Ihr Bierkonsum im Gefängnis ist enorm

Anno 1711: Schatzsucher erleben ihr blaues Wunder in Zellhausen

Ostkreis - Als Schatzgräber sorgten vier Fremdlinge anno 1711 in Zellhausen für Furore. Das Abenteuer endet nicht mit unermesslichen Reichtümern, sondern ziemlich bierlastig im Seligenstädter Gefängnis. Von Thilo Kuhn 

Am Zellhügel dürfte es gewesen sein, wo die Schatzgräber 1711 ihr Glück versuchten - und jämmerlich scheiterten.  

„Schatzgräber in Zellhausen erwischt“ - so lautet die Überschrift auf einem Aktenbündel aus dem Jahr 1711, das Peter Wolf vom Geschichts- und Heimatverein Mainhausen (GHV) im Seligenstädter Stadtarchiv entdeckte. Anders, als es der ursprüngliche Titel vermuten lässt, handelte es sich aber um vier Männer, die „ohnfern (also nahe) Zellhaussen einen vermeint(lich)en Schatz“ zu heben gedachten. „Der Zellhügel wird nicht ausdrücklich erwähnt, man kann aber annehmen, dass die Schatzgräber, die vier ‚Geltgraber‘, exakt dort am Werk waren“, lautet die Erkenntnis von Dr. Ludwig Stenger und Peter Wolf vom GHV. Alternative Grabungsstätten gab es in Zellhausen damals schlicht nicht.

Von den vier Abenteurern waren drei „hochgräflich hanauische Bürger“: Der als Buchhändler oder Buchbinder bezeichnete Carl Schäfer, Johannes Mann und Lenhard Ossendörffer. Der Vierte im Bunde hieß Jacob Mayer und kam aus Frankfurt. Johannes Mann hatte ein „geschriebenes Büchlein“ dabei, und es gab nach Zeugenaussagen auch eine sogenannte „Glükß-Ruthe“ und ein Papier mit Aufzeichnungen. Später forderte die „Churfürstlich Mainzische Verwaltung“ vom Vogt in Seligenstadt nachdrücklich die Herbeischaffung dieser Beweisstücke. Der Vogt berichtete, er habe beim Verhör „angedrohet“, er (Johannes Mann) würde entweder „Juramentum manifestationis darüber ablegen, oder andere ihme ohnbeliebige Zwangsmittel außstehen müssen“. Ohne Erfolg.

Die Aktivitäten der Fremden blieben in Zellhausen nicht verborgen. Man versuchte sie am Graben zu hindern, setzte sie fest und brachte sie nach Seligenstadt ins Gefängnis. In den Unterlagen steht, dass beide Landschöffen aus Zellhausen, „die ganze Gemeind“ und der Jäger Benedict das Quartett beim „Geltgraben in spather Nacht“ überfielen, dabei „hinüber und herüber“ durch den „Morast“ gingen und die Schatzgräber „arrestierten“. Danach stärkte man sich bei „Trunckh und Brodt“ und bürdete dafür dem Vogt Kosten in Höhe von mehr als sieben Gulden auf. Die Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit sollte also damals schon ihren Preis haben.

Die Schatzsucher kamen am 11. Juli 1711 ins Gefängnis und blieben dort bis zum 30. Oktober. Jacob Mayer erkrankte schwer, und der Vogt sah sich gezwungen, den „hanauischen Stattphysico H. Doctori Cröeck“ zu Rate zu ziehen. Dieser kam von Hanau mit zwei Pferden über den Main, und zusammen mit den verordneten Medikamenten verursachte die Aktion weitere erhebliche Kosten. Bemerkenswert ist auch der hohe vom Vogt abgerechnete Bierkonsum.

Dieser Gruselfund ist eine Sensation

So vertilgten die „Arrestanten“ 140 Maß Bier, die beiden Gehilfen Johann Bonifer 23 und Johann Georg Kurtzen 19 Maß. Wegen der hohen aufgelaufenen Gesamtkosten bekam der Vogt einen ordentlichen Rüffel aus Mainz: „Der Fauth Sommer hette hierbey sein ambt wohl verrichten und solche ohnverantwortliche cösten nicht entstehen lassen sollen.“ Nachdem einer der Beteiligten, Carl Schäfer, 100 Gulden „baares Gelts“ bei hiesigem Stadtpfarrer hinterlegt und sich für 90 Gulden Kaution schriftlich verbürgt hatte, wurden die vier Schatz- und Geldgräber am 10. Oktober aus der auch für andere „theueren Haft“ entlassen. Die „Glükß- Ruthe“, das „geschriebene Büchlein“ und das Papier mit der Skizze aber blieben verschwunden. Vom „Schatz“ ist in den Unterlagen keine Rede mehr. Es kann gemutmaßt werden, dass den vier Herren zwar möglicherweise nach weiterem Bierkonsum der Sinn stand, aber nicht mehr nach dem risikobehafteten „Geltgraben“ in Zellhausen.

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