65-Jähriger tritt Ende Juni in den Ruhestand

Abschied vom Motorradpfarrer: Bernhard Gugerel verlässt nach 19 Jahren die Gemeinde Mainhausen

Wegbegleiter nehmen in der Kirche St. Wendelinus Zellhausen Abschied (v. l.): Pfarrer Lukasz Szafera aus Steinheim, Ordinariatsrat Pfarrer Michael Ritzert, Pfarrer Stefan Selzer, Pfarrer Bernhard Gugerel, Diakon Siegfried Schnöring, Pfarrer Wolfgang Blau, Dekan Dieter Bockholt.
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Wegbegleiter nehmen in der Kirche St. Wendelinus Zellhausen Abschied (v. l.): Pfarrer Lukasz Szafera aus Steinheim, Ordinariatsrat Pfarrer Michael Ritzert, Pfarrer Stefan Selzer, Pfarrer Bernhard Gugerel, Diakon Siegfried Schnöring, Pfarrer Wolfgang Blau, Dekan Dieter Bockholt.

Nach 19 Jahren verlässt Pfarrer Bernhard Gugerel die Pfarrgemeinden Sankt Wendelinus Zellhausen und Sankt Kilian in Mainflingen. Der 65-Jährige tritt Ende Juni in den Ruhestand und zieht aus dem Mainflingener Pfarrhaus zurück in seine frühere Wahlheimat. Ins rheinhessische Gimbsheim begleiten werden ihn Pfarrhausfrau Lotti Müller und Rauhaardackel Paula.

Mainhausen – Abschiedsgottesdienste in beiden Ortsteilen mit kleinen Umtrunks prägten in diesen Tagen Gugerels Terminkalender. Viele Weggefährten suchten den intensiven Kontakt mit dem beliebten und geschätzten Seelsorger. Allen voran Dekan Dieter Bockholt aus Hainstadt und, im Auftrag des Bischofs von Mainz Peter Kohlgraf, Ordinariatsrat Pfarrer Michael Ritzert. Der mit Gugerel befreundete Mainzer Hofsänger Stefan Zier („Heile, heile Gänsje“) sowie die Wendelinus-Schola unter Leitung von Matthias Herr begleiteten musikalisch den Abschiedsgottesdienst in Zellhausen. Spenden statt Geschenke nimmt Gugerel für seinen Priesterfreund im Kongo, Dr. Mbumba Bonaventura, und dessen Projekte unter dem Verwendungszweck „Kongohilfe“ und dem Konto der Kirchengemeinde Sankt Kilian (Iban: DE3650190000 0001319264) entgegen. Die Weltkirche und Mission liegen dem Pfarrer sehr am Herzen und er lebt sie.

Pfarrer Gugerel bei einer Biker-Ausfahrt.

„Gugerel ist ein Mann mit Ecken und Kanten, der stets beharrlich seinen Weg ging und auch bei gespürten Widerständen, wenn er sich im Recht fühlte, nie einknickte. Für seine ‚Schäfchen‘ war er bei Bedarf immer persönlich ansprechbar und begleitete sie mit Rat und Tat.“ So deutlich formuliert es ein Vertrauter Gugerels, der nicht genannt werden möchte.

In Frankfurt-Unterliederbach geboren, lebte Gugerel einige Jahre später in Königstein, wo sein Vater beim Bürgermeister in der Verwaltung arbeitete. Bernhard Gugerel wurde nach mehreren beruflichen Stationen (auch Polizeidienst) und nach einem sechsjährigen Theologiestudium „am 13. Juni 1987 im Hohen Dom zu Mainz zum Priester Jesu Christi und seiner Kirche geweiht“, relativ kurz zuvor bereits zum Diakon. Die Primiz fand einen Tag später in Hofheim am Taunus statt. Bei seiner Pfarrstelle in Rheinland-Pfalz machte er sich unter anderem als segnender „Motorradpfarrer“ unter der Beteiligung Tausender Biker einen Namen, später noch mit kleineren Tourstarts vor dem Mainflinger Kilianushaus nach Rheinhessen.

Die vakanten Pfarrstellen in Mainhausen sah er sich auf „ausdrücklichen Wunsch“ des damaligen Generalvikars Dietmar Giebelmann an. Eine anfängliche Scheu legte Gugerel schnell ab. Es folgten eine lange und gute Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen und den Kirchenchören sowie viele erfolgreiche Büttenvorträge.

Die von Gugerel für die Pfarrgemeinden organisierten Kultur-Erlebnis-Wallfahrten führten die Teilnehmer unter anderem nach Israel, Russland, Estland, Malta, Rom, Irland und in die Türkei. Die jährlich von ihm organisierte Kultur-Weinprobe in Rheinhessen will der Pfarrer beibehalten. Zur Unterstützung bei ökumenischen Gottesdiensten standen ihm zuletzt Elisabeth Koch und Diakon Siegfried Schnöring zur Seite. Letzterer, der mehrmals seinen Ruhestand für Pfarrer Gugerel unterbrach, begibt sich nunmehr verdientermaßen doch in den passiven Teil seines Ruhestandes.

Große Sorgen macht sich Bernhard Gugerel um den vor der katholischen Kirche liegenden pastoralen Weg der Reform, den er, ähnlich wie viele Kritiker, in der geplanten Form als den falschen, einen „suizidalen Irr- und Holzweg“ bezeichnet. Die bereits fehlende Systemrelevanz des gelebten christlichen Glaubens könne bei regional großflächig angelegten Pfarreizusammenschlüssen wohl nur noch weiter verstärkt werden. Dies sehe selbst Rom so. Den Bischöfen legt er nahe, mehr Nähe zum Rat der Praktiker vor Ort zu suchen. Zu missbräuchlichen Verfehlungen der Kirche meint Gugerel, dass diese unbedingt mit strafrechtlichen Konsequenzen staatsanwaltlich geahndet werden müssten. Dies habe aber mit persönlichen Glaubenseinstellungen der einzelnen Katholiken nichts zu tun.

Sehr wichtig ist Pfarrer Gugerel der Dank an seine engsten haupt- und ehrenamtlichen Helfer der Pastoralteams in beiden Pfarreien. Eine absolute „Win-Win-Situation“ sieht Pfarrer Gugerel in der Nutzung des Kilianushauses für die Kinderbetreuung durch die Gemeinde Mainhausen. Das Finanzierungsproblem des Kilianushauses ist somit bis auf Weiteres für die Kirche gelöst, die weltliche Gemeinde Mainhausen konnte somit recht unbürokratisch ihr räumliches Kinderbetreuungsproblem zeitnah bis zur Neubaufertigstellung der Kinderbetreuung im Ort lösen.

Im Dekanat Worms werden dem Pfarrer eine Reihe von „Unruhestandstätigkeiten“ angeboten. Das ärztliche Gesundheitsattest, das den Ruhestand zu diesem Zeitpunkt für den Pfarrer ermöglichte, lässt ihm auch den Spielraum, noch weiter aushelfend tätig zu sein. So mancher Kollege freut sich schon jetzt auf von Gugerel übernommene Urlaubsvertretungen sowie auf dessen Springereinsätze bei Eheschließungen, Taufen, Beerdigungen sowie Messzelebrationen.

Pfarradministrator für Mainhausen wird Stefan Selzer aus Seligenstadt, unterstützt von Lutz Siemes und Winfried Disser als Pfarrvikare. Die Berufsbezeichnung des Ortspfarrers wird es nach Pfarrer Gugerel nicht mehr geben, durch die Strukturreform ist er für Mainhausen der letzte seiner Art mit dieser Bezeichnung. (Von Thilo Kuhn)

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