„Das schafft der Kanal nicht“

Anwohner der Bahnhofstraße wehren sich gegen Bauvorhaben

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Idylle am Ortsrand von Zellhausen. Die Anwohner des westlichen Teils der Bahnhofstraße wehren sich gegen das Bauvorhaben der Firma 6M, die dort 24 Wohnungen bauen will.

Mainhausen - In Zellhausen will die Firma 6M zwei Wohnhäuser bauen und die 24 Wohnungen kostengünstig vermieten. In der Nachbarschaft am Ende der Bahnhofstraße hat sich nun aber Widerstand formiert. Von Oliver Signus 

Sorgen bereitet einer kleinen Gruppe von Anwohnern, dass die Kanalisation für die zusätzliche Belastung nicht ausreichend ist.
Josef Simon lebt seit Jahrzehnten am Ende der Bahnhofstraße in Zellhausen. Probleme mit überlaufenden Kanälen habe es immer wieder gegeben, doch nun fürchtet der Zellhäuser, dass alles noch schlimmer wird. Denn in direkter Nachbarschaft will die „6M Wohnraum GmbH“ zwei Häuser mit 24 Wohneinheiten bauen. „Das schafft der Kanal nicht“, ist Simon überzeugt und hat sich mit einigen gleichgesinnten Nachbarn zur „Interessengemeinschaft westliche Bahnhofstraße“ zusammengetan. Die Situation in seinem Haus, das er Ende der 1960er Jahre gebaut hat, sei vor allem nach starkem Regen prekär. „Im Keller und aus den Toiletten drückt es dann den Schlamm raus“, beschreibt er die unangenehmen Folgen. Rückstauventile fehlen bei ihm, sie einzubauen sei damals noch nicht üblich gewesen. Eine Nachrüstung sei wiederum sehr aufwendig.

Der Abwasserkanal sei mit lediglich 40 Zentimeter Durchmesser bereits jetzt nach zu klein, verweist Simon auf die DIN--Normen. Berücksichtige man, dass unter anderem auch die Kanäle aus der Aussigerstraße, der Breslauer Straße, der Chemnitzer Straße, der Danziger Straße und der Falkenauerstraße mit ihrem Gefälle von vier bis fünf Metern alle in den Hauptkanal der Bahnhofstraße münden, werde dies besonders deutlich, führt Simon weiter aus.

Nach Ansicht der Anlieger könne eine Bebauung des betreffenden Grundstücks nur dann erfolgen, wenn die erwähnten Kanäle vergrößert würden. Daher müsse im Bauleitverfahren die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Kanals in der gesamten Bahnhofstraße untersucht werden, fordern Simon und seine Mitstreiter.

Mit der Vertretung ihrer Interessen haben die Anlieger einen Anwalt betraut. In einem Schreiben an die Gemeindeverwaltung fasst die Darmstädter Kanzlei deren Argumente zusammen und weist auf eine Alternative am Königsee hin. Für diesen Bereich hatte die Firma HZ Bau im März 2017 einen Vorschlag inklusive sozialem Wohnungsbau an die Gemeinde geschickt.

Bürgermeisterin Ruth Disser betont in ihrem Antwortschreiben, dass entgegen der Darstellung der Anwohner „keine erheblichen Niederschlags- und Schmutzwassermassen“ in den vorhandenen Kanal eingeleitet werden sollen. Dies bestätigte auch Bauamtsleiter Alexander Albrecht. So müsse 6M dafür sorgen, dass sämtliches Niederschlagswasser auf dem Baugrundstück versickert. Diese Regelung werde im Bebauungsplan festgesetzt.

Bilder: Hüttenfest in Zellhausen

Dass in den Wohnhäusern der Anlieger Wasser an verschiedenen Stellen austrete, sei ein Zeichen für die ungenügende Sicherung. Dafür habe aber jeder Eigentümer selbst zu sorgen, betonte Disser mit Verweis auf Paragraf fünf der Entwässerungssatzung der Gemeinde. Disser wies zudem die Behauptung zurück, dass die genannten Straßen an den kleinen Kanal angeschlossen sind. Dies sei nicht der Fall. Bauamtleiter Albrecht erklärte zudem, dass ein Ingenieurbüro damit beauftragt sei, die Leistungsfähigkeit der Kanäle zu untersuchen. Das Ergebnis werde dann in der wasserwirtschaftlichen Stellungnahme zum Bauleitverfahren zusammengefasst und sei während der Offenlage auch einsehbar.

Den Vorschlag zur Realisierung eines Projektes habe die Gemeinde zur Kenntnis genommen. Ob bei der Fläche -wie vom Anwalt behauptet - „keine vergleichbaren Probleme auftreten würden“, müsse geprüft werden, wären bei diesem Projekt doch eine erheblich größere Anzahl an Nutzungseinheiten an einen Abwasserkanal mit selber Nennweite anzuschließen. Da allerdings ein Projekt am Zellhausener Königsee ein erheblich aufwendigeres Bauleitverfahren nach sich ziehen würde und die Fläche nicht der Gemeinde gehört, stelle es keine „echte Alternative“ dar, so die Bürgermeisterin abschließend.

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