„Falltorsäule“, Laichklumpen und Luftangriff

+
Gemarkungsgang in Mainhausen: „Tief Xanthia hat dem Wald kaum geschadet“, meinte Revierförster Kaspar.

Mainhausen (paw) ‐ Einen bemerkenswerten Spannungsbogen entfaltete der sechste Gemarkungsrundgang in Mainhausen. Rund zwei Dutzend „Mitläufer“ starteten an der Teufelsbrücke, Ausgangspunkt des rund zweistündigen Exkurses.

Für fach- und sachkundige Erläuterungen an den Anlaufpunkten Lehmkaute, Zellhügel, Naturschutzgebiet Zellerbruch und Zellhäuser Wald sorgten Dr. Ludwig Stenger, der Vorsitzende des Geschichts- und Heimatverein (GHV), Revierförster Hans-Albert Kaspar, Umweltamtsleiter Jörg Nachtigall, Thorwald Ritter (BUND) und Hartmut Müller (NABU).

Noch vor dem Start versprach Bürgermeisterin Ruth Disser in ihrer kurzen Begrüßung den Teilnehmern einen Imbiss beim Starkbierfest des Hundesportvereins, was die ohnehin lockere Stimmung noch steigerte. „Das Sturmtief Xanthia hat unserem Wald kaum geschadet“, meinte Revierförster Kaspar. Es seien maximal 1000 Festmeter Windwurf zu verzeichnen gewesen. Einige erstaunte Gesichter gab es an der „Lehmkaute“ im Wald südlich der Gärtnerei Völker. „Es ist nachgewiesen, dass die Römer für das Kastell in Seligenstadt den Lehm für ihre Ziegelsteine im Badehaus an dieser Stelle geholt haben“, berichtete Hans-Albert Kaspar.

Grabungen im Herbst wieder aufnehmen

Das bewiesen Bruchstücke mit dem Siegel der seinerzeit dort ansässigen Legion. Noch bis in die 1930er Jahre seien Lehm und Ton abgebaut worden. „Die im vergangenen Jahr vorgenommen Grabungen am Zellhügel wollen wir im Herbst wieder aufnehmen“, kündigte der GHV-Vorsitzende Dr. Ludwig Stenger an. Dieser Platz habe zudem noch eine Besonderheit aufzuweisen: eine Falltorsäule. „Damit ist ein Rechtsbauwerk gemeint, an dem Verbrecher an die nächst höhere Gerichtsbarkeit übergeben wurde, wenn der Ortsrichter sich außerstande sah, wegen der Schwere der Tat ein Urteil zu fällen“, so Dr. Stenger. „Der Zellerbruch hat seine Funktion als Feuchtgebiet mit der Inbetriebnahme des Wasserwerks an der Langen Schneise weitgehend verloren“, bedauerte Thorwald Ritter vom BUND.

So sehen Laichklumpen der Springfrösche aus.

Dabei lobte er die Landwirte und besonders Schäfer Werner Ströbel. „Ihnen ist es zu verdanken, dass die Wiesen zwischen Seligenstadt und Mainhausen Landschaftsschutzgebiet bleiben.“ Zum Staunen brachte Ritter die Zuhörer, als er sie mit den Besonderheiten des Bingelkrauts vertraut machte. Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné (1707-1778) setzte sich seinerzeit mit den Spezifika der Pflanzen auseinander. Das Bingelkraut habe nämlich weibliche und männliche Pflanzen und sei für Linné ein ideale Forschungsobjekt gewesen. An den ehemaligen Teichanlagen des Seligenstädter Fischers Burkard gab es das nächste Aha-Erlebnis: Der umtriebige Naturschützer entdeckte im stehenden flachen Gewässer Laichklumpen der Springfrösche.

Tieffliegerangriff auf einen Zug 1945

„Je nach Konstellation heften sie zwischen 450 bis fast 2000 Eierklumpen zusammen, aus denen sich die kommende Froschgeneration entwickelt.“ Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt gab Manfred Stolz eine bis dato kaum bekannte Episode bekannt. Im März 1945 hätten Tiefflieger einen Zug auf der Strecke zwischen Seligenstadt und Zellhausen angegriffen. „Mein Onkel saß in der Bahn. Der Lokführer reagierte geistesgegenwärtig und steuerte die Lok unter die Teufelbrücke. Die Menschen im Zug brachten sich im angrenzten Wald in Sicherheit.“ Die Geschosseinschläge dieses Angriffs seien heute nach am oberen Rundbogen der Brücke zu finden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare