Jubiläum

„Wir sind Teil der Natur“: NABU Kreisverband Main-Kinzig feiert 50-jähriges Bestehen

Verdiente Mitglieder wurden im Jubiläumsjahr geehrt: Karl Seyler, Rolf Gogné, Lydia Desch und Adolf Beck sowie (von links hinten) Norbert Weber, Reinhard Sommerfeld, Axel und Annette Schmitt sowie Franz-Josef Jobst.
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Verdiente Mitglieder wurden im Jubiläumsjahr geehrt: Karl Seyler, Rolf Gogné, Lydia Desch und Adolf Beck sowie (von links hinten) Norbert Weber, Reinhard Sommerfeld, Axel und Annette Schmitt sowie Franz-Josef Jobst.

Treffpunkt war das Alte Rathaus in Roßdorf. Hier hat der Vogelschutzverein seinen offiziellen Sitz. Doch für das an diesem Nachmittag geplante Treffen sind die Räumlichkeiten in der oberen Etage zu klein. Der coronabedingte Sitzabstand hätte dort nicht eingehalten werden können.

Also ging es, nachdem alle Mitglieder eingetroffen waren, per Autokolonne weiter zum offenen Gelände des Vogelschutzvereins Roßdorf. Hier konnte das Treffen unter freiem Himmel und mit gebührendem Sitzabstand zueinander stattfinden.

„Die Naturschutzarbeit läuft auch in Zeiten von Corona weiter wie gehabt. Nur halten wir den nötigen Abstand voneinander und tragen eine Maske“, sagt Rolf Gogné, Ehrenvorsitzender des NABU Kreisverband Main Kinzig e. V., auf die Frage, ob Corona die Arbeit der Naturschützer beeinträchtige. In der Bevölkerung würden sie sogar „einen geschärften Blick für die nähere Umgebung“ verzeichnen, fügte er noch an. Dem Naturschutz zumindest scheint Corona wenig anzuhaben, mal ein erfreulicher Aspekt.

Anlass des Zusammenkommens ist die nachträgliche Ehrung von vier langjährigen Vorstandsmitgliedern, ohne die es den Verein vielleicht heute gar nicht mehr gäbe, wie Franz-Josef Jobst, Erster Vorsitzender, bei der Begrüßung betont. Bei den geehrten handelt es sich um Gründungsmitglied Rolf Gogné, der 21 Jahre lang als Vorsitzender den Kreisverband leitete, um Lydia Desch, die dem Kreisverband 20 Jahre vorstand und heute Mitglied des Landesvorstands NABU Hessen ist, um Gründungsmitglied Karl Seyler, der 45 Jahre Schatzmeister war und bis heute dem NABU Eidengesäß vorsitzt, und um Adolf Beck, ehemaliger Schriftführer und seit 35 Jahren Vorsitzender des NABU Altenmittlau. Die Ehrung fand auch vor dem Hintergrund des 50-jährigen Jubiläums des Kreisverbands Main-Kinzig statt. Die ursprünglich für Mai geplante offizielle Feier hatte wegen Corona ausfallen müssen.

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Jobst, der in den 50 Jahren des Verbandsbestehens erst der dritte Vorsitzende ist, zieht Bilanz. „Als sich am Nikolaustag 1969 mehrere Naturbegeisterte zusammentaten, um einen Dachverband für die zahlreichen Ortsgruppen des Deutschen Bundes für Vogelschutz, den Vorgängerverband des heutigen NABU zu gründen, war dies die Geburtsstunde unseres Kreisverbandes“, erzählte er.

Während anfangs der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Schutz der Vogelwelt und dem Aufhängen von Nistkästen lag, sei es heute der Artenschutz von Insekten, Pflanzen und ganzen Lebensräumen. „So werden inzwischen fast 50 Hektar NABU-eigenes Land betreut und ökologische Bewirtschaftung sichergestellt“, erzählt Jobst. Inzwischen verzeichne der NABU mehr als 6500 Mitglieder. Der Naturschutzbund wolle aber nicht nur „über Naturzerstörung klagen, sondern tatkräftig anpacken und mit praktischen Beispielen Mut machen und die natürliche Vielfalt erhalten“, berichtet er. Als ein Beispiel führt Jobst die stark bedrohte Wasseramsel an, deren Bestand der NABU durch das Aufhängen von Spezialnistkästen unter Brücken im ganzen Main-Kinzig-Kreis auf ein gesundes Level bringen konnte.

Aktuell mache die Trockenheit Probleme und bedrohe die Amphibienwelt. „Hier kümmern sich ehrenamtliche Mitglieder des Arbeitskreises Amphibien um die Schaffung und Optimierung von Feuchtbiotopen“, berichtet er. Das beziehe auch die letzten im Main-Kinzig-Kreis lebenden Kreuzottern ein.

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Gründungsmitglied Gogné erzählt, dass es dem Kreisverband, damals noch unter seiner Leitung, gelungen sei, gegen den ursprünglich geplanten Verlauf der Autobahn Hanau-Fulda anzugehen. Denn es sollten mehrere über 200 Jahre alte Eichen dafür gefällt werden. „Heute verläuft die Autobahn so, wie wir es kennen. Dafür musste nur eine Felswand weichen“, sagte er.

Gogné spricht auch den sichtbaren Rückgang des Kiebitz-Bestandes in den Kinzigwiesen in Niedermittlau an. Vor zehn Jahren hätten sie noch 67 Nester auf einer Hektarfläche gezählt, heute seien es nur noch drei Brutpaare.

Ein Grund dafür sei die Überdüngung der Felder, weil die Würmer sich tiefer ins Erdreich hinabbewegten und die Vögel deswegen nicht mehr an sie herankämen. „Naturschutz muss sich dem Klimawandel anpassen, heißt, wie müssen Großflächen erhalten, kleinere Flächen reichen nicht mehr aus. Die Menschen müssen verstehen: Wir sind ein Teil dieser Natur. Geht sie kaputt, dann gehen auch wir kaputt.“

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