Versäumnisse beim Waffenbesitz? Schützenverein besitzt wohl „illegale" Waffen

Ein Sportschütze schießt
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Feuer einstellen? Im Ostkreis sorgt der Austritt eines Schützenvereins dafür, dass die Mitglieder künftig nicht mehr legal über ihre Waffen verfügen dürfen.

Deutschland hat eines der schärfsten Waffengesetze weltweit. Hilfreich ist das nur, wenn es durchgesetzt wird. Im Kreis gibt es dabei offenbar Versäumnisse, wie ein aktueller Fall aus dem Ostkreis vermuten lässt. Hat ein Schützenverein jetzt illegale Waffen?

Main-Kinzig-Kreis – So ist der Schützenverein Steinkaute in Bad Soden-Salmünster bereits seit dem Jahreswechsel kein Mitglied mehr im Hessischen Schützenverband.

Das bedeutet im Klartext: Die Mitglieder, die nicht über andere Vereine in Verbänden organisiert sind, dürfen ihre bislang legalen Waffen nicht mehr besitzen. Wovon die Vereinsmitglieder bis heute offenbar gar nichts wissen.

Für die Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises scheint das Thema keine hohe Priorität zu haben. Auch von dieser Seite haben sich bislang für die Vereinsmitglieder keine unmittelbaren Folgen ergeben.

Schützenverein empfindet Kritik am Waffenbesitz ungerechtfertigt

Die Schützen fühlen sich zu Unrecht kritisiert. „Manche Leute tun gerade so, als wäre man ein Aussätziger“, wie es Jaroslav Arnold Zaba formuliert. Die Sportschützen stehen nicht erst seit den Anschlägen in Hanau im Februar und der rechtsextremen Gewalttat in Wächtersbach vor einem Jahr – beide Täter waren in Schützenvereinen organisiert – in der Kritik.

Zaba, seit sechs Jahren Vorsitzender des Schützenvereins Steinkaute, ist überzeugt davon, dass die in seinem Verein aktiven Schützen weiterhin ihre Waffen besitzen und im Vereinsheim trainieren dürfen, obwohl der Verein weder im Hessischen Schützenverband noch in einem anderen Verband organisiert ist.

Er beruft sich auf das Waffengesetz, demzufolge „es auf das Bedürfnis und die Zuverlässigkeit“ ankommt, wie er sagt. Das „Bedürfnis“ weisen die Vereinsmitglieder seiner Einschätzung gemäß dadurch nach, dass sie „ein- oder zweimal im Monat kommen und auf die Zielscheibe ballern“.

Waffenbesitz: Schützen genießen das Vertrauen von Zaba

Was die Zuverlässigkeit angeht, lege er für „seine Schützen“ die Hand ins Feuer. „Und deshalb hat selbst das Landratsamt nicht die Möglichkeit, das zu widerrufen“, so Zaba.

„Ich habe den Vorstandsmitgliedern erklärt: So lange wir keine goldenen Löffel klauen, so lange wir unser Training absolvieren, so lange können die uns nichts wollen.“

Denn: „Laut Waffengesetz gibt es keine Vorschrift, dass wir einem Verband angehören müssen.“ Durch den Austritt aus dem Verband sei den Vereinsschützen einzig die Möglichkeit genommen, eine neue Vereinswaffe zu beantragen.

Main-Kinzig-Kreis sieht Sachlage beim Waffenbesitz der Schützen anders

Die Stellungnahme der Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises, die Kreispressesprecher Frank Walzer auf Nachfrage einholt, liest sich dagegen ganz anders: „Der Austritt eines Schützenvereins aus einem Verband (…) hat auch Konsequenzen für die Mitglieder des Vereins. Eine wesentliche Voraussetzung für den genehmigten Besitz einer Waffe ist der Nachweis eines Bedürfnisses (…).“

Also ist eine Verbandsmitgliedschaft doch wichtig? Die Waffenbehörde formuliert es amtlich: „Der Sportschütze belegt dieses Bedürfnis durch die Mitgliedschaft in einem Schützenverein, der einem anerkannten Verband angehört, in dem er regelmäßig trainiert und an organisierten Wettkämpfen teilnimmt, die nach einer vom Bundesverwaltungsamt genehmigten Sportordnung durchgeführt werden.“

Im Waffengesetz seien Erwerb und Besitz von Schusswaffen und Munition durch Sportschützen geregelt. Erwerbsberechtigt sei damit nur der „organisierte Sportschütze“.

Bedürfnis nach Waffenbesitz sei mit Austritt der Schützen nicht mehr gegeben

Mit dem Ausscheiden des Vereins aus dem Verband sei das „Bedürfnis“ des Vereinsmitgliedes für den Waffenbesitz nicht mehr gegeben. Es droht der Widerruf der waffenrechtlichen Erlaubnis.

Auch vom Hessischen Schützenverband ist die Aussage klar: „Die Mitglieder sollten schleunigst zusehen, dass sie in einen Verein kommen, der einem Verband angeschlossen ist“, so die dortige Auskunft. Andernfalls könne die Waffenbehörde die Herausgabe der Waffen verlangen.

Das ist bislang nicht geschehen, obwohl nach Auskunft des Hessischen Schützenverbands „die Ordnungsbehörde informiert wurde. Dazu sind wir rechtlich verpflichtet.“

Waffenbesitz: Main-Kinzig-Kreis hatte Kontakt zu den Schützen aufgenommen

Kreispressesprecher Walzer schreibt dazu: „Der Main-Kinzig-Kreis hat im Frühjahr durch den Hessischen Schützenverband die Mitteilung erhalten, dass der Verein Steinkaute nicht mehr dem Hessischen Schützenverband angehört.“ Daraufhin habe die Waffenbehörde Kontakt zum Verein aufgenommen und die entsprechenden Konsequenzen benannt. „Es stellte sich im direkten Gespräch heraus, dass diese Konsequenzen seitens des Vereinsvorstands offenbar nicht bedacht worden sind. Der Verein kündigte daraufhin an, seinen Austritt wieder zurückzunehmen“, so Walzer weiter.

Coronabedingt sei kurz darauf das Vereinsgeschehen über viele Wochen zum Erliegen gekommen, was das längere laufende Verfahren und auch die längere Überbrückungszeit erkläre.

Für den Main-Kinzig-Kreis ist dieses Verfahren aber nicht abgeschlossen, sondern werde „in Kürze einer Klärung überführt“. Walzer abschließend: „Wenn es der Schützenverein nicht mit einer Wiedereintrittserklärung, einem Widerruf des Austritts oder welcher Form auch immer selbst tut.“

Ärger um Waffenbesitz begann mit dem Austritt der Schützen aus dem Landessportbund

Der Ärger für den Verein begann damit, dass Zaba seine Vorstandskollegen Mitte 2019 überzeugte, aus dem Landessportbund auszutreten. Die Mitgliedschaft in dieser Dachorganisation der hessischen Sportvereine ist jedoch Bedingung, um auch im Hessischen Schützenverband Mitglied sein zu dürfen.

„Wir waren aus finanziellen Gründen gezwungen, Einsparmaßnahmen vorzunehmen“, begründet es der 67-Jährige, der heute jedoch von einem „übereilten Schritt“ spricht. Zudem habe es eine gerichtliche Auseinandersetzung um Mitgliedsbeiträge für 2019 mit dem Landessportbund gegeben. Dessen Vorgehen geißelt Zaba als „unsportlich und unkameradschaftlich“.

„Ich kann doch nicht dauernd die Beiträge erhöhen. Wir sind zu 80 Prozent alte Leute, die kaum noch aktiv schießen“, so Zaba, der zunehmende Bürokratisierung, Kostendruck und Auflagen beklagt.

Seit Oktober 2019 versuche er nun, den Verein wieder im Landessportbund „unterzubringen“. Von dort habe er die Auflage bekommen, der Verein müsse umbenannt werden. Die Vereinsmitglieder wurden über all das nicht informiert.

„Das hat auf das Bedürfnis keinerlei Auswirkungen“, so Zaba. Er empfiehlt: „Ruhig Blut. Bis Januar haben wir Zeit genug.“ Aber er sagt auch: „So einen Verein zu leiten, ist schlimmer als eine Fabrik.“

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