Main-Kinzig-Kreis

Über 3000 neue Fische in der Kinzig

Schonend an die neue Umgebung gewöhnt: Die aus der Rhön stammenden Fische werden vom Transporter in Behälter voller Kinzigwasser umgesetzt.
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Schonend an die neue Umgebung gewöhnt: Die aus der Rhön stammenden Fische werden vom Transporter in Behälter voller Kinzigwasser umgesetzt.

Bis in die Dunkelheit hinein dauert der Einsatz der 14 Helfer, die für einen neuen Fischbestand in der Kinzig sorgen: Sie alle nutzen ihre Freizeit, um 800 Hechte, 1000 Schleien und 1500 Wildkarpfen in ihre neue, nasse Heimat zu bringen. Bislang lebten die Tiere in der Rhön in der Fischzucht Rhönforelle in Gersfeld, nun finden sie zwischen dem Ahler Stausee und Hanau ihr neues Zuhause.

Main-Kinzig-Kreis - Die anpassungsfähigen Fische sind noch sehr jung, alle in diesem Jahr geboren. „Die können sich hier leicht akklimatisieren“, wie Gewässerwart Daniel Demel sagt.

Demel gehört seit knapp vier Monaten zum Vorstand der Interessengemeinschaft der Kinzigpächter (IGK). In dieser Zeit, sagt er, haben schon drei Besätze stattgefunden. Zweimal waren es Forellen und Aale, die in die Kinzig gesetzt wurden, beim jüngsten Einsatz nun Hechte, Schleien und Wildkarpfen.

Wobei die Hechte die größte Mühe verursachten: „Die werden von Hand einzeln eingesetzt“, wie Demel erläutert. Eine mühevolle Arbeit, der sich die Helfer – allesamt Fischer aus den 15 angeschlossenen Mitgliedervereinen – in ihrer Freizeit widmen.

Der Hintergrund: Die Tiere können sich nicht so schnell vermehren, wie sie der Kinzig entnommen werden. Zum einen durch das Angeln selbst, zum anderen aber auch „weil in die Kinzig sehr stark eingegriffen wurde“. Stichworte wie Abwasserproblematik, Kanal und Klima-Erwärmung fallen, zudem gäbe es die „Kormoran-Problematik“: Die Vögel sorgen bei Schleien und Aalen für „massive Verluste“, insbesondere zu Zeiten, wenn andere Gewässer zugefroren sind und die Kinzig als Fließgewässer eisfrei ist.

Die Folge: „Wir haben von den Anglern einen Hegeauftrag. Wir besetzen stets mehr, als aus dem Fluss herausgefangen wurde“, so Demel.

Wie viele Fische das sind, wissen die Verantwortlichen ganz genau: Es gibt seit Jahren genaue Fangstatistiken, die Aufschluss geben über den Fischbestand in einzelnen Abschnitten des Flusses. Und: In Kooperation mit dem Regierungspräsidium findet in regelmäßigen Abständen eine „Elektro-Abfischung“ statt – eine wissenschaftlich genutzte Methode, bei der elektrischer Strom zum Fischfang eingesetzt wird und die es ermöglicht, Fischbestände schonend und schnell zu erfassen.

Da gibt es Brassen- und Barbenregionen, Eschenstücke – „Wir werfen nicht wahllos die Fische einfach so ins Wasser, sondern haben dafür einen genauen Plan.“

Die Schleien beispielsweise mögen „langsames Wasser“, die Hechte sind dafür bekannt, dass sie auch kleinere Artgenossen angreifen. Um diesem Kannibalismus vorzubeugen, werden sie von Hand und mit Abstand in den Fluss gesetzt.

Ein weiterer Grund: Würden alle Tiere in großer Zahl ausgesetzt, wäre das für Fischreiher und Kormoran wie ein großes Buffet. Durch das vereinzelte Aussetzen wird den Vögeln das Fangen der Tiere erschwert. Die „Besatzerfolge“ geben den Handelnden bei ihrem Vorgehen recht.

Während der Hecht seine Einzelbehandlung erhält, werden die übrigen Fische aus den großen Transportbehältern der Fischzucht in kleinere Wasserhälter umgeladen. Hier wie dort wird mit Hilfe der Sauerstoffzufuhr sichergestellt, dass es den Tieren gut geht und sich der „Umzugsstress“ in Grenzen hält.

In den kleineren Behältern finden die Fische Kinzigwasser vor, um sich so schon mal mit ihrer neuen Welt anfreunden zu können. Von unterschiedlichen Standorten zwischen Ahl und Hanau aus werden die Fische zum Wasser getragen – in Eimern, manchmal mehrere hundert Meter weit. Auf eines dürfen sich die neuen Flussbewohner verlassen: „Die Kinzig hat eine sehr gute Qualität“, so Demel. (Von Andrea Euler)

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