Bessere Ausbildungsbedingungen / Mainhausen bei Offensive dabei

Erzieherberuf soll attraktiver werden

Mit einer attraktiveren Gestaltung der Ausbildung zur Erzieherin an Kitas soll der personelle Engpass behoben werden.  
Symbolfoto: Dpa
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Mit einer attraktiveren Gestaltung der Ausbildung zur Erzieherin an Kitas soll der personelle Engpass behoben werden. Symbolfoto: Dpa

Mainhausen – Auch in Mainhausen herrscht Personalmangel in den Kindertagesstätten. Die Gemeinde möchte deshalb den Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers attraktiver gestalten und beteiligt sich an der Fachkräfteoffensive „Praxisintegrierte vergütete Ausbildung“, kurz PivA.

„Um der Fachkräftelücke entgegenzuwirken, muss dieser Beruf attraktiver werden“, betont Erster Beigeordneter Torsten Reuter. Dabei verfolge die Gemeinde drei strategische Ansätze: Verbesserung von Ausbildungsbedingungen, Erhöhung der Attraktivität des Berufsfeldes und auch eine öffentlichkeitswirksame Aufwertung des Berufs-Images.

In den Kitas der Gemeinde wurden in den letzten Jahren immer Erzieher ausgebildet. Neben den bisherigen Möglichkeiten – Vollzeit mit einer Ausbildungszeit bis zu fünf Jahren oder der Praxisintegrierten Ausbildung (PiA) – startet laut Reuter im August die erste „PivA-Auszubildende“. Die Ausbildung dauert insgesamt lediglich drei Jahre und wird - entgegen der bisherigen Ausbildungsformen - über die volle Zeit vergütet.

„Lernort Praxis und Lernort Schule werden in dieser Ausbildungsform sehr eng miteinander verzahnt, und so werden die Auszubildenden optimal auf den Berufseinstieg vorbereitet“, berichtet Kerstin Waschbüsch, Fachbereichsleitung Jugend und Soziales. Durch die Vergütung von Beginn an - so wie es in anderen Ausbildungsberufen schon lange Standard sei - werde der Einstieg in diesen Beruf erleichtert und „hilft sicher dabei, dass Interessierte leichter den Weg in eine Ausbildung finden“.

Für PivA hat die Gemeinde Mainhause eine Kooperationsvereinbarung mit der Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach geschlossen. „Das Land Hessen unterstützt die Träger von Kindertageseinrichtungen künftig finanziell dabei, mehr vergütete praxisintegrierte Ausbildungsplätze zu schaffen“, so Kerstin Waschbüsch weiter. Die Ausbildungsvergütung orientiere sich dabei an den Ausbildungsvergütungen im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst ( TVöD). Die Fachbereichsleiterin betont, dass es nicht darum gehe, mehr Interessierte für eine Ausbildung zu begeistern, sondern vor allem um neue Fachkräfte zu gewinnen und sie anschließend auch zu binden.

Ab Herbst 2020 starte in Hessen zudem eine Werbe- und Imagekampagne, um auf das Berufsfeld der pädagogischen Fachkräfte in Kindertagesbetreuungseinrichtungen stärker aufmerksam zu machen und über die verschiedenen Ausbildungsformen- und -wege zu informieren.

Auch die Stadt Seligenstadt hat in dieser Richtung bereits Akzente gesetzt. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss Anfang Juni einstimmig, sogenannte Anerkennungspraktikanten finanziell zu unterstützen. Demnach sollen junge Leute in Ausbildung in örtlichen Kitas zusätzlich zum gesetzlichen Betreuungsschlüssel von der Stadt finanziert werden. Auf Antrag der Kindertagesstätten soll jeweils eine Fachkraft in Ausbildung pro Einrichtung ermöglicht werden - zur Steigerung der Bildungsqualität und der Verbesserung der Fachkräftegewinnung.

Hintergrund: Bis zum Jahr 2025 werden bundesweit bis zu 329  000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte in Krippen, Kindertagesstätten und der Grundschulbetreuung benötigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsverbunds des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund. Eine Hochrechnung ergibt, dass im gleichen Zeitraum in etwa 274  000 ausgebildete Fachkräfte in das sozialpädagogische Arbeitsfeld einfließen. Jedoch reicht dies gerade einmal dazu aus, die ausscheidenden Fachkräfte zu ersetzen und den Mehrbedarf aufgrund von Geburtenanstieg und Zuwanderung aufzufangen. Ziel ist es jedoch, den Ausbau von Betreuungsplätzen voranzutreiben und die Qualität der Betreuung kontinuierlich zu verbessern. Hierfür fehlen aber weiterhin etwa 309 000 Fachkräfte in Kitas, 15  000 Tagespflegepersonen, sowie 5  000 Stellen in der Ganztagsschule. Diese Zahlen ergeben sich aus dem Fachkräftebarometer „Frühe Bildung“. Die Prognos-Studie für das Bundesfamilienministerium veröffentlichte ähnliche Zahlen und erschien bereits Anfang 2019, zeitgleich mit dem „Bundesprogramm Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“ von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.  sig/mho

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