Wasserversorgung im Main-Kinzig-Kreis

Nidderau, Schöneck, Niederdorfelden und Bruchköbel müssen Lieferstopp von 200 000 Kubikmetern verkraften

200 000 Kubikmeter weniger: Die Kreiswerke müssen Brunnen reaktivieren. 
Symbol / aus einem Wasserhahn fällt ein Tropfen
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200 000 Kubikmeter weniger: Die Kreiswerke müssen Brunnen reaktivieren. Symbol

In diesen Tagen hat die Oberhessische Versorgungs-AG in Friedberg (OVAG) den Kreiswerken Main-Kinzig mitgeteilt, dass die Wasser-Liefermengen an die Kreiswerke bereits zum 1. Januar 2021 um 50 Prozent reduziert werden.

Nidderau/Schöneck/Niederdorfelden/Bruchköbel – „Das entspricht rund 200 000 Kubikmetern pro Jahr. Von der Reduzierung sind in erster Linie die Kommunen Schöneck, Niederdorfelden, Nidderau und im weiteren Verlauf auch Bruchköbel betroffen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreiswerke.

Reservebrunnen im Main-Kinzig-Kreis sollen reaktiviert werden

Die Kreiswerke überarbeiten derzeit ihr Versorgungskonzept, um die fehlenden Mengen zum Beispiel über die Reaktivierung von Reservebrunnen auszugleichen. Die Kreiswerke Main-Kinzig GmbH versorgt insgesamt zwölf Kommunen im Main-Kinzig-Kreis mit Trinkwasser. Davon fördert das Unternehmen rund 60 Prozent des Wassers über elf Wasserwerke mit 32 Brunnen und ein Quellwasserwerk mit zehn Quellen. Rund 40 Prozent des Trinkwassers werden von anderen Versorgern zugekauft.

Die angekündigte Reduzierung der Fremdwasserlieferung seitens der OVAG stellt die Wassersparte des Unternehmens vor Herausforderungen. Zur Begründung für die Einschnitte benennt die OVAG als Ausgangspunkt die zehnmonatige Hitzeperiode vor zwei Jahren und das mittlerweile dritte Trockenjahr in Folge – ohne nachhaltige Grundwasserneubildung über das Winterhalbjahr. Insgesamt habe dies zu deutlichen Auswirkungen auf die Grundwasserstände in den Gewinnungsgebieten geführt.

Grundwasserpegel durch Trockenjahre auf historischem Tiefststand

Dazu äußert sich der Geschäftsführer der Kreiswerke Main-Kinzig, Bernd Schneider: „Wir können diese Argumentation grundsätzlich nachvollziehen, weil auch wir – wie viele andere Versorger – in einer ähnlichen Situation sind.“ Die Trockenjahre haben der Wasserversorgungsbranche insgesamt arg zugesetzt. „Die Grundwasserpegel sind nach wie vor auf historischen Tiefstständen und von den sehnlichst erwarteten ergiebigen Regen- und Schneefällen des Winterhalbjahres, die zu einer nachhaltigen Grundwasserneubildung führen könnten, ist in der Region faktisch bislang noch nichts spürbar“, so Schneider weiter.

Um der Öffentlichkeit und auch den anderen Versorgern die jeweils aktuelle Wasserliefersituation anzuzeigen, hat die OVAG jetzt eine sogenannte Wasserampel eingeführt. Die Ampelfarbe wird dabei je nach Grundwasserverfügbarkeit in den Gewinnungsgebieten monatlich von der OVAG festgelegt. Zu dieser Gesamtthematik habe in diesen Tagen ein Austausch zwischen den Häusern Kreiswerke und OVAG stattgefunden, in dem die Friedberger nochmals dargestellt hätten, dass die Situation um die Trinkwasservorkommen ernst sei und man die Ampelfarbe deshalb auf „Gelb“ gesetzt habe.

OVAG in Friedberg führt Wasserampel ein

Sollte sich das Wasser-Dargebot weiter verschlechtern, werde die Wasserampel auf Rot gestellt. „Das bedeutet, dass die Liefermenge nochmals halbiert wird – dann sind wir bei 100 000 Kubikmetern pro Jahr angekommen“, skizziert Bernd Schneider. „Unsere verantwortlichen Mitarbeiter der Wassersparte haben umgehend Handlungsoptionen erörtert und Möglichkeiten aufgezeigt, um eine Kompensation der reduzierten Mengen zu erreichen“, zeigt der Kreiswerke-Geschäftsführer auf.

Eine dieser Optionen werde darin bestehen, Reservebrunnen zu reaktivieren, was mit diversen Netzumstellungen einhergehe. Dazu berichtet Björn Schmidt, Technische Führungskraft Wasser bei den Kreiswerken: „Diese Umstellungen wiederum haben Auswirkungen auf die Wasserbeschaffenheit. So zum Beispiel auch auf die Wasserhärte, die sich in Teilbereichen des Netzgebietes wieder hin zu mehr härterem Wasser ändern wird. Wie sich die Auswirkungen in den einzelnen Orten konkret darstellen werden, wird derzeit noch analysiert.“

Bevölkerung soll sorgsam mit Trinkwasser umgehen

Das sei die Situation, die sich nun auch für den Regionalversorger sehr kurzfristig darstelle. „Es werde dem Unternehmen Kreiswerke zwar auch mit diesen Einschnitten gelingen, die Trinkwasserversorgung über die nächsten Monate aufrecht zu halten“, so Schneider. Jedoch richtet sich das Unternehmen bereits jetzt mit dem dringenden Appell an die Bevölkerung, sehr sorgsam mit dem kostbaren Gut Trinkwasser umzugehen. „Welche Auswirkungen sich im Detail aus der Netzumstellung der Kreiswerke ergeben, stellen wir in Kürze dar“, verspricht der Geschäftsführer. (PM/thb)

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