Eine verschworene Gemeinschaft

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Die „Fan"s“ sind seit 35 Jahren einen verschworene Gemeinschaft.

Mainhausen - Christian Kuhn, einer der Chefs des Motorradclubs „The Fan´s“, steckt sich eine Zigarette an. Marke: Ernte 23. Hat einen gewissen Charme. Altmodisch, passt aber so gar nicht zu einem der Bosse des Rockerclubs. Von Thomas Hanel

Seit 35 Jahren gibt es die Vereinigung „The Fan´s“ jetzt. Motorradclub nennen sie sich, als Rocker fühlen sie sich, die 24 Mitglieder der Gruppe mit Stammsitz in Mainhausen und Clubheim in Klein-Krotzenburg. Es ist eine verschworene Gemeinschaft. „Es gibt MFs und MCs. Wir sind ein MC“, so Kuhn. MF steht dabei für Motorradfreunde, MC für Motorradclub.

Letzterer hat eigene Verhaltensregeln, die über die reine Freude am motorisierten Zweirad hinausgehen. „Wir legen großen Wert auf Zusammenhalt, Freundschaft, Gemeinsamkeit. Auf unsere Ehre als Motorradclub“, sagt Kuhn. Seine Kollegen, Günter Bott, Helmut Hain und Martin Hüfner nicken. Die Gemeinschaft sei gewachsen in den vergangenen Jahren. Eine Gemeinschaft, auf die Verlass sei.

Bembelrock auf dem Hundeplatz

Jetzt sind sie seit 35 Jahren zusammen - und schenken sich selbst und voraussichtlich vielen hundert Besuchern etwas Besonderes zum Geburtstag 2012. Den „Bembelrock“ auf dem Hundeplatz in Zellhausen veranstalten sie seit vielen Jahren. Und in diesem Jahr präsentieren sie einen echten Höhepunkt. Die amerikanische Blues-Rock-Gruppe „Tito & Tarantula“ wird auftreten (18. August, Einlass ab 17 Uhr, Hundeplatz Zellhausen). Bekannt geworden ist die Truppe um Sänger und Gitarristen Tito Larriva durch den Kultfilm „From dusk till dawn“ und ihren Song „After dark“.

Zurück zum Motorradclub „The Fan´s“. Sie bezeichnen sich als Rocker, Motorradfreunde und andere Zweiradfahrer sind für sie lediglich Mobilisten. Über clubinterne Regeln und Regularien sprechen sie nicht gerne. Will heißen: Überhaupt nicht.

Mitglied werden sei eigentlich ganz einfach. „Wenn denn der Kollege zu uns passt.“ Ein Jahr lang wird dies getestet, dann entscheidet der Club. Wer genau entscheidet, wie genau entschieden wird - auch darüber sprechen sie nicht gerne. „Wir haben clubintern unsere eigenen Bestimmungen.“ Zu den Regeln gehört auch das Tragen der sogenannten Kutte („Manche sagen auch Kittel“), der Weste mit dem Club-Zeichen. Richtiges Mitglied ist erst derjenige, der „Full-Colour“ trägt, die komplette Ausstattung mit Abzeichen. Das Clubabzeichen der „Fan‘s“ zeigt eine stilisierte Sonne und einen Motorradfahrer. „Daher kommt unser Name. Mit dem Motorrad Richtung Sonne fahren. Wir sind Fans einer solchen Tour.“

Mit illegalen Dingen nichts zu tun

Rockerclubs haben nicht das beste Image. Skandale wie bei den Hell´s Angels, die mit organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht werden, sind auch den „Fan´s“ nicht verborgen. „Dazu äußern wir uns nicht“, sagen Kuhn und seine Kollegen. Mit illegalen Dingen wollen sie definitiv nichts zu tun haben, urteilen über das Gebaren andere Rocker wollen sie aber auch nicht.

Zusammenhalt ist ihnen wichtig. So auch die Unterstützung eines Mitglieds, dessen Kind schwer erkrankt war. Ruckzuck wurde eine Spendenaktion organisiert.

An ihre verstorbenen Mitglieder erinnert eine würdig gestaltete Tafel im Clubheim. „Die sollen nicht vergessen werden“, so ein „Fan“.

Und ihre gemeinsame Liebe zur Rockmusik (70er, 80er Jahre. Deep Purple, Led Zeppelin, AC/DC) schweißt sie ebenfalls zusammen. Die 20- bis 60-Jährigen Handwerker und Büroangestellten der „Fan´s“, die im bürgerlichen Leben Familienväter sind. Betonung liegt auf Väter. Frauen als Mitglieder gibt es nicht. Warum? „Ist halt so“, wollen die Sprecher der „Fan´s“ es nicht weiter begründen.

Jetzt fiebern sie alle zunächst ihrem Bembelrock-Fest am 18. August in Zellhausen entgegen; hoffen, dass trotz der teurer eingekauften Band aus Amerika keine roten Zahlen am Ende stehen bleiben. Doch „Tito & Tarantula“ werden mit Sicherheit Musikfans aus der weiten Region anziehen. „Die sind schon richtig gut“, sagt Christian Kuhn überzeugt. Und steckt sich eine Zigarette der Marke Ernte 23 an.

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