Waffenbesitz

Viele offene Fragen: Linken-Fraktion fordert Antworten von der Waffenbehörde zu Hanau und Wächtersbach

Ein Sportschütze schießt
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Linken-Fraktion fordert Details zu Überprüfungen von Tobias R. und dem Attentäter von Wächtersbach von der Waffenbehörde des Kreises.

Viele Fragen sind offen. Das findet zumindest die Linken-Fraktion im Kreistag. Daher fordert sie nun Details von der Waffenbehörde des Kreises zu Tobias R. und dem Wächtersbacher Attentäter.

Main-Kinzig-Kreis – Tobias R., der Mörder von Hanau, hat offenbar jahrelang seine Schusswaffen in München aufbewahrt, ohne dass die Behörden in der bayerischen Landeshauptstadt davon wussten*. Die Fraktion der Linken im Kreistag will nun Details zu den Überprüfungen durch die Waffenbehörde des Main-Kinzig-Kreises erfahren.

Das Landratsamt hatte vermeldet, R. sei von 2013 bis 2019 insgesamt viermal überprüft worden. Diese Überprüfungen hätten allerdings keinen außergewöhnlichen Anlass gehabt; R. sei durchgängig mit Hauptwohnsitz in Hanau gemeldet gewesen, ein offizieller Wohnsitz in München habe nicht bestanden.

Linke stellten bereits 2016 eine vergleichbare Anfrage

Linken-Vorsitzender Andreas Müller hakt nun nach. „Wir haben hierzu bereits im Jahre 2016 eine entsprechende Anfrage gestellt aus der sich ein starker Anstieg der beantragten Waffenscheine im Main-Kinzig-Kreis ergab. Diese Anfrage haben wir schon im Februar 2020 aktualisiert.“ Doch jetzt, so Müller in einer Pressemitteilung, würden sich „noch ganz andere Fragen stellen“.

Nun will die Linke zusätzlich wissen „wie und wie oft die Waffenbesitzer überprüft und in welchem Turnus die Kontrollen vorgenommen werden.

Es sei ebenso interessant, ob die Personalsituation in der Waffenbehörde so gestaltet ist, dass die waffenrechtlich notwendigen Überprüfungen ausgeführt werden können. „Oder finden die Überprüfungen per Telefon oder schriftlich oder stichprobenartig statt?“, heißt es in der Anfrage. Genauere Angaben will die Linke auch bei der Frage, ob und wie viele Waffenscheine aufgrund der regelmäßigen Überprüfungen wegen Unzuverlässigkeit des Besitzers entzogen worden sind.

Linke fordert besonders zum Attentäter von Hanau detaillierte Antworten

Die Linke will zu den Vorfällen mit München auch wissen warum Tobias R. trotz Verstoßes gegen die Meldepflicht (keine Anmeldung des Wohnsitzes in München) und trotz Verstoßes gegen die Aufbewahrungsregeln nicht auf die Zuverlässigkeit geprüft wurde, oder er trotzdem für zuverlässig gehalten wurde. Ebenso will die Linke wissen, wie genau die Waffenaufbewahrung von R. in München geprüft worden ist. „Waren Mitarbeiter der Waffenbehörde des Kreises in München zur Kontrolle, oder gab man sich mit den Auskünften zufrieden? Wie genau wurde die Waffenaufbewahrung am Erstwohnsitz in Hanau geprüft?“, lauten zwei weitere Fragen an den Kreisausschuss.

Aber auch der rassistische Anschlag auf einen Menschen aus Eritrea vor einem Jahr in Wächtersbach ist Teil der Anfrage.

Zudem will die Fraktion wissen, ob das Verbrechen von Wächtersbach in der Praxis Konsequenzen und zu neuen Überprüfungsregelungen geführt hat. Fraktionsvorsitzender Müller hofft, dass diese Fragen, „schnell beantwortet werden“ – nicht erst im September in der nächsten regulären Kreistagssitzung oder gar noch später. „Hier bedarf es schneller Aufklärung“, so Müller abschließend. thb

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