Prozess

Verurteilt wegen Untreue: Ex-Kreisbeigeordnete zieht Berufung zurück

Justiz
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Die ehemalige ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Sonja Senzel ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Hanau/Gelnhausen – Nur sehr kurz sitzt die Rechtsanwältin zum zweiten Mal in diesem Jahr auf der Anklagebank: Die Juristin aus Steinau ist nun rechtskräftig wegen Untreue durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Damit hat das Urteil des Schöffengerichts Gelnhausen weiter Bestand, weil Sonja Senzel die Berufung unmittelbar nach Beginn der Sitzung vor dem Landgericht Hanau zurückzieht.

Richterin warnt Angeklagte vor Berufung

Ursprünglich hatte sich Senzel gegen die Höhe der des Urteils wehren wollen. Doch vor der 6. kleinen Strafkammer unter der Vorsitzenden Richterin Angela Peter scheint das keine besonders gute Idee gewesen zu sein. Denn von der Richterbank kommen gleich ein paar deutliche Hinweise, wohin die Reise gehen könnte.

Zwar könne in diesem Fall keine höhere Strafe verhängt werden, weil nur die Angeklagte Berufung eingelegt hat. Allerdings, so Peter, könnten die „eingestellten Tatvorwürfe“ erneut einem kritischen Blick unterzogen werden. Ob dann der Vorwurf der Untreue durch Unterlassen noch Bestand habe, oder möglicherweise ein „aktives Tun“ vorliege, müsse überprüft werden.

Klare Ansage von Richterin an Angeklagte

Und die Vorsitzende Richterin ist seit Jahren für ihre klaren Ansagen bekannt. Peter formuliert es sehr deutlich: „Das wird nichts, Frau Senzel. Ich kann Ihnen nur dringend anraten, die Berufung zurückzuziehen.“

Senzel und ihr Anwalt nehmen den Rat sofort an und ziehen daraufhin die Berufung zurück – die Hauptverhandlung dauert nur sechs Minuten. Die Juristin, die amtlich mit zwei Erbschaftsangelegenheiten betraut war, hatte jeweils Gelder aus dem Nachlass veruntreut. Statt auf ein separates Konto hat sie erhebliche Summen auf Privat- und Geschäftskonten transferiert – und „den Überblick verloren“.

Geständnis sorgt für milde Strafe

Es ging im Verfahren letztlich um rund 35 000 Euro. Dass die Rechtsanwältin eine milde Strafe bekam, liegt vor allem am sofortigen Geständnis und der kompletten Schadensregulierung. Zudem ist sie mit einem Berufsverbot als Nachlassverwalterin belegt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten beantragt.

Doch nicht nur in Justizkreisen hat der Fall für Aufsehen gesorgt. Der HA-Bericht über das erstinstanzliche Urteil hatte für erheblichen Wirbel im Landratsamt gesorgt. Vor allem deshalb, weil der Kommunalpolitik das Geschehen fast drei Monate verborgen geblieben ist.

Angeklagte war als ehrenamtliche Kreisbeigeordnete aktiv

Denn Sonja Senzel war lange Jahre als ehrenamtliche Kreisbeigeordnete aktiv. Als Ehrenbeamtin hätte sie eigentlich Landrat Thorsten Stolz über das Strafverfahren unterrichten müssen.

Doch wenige Stunden nach dem Bekanntwerden im Gelnhäuser Landratsamt und einem telefonischen „Krisengespräch“ mit Kreis- und SPD-Spitze zog Senzel die Konsequenzen und trat am 5. Mai als Kreisbeigeordnete sowie von allen andern kommunalpolitischen Ämtern in Steinau zurück.

Rücktrittserklärung: „Integrität und Glaubwürdigkeit“

In einer persönlichen Rücktrittserklärung hatte sie erklärt: „Für diese Tätigkeiten ist ein besonders hoher Maßstab an Integrität und Glaubwürdigkeit unerlässlich. Diesen Maßstab habe ich in den vergangenen Jahren stets bei anderen angelegt, daher ist es im Umkehrschluss auch nur konsequent, das eigene Handeln daran zu messen“.

Für Senzel ist inzwischen der Landtagsabgeordnete Heinz Lotz (SPD) in den Kreisausschuss nachgerückt.

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