegermutter am Telefon gesagt haben – eine Woche vor dem tödlichen Drama.

Angeklagter aus Bad Soden-Salmünster fuhr kurzerhand zu seinen Eltern

Kurz entschlossen fuhr er mit seinem Sohn auf den Balkan – zu seinen Eltern. „Ich habe mich hilflos gefühlt“, sagt H. und bricht erneut in Tränen aus.

Doch offenbar hat er den Besuch in der Heimat auch dazu genutzt, sich abzusichern. Das geht zumindest aus einer kroatischen Schenkungsurkunde hervor: Seine Eigentumswohnung in Split überträgt er seinem Vater – anscheinend, um diese vor der Scheidung zu schützen. Laut Gericht ist die Urkunde auf den 17. Februar datiert – einen Tag vor dem blutigen Geschehen.

Der Prozess wird am Freitag, 18. September, fortgesetzt.

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