Bürgerversammlung in Mainflingen

Ehemaliges „manroland“-Areal eine „Premiumwohnlage“

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Die Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Werksgelände von „manroland“ in Mainhausen gehen in die Endphase. Bagger und Betonknacker zerlegten die rund 150 Meter lange und 45 Meter breite einstige Montagehalle. Bis Ende des Monats ist von dem imposanten Bauwerk nichts mehr zu sehen. Bis dahin sind mehr als 20 000 Tonnen Bauschutt und etwa 3000 Tonnen Baustellenabfälle aus dem 8,5 Hektar großen Areal abgefahren worden. Bekanntlich entstehen dort 300 neue Wohneinheiten.   Foto: paw

Mainhausen - Die Verwaltung war zufrieden: Etwa 300 Interessierte hatten sich am Dienstagabend von den tropischen Temperaturen nicht abschrecken lassen und waren zur Mainflinger Bürgerversammlung gekommen. Von Sabine Müller

Im Bürgerhaus berichteten Fachleute über den Stand der Entwicklung des ehemaligen „manroland“-Geländes zum Wohngebiet. Auch Fragen und Kritik der Anwohner kamen zur Sprache. Die Bürgerversammlung sei aus aktuellem Anlass dem neu entstehenden Mainflinger Wohngebiet gewidmet, erklärte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Dieter Jahn. Am nördlichen Ortsrand sind die Abbrucharbeiten auf dem brach liegenden manroland-Gelände fortgeschritten. Auch die Bauleitplanung wird vorangetrieben.

Bürgermeisterin Ruth Disser umriss die Industriegeschichte des Geländes, auf dem Erwin Grimm 1945 seine Metall-Präzisionswerkstätte gründete und die mit der Werksschließung des nachfolgenden Druckmaschinen-Herstellers Manroland im Jahr 2010 zu Ende ging. Die Idee, die Brache zum Wohn-, Misch- und Gewerbegebiet weiterzuentwickeln, sei schließlich zugunsten einer reinen Wohnbebauung aufgegeben worden, sagte Disser. Die Aurelis Real Estate GmbH hatte zwischenzeitlich das Areal erworben. Der Investor und die Gemeinde unterzeichneten im Mai 2014 einen städtebaulichen Vertrag über das rund neun Hektar große Areal, auf dem 300 Wohneinheiten entstehen sollen. „Damit bekommen 700 Menschen Wohnraum, für den geplanten Nahversorger findet sich hoffentlich bald ein Betreiber.“ Mainhausen profitiere vom Neubaugebiet durch mehr Einkommensteuer und Gebühren. Auch erwarte die Gemeinde einen Infrastrukturkostenausgleich von rund 2,3 Millionen Euro. „Wir haben ein richtig gutes Verhandlungsergebnis und Perspektive“, bilanzierte Disser.

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Thomas Horn gab ihr Recht. Der gebürtige Mainflinger wurde jüngst als Beigeordneter in die Verbandskammer des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main gewählt. Bei seinem „Heimspiel“ vertrat er die 75 Mitglieder starke Metropolregion, die für viele als Arbeitsplatz und Wohnstandort attraktiv sei. „Mainhausen liegt günstig“, so Horn, „doch es schrumpft: Vor zehn Jahren gab es doppelt so viele Kinder.“ Auch werde wenig gebaut. Dabei sei die Nachfrage nach Wohnbaufläche groß, die „Premiumwohnlage“ und günstigen Quadratmeterpreise würden bestimmt nachgefragt. „Gewerbeflächen haben wir genug, deshalb steht die Regionalversammlung voll hinter dem Projekt.“

Das „fächerartige Konzept mit Bezug zur offenen Landschaft“ sieht nach Informationen von Lutz Krämer-Heid vom Architekturbüro Albert Speer und Partner eine zentrale Ringstraße vor, von der Stichstraßen abzweigen. Dies ermögliche Parzellenvielfalt beim Bau der freistehenden Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihen- und Mehrfamilienhäuser sowie einer Seniorenwohnform. Laut Umweltplaner Martin Bullermann werden die Rückbauarbeiten im September abgeschlossen. Die „besonders sensible“ Wohn- und Spielplatz-Nutzung verlange hohe Auflagen. Doch bei zahlreichen Untersuchungen von Boden und Luft seien erstaunlicherweise keinerlei Altlasten entdeckt worden.

Koffer packen bei manroland in Mainflingen

Im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung wird der Vorentwurf des Bebauungsplans ein weiteres Mal ausgelegt; zum Jahresende soll der Plan verabschiedet werden. Die Vermarktung der Einfamilienhäuser will die Aurelis erst 2016 anlaufen lassen, so Dr. Elmar Schütz auf Anfragen aus dem Publikum. Ob es ein Losverfahren gibt, sei noch unklar, auch zu Baulandpreisen wollte er keine Angaben machen. Mainhäuser sollen bei der Grundstücksvergabe nicht bevorzugt werden. Ein Anwohner der Ecke Lessing-/Brüder-Grimm-Straße beklagte sich über die Baufahrzeuge: Lärm und Schäden am Wohnhaus könnten nur mit einer sanierten Straße sowie Tempo 30 abgeholfen werden.

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