In die Fremde hineinwachsen

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Pfarrer Martin Franke: „Schrumpfendes Interesse an weltweiter Ökumene.“

Ostkreis - Als Ökumenebeauftragter des Evangelischen Dekanats Rodgau reist Pfarrer Martin Franke (Mainhausen) am Freitag mit einer zwölfköpfigen Gruppe aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nach Südkorea.

Seine Ziele: Besuch der Partnerkirche, der Presbyterian Church in the Republic of Korea (PROK), und die Teilnahme an der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Weltkirchenrates in Busan. Christen leben rund um den Globus verteilt. Ein wichtiger Moment der Begegnung ist die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), bei dem sich christliche Vertreter aus rund 345 Kirchen treffen und über Entscheidungen abstimmen. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus der EKHN reisen zur 10. ÖRK-Vollversammlung vom 30. Oktober bis 8. November, die in Busan, einer Stadt in der Republik Korea, stattfindet.

Während Pfarrer Martin Franke noch Koffer packt, sind einige Weltkirchenrats-Teilnehmer bereits mit dem „Peacetrain“ für eine Aussöhnung nicht nur zwischen Nord- und Südkorea von Berlin aus auf Schienen vorweggefahren, darunter Pfarrer Jong-Pil Yun und acht Gemeindeglieder der Koreanischen Evangelischen Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet.

„In vier Tagen geht es los – auf nach Korea.“ Pfarrer Franke war noch nie in Asien. Für ihn enthielt der Peacetrain-Aufruf eine Erkenntnis: „Wir leben auf einem Großkontinent, historisch zufällig in Europa und Asien aufgeteilt, und hätten das Flugzeug für die über 8000 Kilometer eigentlich nicht nötig. Es gibt sogar Eisenbahnschienen bis Südkorea. Wie gut, dass diese Verbindung jetzt genutzt wird – für die Vision des Friedens, für die der Ökumenische Weltkirchenrat seit seiner Gründung 1948 stand.“

Gerade erst einem verheerenden Krieg entronnen, der neben Europa und Ostasien viele Gebiete in Mitleidenschaft gezogen hatte, gründeten 1948 in Amsterdam Delegierte aus 147 evangelischen und orthodoxen Kirchen den Ökumenischen Rat der Kirchen. Im Motto dieser ersten Vollversammlung hielten sich Sorge und Hoffnung die Waage: „Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan“.

Ob diese Vision noch trägt? fragt sich Martin Franke. In den Gottesdiensten zur Vorbereitung hatte er immer wieder auch von den Krisen des ÖRK berichtet: vom geteilten koreanischen Volk mit den vielen Familientrennungen; von den wachsenden Spannungen innerhalb der christlichen Kirchen gerade in Fragen Frauenordination und Anerkennung von Homosexuellen; nicht zuletzt vom „schrumpfende Interesse an weltweiter Ökumene in einer Welt, in der alles nach Aufmerksamkeit heischt.“

Gut in Erinnerung ist ihm der Besuch von sechs presbyterianischen Christinnen und Christen im Sommer in der Propstei Rhein-Main, ihre Freude an blühenden Gärten und den herzlichen Begegnungen. „Und ich denke an den über 80-jährigen Yohng-Sang Kim, der in einer Lesung seine Erlebnisse im Koreakrieg mit den Sätzen schloss: ,Vor einem neuen Krieg zwischen Süd- und Nordkorea habe ich keine Angst, weil ich die Entwicklung im Norden gesehen habe: Inzwischen gibt es in Pjöngjang schon Ampeln und Fahrräder – so etwas setzt man nicht durch einen Krieg aufs Spiel.”

Für Pfarrer Franke überwiegen die positiven Aspekte: Hoffnungssätze, Vorfreude auf neue Begegnungen und Wiedersehen – und auf die unterschiedlichen Gottesdienste, die gemeinsamen Feiern von Christen aus aller Welt: Es ist gut, dass wir uns gerade jetzt in Korea treffen, dem geteilten Land auf einem wirtschaftlich schnell wachsenden Kontinent. Und es ist gut, dass wir zuerst Menschen aus der Partnerschaftsarbeit wiedersehen, in die Fremde und in die Vielfalt hineinwachsen dürfen.“

(mho)

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