Egner kündigt „kooperative Kritik“ an

Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser vereidigt

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Der große Moment: Dieter Jahn, Vorsitzender der Gemeindevertretung, vereidigt Bürgermeisterin Ruth Disser auf ihre dritte Amtsperiode.  

Mainhausen - Die fastnachtlich dekorierten und bemalten Bürgerhauswände verströmten fröhlich-entspannte Atmosphäre. Beste Voraussetzung für die nunmehr dritte Inthronisation von Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser (SPD). Von Michael Hofmann

17 Redner würdigten am Dienstagabend im Ortsteil Zellhausen die Verdienste der „Powerfrau mit Herz“. Das originellste Geschenk: eine selbstgebastelte Amtskette mit den Porträts der SPD-Fraktionsmitgliedern. Vor zahlreichen Besuchern, darunter Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche, hatte Dieter Jahn, Vorsitzender der Gemeindevertretung und Moderator des Abends, die Veranstaltung eröffnet. Weil eine Amtseinführung einen formalen Rahmen fordert, war die zweieinhalbstündige Disser-Show in eine Sitzung der Gemeindevertretung eingebettet, zu deren Beginn Erster Beigeordneter Hans-Joachim Funkert der alten und neuen Rathauschefin die Ernennungsurkunde überreichte und Dieter Jahn schließlich Vereidigung und Verpflichtung Dissers übernahm.

Beide, Jahn und Funkert, erinnerten an Dissers unangefochtenen Wahlsieg am 27. September mit 63,6 Prozent, fassten ihre Erfolgsbilanz zusammen: Spar-Euro-Verleihung (interkommunale Zusammenarbeit), Feuerwehrunterkünfte saniert, Kilianusbrücke modernisiert, Schulbetreuung oder Ausbau der Kinderbetreuung. „Du weißt, auf was Du Dich eingelassen hast“, blickte Funkert nach vorn und verwies auf Wochenend-Einsätze und darauf, „dass Du auch für die nächsten sechs Jahre Feierabend aus Deinem Wortschatz streichen kannst.“ Jahn ermunterte sie, ihren erfolgreichen Weg fortzusetzen, dies zusammen mit einer engagierten Verwaltung, tatkräftiger Unterstützung des Gemeindevorstands, und auch das Parlament könne „ein Quell der Freude und Inspiration“ sein.

Den Reigen der zahlreichen Grußworte führte Kai Gerfelder, der Vorsitzende der SPD-Fraktion, an. In Anlehnung an den Theologen Dietrich Bonhoeffer verglich er die Gemeinde, ein Gemeinwesen, mit einer Kette, die nur so stark sei wie ihr schwächstes Glied. Für dessen Schutz setze sich Disser ein und werde dabei seit zwölf Jahren von der SPD-Fraktion unterstützt.

Die politischen Herausforderungen der Zukunft beschrieb Gerfelder in Stichworten: Energie, Wohnraumbeschaffung, Wirtschaftsförderung, Vereinsförderung, Fortsetzung der Haushaltskonsolidierung und Betreuung der Flüchtlinge. Sein originelles Geschenk: eine Amtskette mit Porträtfotos der Fraktionsmitglieder, „von uns gebastelt.“ Für die CDU wünschte Dietrich Egner der Bürgermeisterin „einen guten Neustart, Schaffenskraft, Gesundheit und hoffentlich viele Ideen“. Er kündigte für die Christdemokraten „faire Zusammenarbeit, aber auch kooperative Kritik“ an. Gerald Wissler (UWG) sagte, er wolle nicht in das allgemeine Lob einstimmen, gleichzeitig verbiete sich bei diesem Anlass Kritik. Die UWG werde sich allerdings guten Ideen nicht verschließen.

„Herz am rechten Fleck“

Nach einem Dankeswort für die bisher gute Zusammenarbeit wünschte sich Paul Schröder von der FDP „eine vernünftige und transparente Politik zum Wohle Mainhausens.“ Nach Ruth Dissers Redebeitrag  überbrachte Kreisbeigeordneter Carsten Müller als Vertreter des Landrats die Glückwünsche der Gremien des Kreises Offenbach. Bis auf die erste Periode in Dissers Amtszeit, die von erheblichen Finanzproblemen geprägt war, stellte der Kreis-Politiker der Rathauschefin und ihrer Gemeinde ein gutes Zeugnis aus. Disser selbst überzeuge durch ihre Authentizität, „auch hat sie das Herz am rechten Fleck“. In den Bürgermeisterversammlungen sei sie als faire Verhandlungspartnerin bekannt, aber auch „für klare und deutliche Ansprachen“.

Die Glückwünsche von 402 Mitgliedskommunen richtete Karl-Christian Schelzke, der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, aus. Er lobte Dissers haushaltspolitischen Erfolg - ein ausgeglichener Etat - und widmete sich ausführlich einer der ganz großen Herausforderungen, auch in Mainhausen: der Flüchtlingsunterbringung. Die Politik, so Schelzke nachdrücklich, müsse finanziell und organisatorisch vorgeben, wie die Kommunen mit diesem Problem umgehen sollen. Auch die massiven atmosphärischen Störungen im Vorfeld der Bürgermeisterwahl griff Schelzke auf - immerhin stehe die Kommunalwahl vor der Tür. Trotz harter Auseinandersetzungen, schrieb er den Kommunalpolitikern ins Stammbuch, „muss es nach einer Sitzung möglich sein, gemeinsam ein Bier zu trinken.“

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Für die Bürgermeisterkollegen im Kreis würdigte Langens Rathauschef Frieder Gebhardt seine Kollegin Disser als „Powerfrau mit Herz und Verstand“. Er wünschte ihr „eine wohlgesonnene Gemeinde, die Dich auch unterstützt bei dem, was Du planst.“ Auch Peter Dinkel, der Chef des Sportkreises, beschrieb eine Schokoladenseite der Bürgermeisterin: „Du bis eine Vereinsfrau, das rechnen Dir die Vereine hoch an.“ Die freundschaftlichen Verbindungen Mainhausens zur bayerischen Stadt „jenseits des großen Wassers“ betonte Karlsteins Bürgermeister Winfried Bruder. Da sei natürlich nicht nur die Kilianusbrücke zu nennen, sondern schließlich werde ja auch seit vielen Jahren „hinüber- und herübergeheiratet.“

Weitere Grußworte sprachen die Pfarrer Bernhard Gugerel und Martin Franke sowie Peter Dievernich vom Gewerbeverein, Peter Triefenbach (Vereinsring Mainflingen), Thomas Ludwig (Vereinsring Zellhausen), Joachim Unkelbach als Gemeindebrandinspektor und für den Personalrat der Gemeinde sowie Gisela Schobbe, die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins. Für die musikalische Gestaltung des Abends sorgten Tristan Schulz (Klavier) und „Reine Männersache“ (Liederkranz/Harmonie Zellhausen) unter der Leitung von Roman Zöller.

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