Position zwischen zwei Stühlen

Frank Simon als neuer Bürgermeister für Mainhausen vereidigt

Gemeindevertretervorsteher Dieter Jahn (links) und Bürgermeister Frank Simon
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Gemeindevertretervorsteher Dieter Jahn vereidigte den 35-jährigen Frank Simon im Bürgerhaus Mainflingen.

Frank Simon ist als neuer Mainhausener Bürgermeister im Bürgerhaus Mainflingen vereidigt worden.

Mainhausen – Es war das vierte Mal, dass Dieter Jahn in seiner Funktion als Gemeindevertretervorsteher einen Bürgermeister beziehungsweise eine Bürgermeisterin ins Amt einführen durfte. Der feierliche Akt am Dienstagabend im Bürgerhaus Mainflingen, in dessen Verlauf der am 1. November zum Nachfolger seiner Parteifreundin Ruth Disser gewählte Frank Simon (35, SPD) den Amtseid ablegte, dürfte der schmuckloseste von allen gewesen sein. Bedingt durch die Corona-Auflagen, gab es nur wenige Gäste, kurze Redebeiträge, keine Musik, und die übliche Feier bei Kanapees und Getränken entfiel gar komplett.

So stand die Amtseinführung am Ende einer turnusmäßigen Gemeindevertrersitzung. Lediglich ein wenig Fahnenschmuck und Lichteffekte deuteten darauf hin, dass dieser Abend auch etwas Besonderes war.

„Deine Amtsbezeichnung macht dich zum Meister der Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde“, sagte Dieter Jahn. Dabei könne Simon sich auf eine engagierte Verwaltung stützen, „ohne die deine Arbeit nicht durchführbar wäre“. Auch wisse er einen tatkräftigen Gemeindevorstand an seiner Seite. Mehr Anspruch als Wirklichkeit sei es, dass „auch wir 27 Gemeindevertreter und -vertreterinnen ein Quell der Freude und Inspiration für dich sein werden“, meinte Jahn mit einem Augenzwinkern. „Aber das Ziel sollte es sein.“

Als Bürgermeister habe Simon eine besondere Rolle zwischen der Gemeindevertretung auf der einen und den Bürgern, die ihn direkt gewählt hätten, auf der anderen Seite. Es sei vielfach eine Position zwischen zwei Stühlen.

„Wir, Bürgermeister und Senat, wir haben folgendes Mandat stadtväterlich an alle Klassen der freien Bürgerschaft erlassen“, zitierte der Erste Bürger aus den „Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen“ des Dichters Heinrich Heine und betonte, dass „die Zeiten solcher Edikte von oben herab“ seit Jahren vorbei seien. Partizipation sei angesagt, im Kleinen wie im Großen, und da müsse sich Mainhausen nicht verstecken. „Wir haben schon früh unsere ersten Gehversuche in Sachen Bürgerbeteiligung begonnen.“

Demokratie sei kein Zustand, sondern ein Prozess der immer wieder neu um Beteiligung werben müsse, so Jahn. Die bisherige ausschließliche Verengung auf die Mechanismen der repräsentativen Demokratie reiche nicht mehr aus. Politik brauche Visionen: „Wir müssen Ideen haben, wie unsere Zukunft aussehen könnte, in die wir unser Gemeinwesen steuern möchten. Dafür brauchen wir unseren Bürgermeister, der nicht nur die Visionen mit uns teilt, sondern auch Strategien dafür entwickelt, um sie zur Zukunft werden zu lassen.“

Abschließend bemühte der Gemeindevertretervorsteher erneut Heinrich Heine: „Vertrauet Eurem Magistrat, der fromm und liebend schützt den Staat durch huldreich hochwohlweises Walten. Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.“ Allerdings wollten die Bürger heutztutage nicht mehr „das Maul halten“, sondern ihre Interessen „selbstbewusst einbringen“.

Nachdem Jahn den neuen Bürgermeister vereidigt hatte, sprachen die Fraktionsvorsitzenden von SPD, UWG, CDU und FDP Grußworte, ehe die Sitzung nach gut einer Stunde beendet war.

Von Oliver Signus

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