Wir haben nachgefragt

Verstöße gegen Corona-Auflagen: Wie geht man in den Kommunen mit der Situation um

Coronavirus - Berlin
+
Ein Jugendlicher schreibt mit Kreide „Today Corona Bottle Party“ auf ein Straßenpflaster. In der Region Hanau sind den Ordnungsämtern kaum Fälle von Verstößen gegen die Corona-Schutzauflagen gemeldet worden. Ausnahme ist die Stadt Erlensee, in der die Anzeigen deutlich zunahmen.

Die Einschränkungen für die Bürger in diesen Corona-Zeiten sind einschneidend. Wir wollten mittels einer Umfrage in den Rathäusern einiger Kommunen und bei der Polizei herausfinden, ob sich die Zahl der Anzeigen oder Anrufe aufgrund von Verstößen gegen die Vorschriften gehäuft haben.

Marc Schilling, Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Bürgerservice der Stadt Erlensee, wurde mit seinen Kollegen zu Beginn der Einschränkungen mit einer Flut von Anzeigen und Anrufen, darunter sehr viele anonym, fast überschwemmt. „Der Anstieg war schon extrem signifikant, vor allem Nachbarn haben genau hingeschaut, was ihre Mitbürger treiben. Zum Beispiel ob im Garten mit wie viel Leuten gegrillt wurde oder wie viele Helfer bei einem Umzug beteiligt waren“, berichtete der Fachbereichsleiter. 

Inzwischen habe sich die Zahl der Anrufe stark abgeschwächt, „die Menschen haben sich offensichtlich an die Vorschriften gewöhnt und akzeptieren diese zum Großteil. Die Zahl der Anrufe bei mir und den Kollegen in Zusammenhang mit Corona-Vorschriften ist stark zurückgegangen“, stellte Marc Schilling fest. 

Rodenbachs Bürgermeister Schejna: Alles in einem überschaubaren Rahmen

Da hat Michael Juracka, Leiter Feuerschutz, Öffentlicher Personen-Nahverkehr, Straßenverkehrsbehörde und Ordnungsamt der Stadt Langenselbold, ganz andere Erfahrungen gemacht: „Bei uns ging es in dieser Hinsicht human zu, wir hatten relativ wenige Anrufe und Hinweise, das hielt sich sehr in Grenzen“, betonte der Amtsleiter. „Da waren die Selbolder toll“, lobte Juracka. 

Auch in Rodenbach haben sich die Bürger in Zurückhaltung geübt, betonte Bürgermeister Klaus Schejna: „Wir hatten den einen oder anderen Hinweis auf Ansammlungen oder Grillpartys, allerdings in sehr überschaubarer Zahl. Es gibt auch zu normalen Zeiten die Spezialisten, die immer etwas zu meckern haben und die kennen wir schon.“ Den Hinweisen seien entweder Mitarbeiter der Verwaltung nachgegangen oder sie seien an die Polizei weiter gegeben worden. „Im großen und ganzen haben die Bürger die Einschränkungen in Rodenbach hingenommen“, stellte der Rathauschef fest. 

Corona-Partys in Nidderau - Keine vermehrten Hinweise in Hammersbach

„Es waren nicht übertrieben viele Hinweise und Anzeigen“, stellte Alexandra Laubach, Fachbereichsleiterin Ordnungswesen der Stadt Nidderau, fest. „Es ging zum Großteil um Ansammlungen von Jugendlichen an bekannten Treffpunkten, Corona-Partys und Verstöße beim Einkaufen. Fast alle Hinweise waren berechtigt, auch wenn sie anonym eingingen. Bösartige Unterstellungen gab es so gut wie nicht“, fügte sie hinzu. Allerdings erfordern die Umsetzung und Überwachung der Verordnungen eine Vielzahl von Kontrollen, die Kollegen seien sehr beschäftigt. 

Scheinbar ganz cool haben die Hammersbacher auf die Einschränkungen reagiert, dort nämlich hat Sandra Schutt, Fachbereichsleiterin für Hauptamt, Personal, Ordnungsamt, Finanzen, Kindertagesstätten und Feuerwehr, „keine vermehrten Hinweise“ registriert. „Es kam auch zu keinen anonymen Anzeigen. Hin und wieder ist mal eine Diskussion über Facebook entstanden, aber auch bei anschließenden Kontrollen konnte nichts festgestellt werden“, berichtete die Verwaltungsmitarbeiterin weiter. 

Maintaler gaben Hinweise zu überfüllten Supermärkten

„Wir erhalten vereinzelt entsprechende Anrufe von Bürgerinnen und Bürgern. In den ersten Wochen der Pandemie bezogen sich diese vor allem darauf, dass das Kontaktverbot auf öffentlichen Plätzen und Spielplätzen nicht eingehalten wird und einzelne Geschäfte und Dienstleister trotz der Anordnung zur Schließung weiterhin geöffnet hatten. Ebenso gingen Anfragen und Beschwerden bezüglich der zwangsweisen Schließung der Geschäfte ein. Dies betraf in erster Linie Eisdielen, Optiker und Telekommunikationsgeschäfte“, teilte Martina Faust von der Pressestelle der Stadt Maintal auf Anfrage mit. 

In den zurückliegenden drei Wochen habe es vermehrt Hinweise von Bürgern wegen überfüllter Supermärkte und unerlaubter Kontakte im näheren Wohnumfeld gegeben. Ebenso hätten sich Gewerbetreibende gemeldet und um eine Ausnahmegenehmigung zur vorzeitigen Wiedereröffnung gebeten. Seit Montag hätten besorgte Bürger gemeldet, dass die Maskenpflicht in einigen Maintaler Geschäften nicht eingehalten werde. 

Bürger in Bruchköbel haben sich schlau gemacht 

Bruchköbels Bürgermeisterin Sylvia Braun hat gerade in den vergangenen Tagen vermehrt Anrufe bei der Verwaltung und beim Bürgertelefon registriert. „Durch die neue Situation im Einzelhandel gab es verschiedentlich Unsicherheiten über die Schutzmaßnahmen, zum Beispiel der Verkäufer. Da haben die Bürger nachgefragt und sich schlau gemacht“, berichtete die Rathauschefin. Ansonsten habe es keine signifikanten Anstiege der Anrufe gegeben. „Und anonym vorgebrachte Beschuldigungen hat es auch vorher schon gegeben“, betonte Braun. 

Die Pressestelle der Stadt Hanau teilte mit, dass die Stadtpolizei in der Zeit von vergangenem Freitag bis Sonntag insgesamt 43 corona-spezifische Kontrollen durchgeführt habe. Diese setzten sich unter anderem aus Überprüfungen von Bürgerhinweisen, die größere Menschengruppen meldeten, Stichprobenkontrollen bei Läden, die nicht öffnen durften, und aus Überprüfungen der Umsetzung von Hygienevorschriften zusammen. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts stellten dabei insgesamt vier festgestellte Verstöße fest. 

Hanau: Die Mehrzahl hält sich an die Auflagen

In zwei Fällen hatten sich vor und rund um einen Kiosk Menschengruppen zusammengefunden und Alkohol konsumiert und in zwei weiteren Fällen wurden Personen auf gesperrten Spielplätzen angetroffen. Insgesamt lasse sich feststellen, dass die Zahl der Verstöße nicht signifikant zugenommen habe, heißt es weiter. Seit das Kontaktverbot gelte, gebe es immer wieder Hinweise auf vermeintliche Verstöße dagegen. 

Insgesamt betrachtet, so Ordnungsamtsleiter Thorsten Wünschmann, sei die Lage sehr entspannt. „Die Mehrzahl der Hanauer halte sich an die Auflagen und Regeln, die zum Schutz aller erlassen wurden.“ „Keine Tendenz zu einer vermehrten Zahl von Anrufen“ hat die Polizei in Hanau festgestellt, heißt es aus dem zuständigen Polizeipräsidium Südosthessen. Allerdings sei der Vergleich schwierig, handele es sich derzeit doch um eine „außerordentliche Lage“. Die Kollegen hätten trotzdem davon gesprochen, dass sich der Anstieg sehr in Grenzen halte, teilte ein Pressesprecher mit.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare