Rita Haßmüller betreut seit 20 Jahren Kleinkinder

Tagespflege: Gefragte Alternative zur Krippe

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Tagesmutter Rita Haßmüller und Fachberaterin Christiane Franzel (im Hintergrund) mit den Betreuungskindern.

Mainhausen - Die Kindertagespflege ist auch in der Gemeinde Mainhausen ein wichtiger Baustein der Betreuungsangebote. Doch die Fachberaterin Christiane Franzel sucht dringend weitere Frauen oder Männer, die sich dieser Aufgabe widmen. Von Sabine Müller 

So wie Rita Haßmüller seit nunmehr 20 Jahren mit viel Spaß und Freude. Nachmittags gegen 15 Uhr geht‘s im Hause Haßmüller in Zellhausen zu wie im Taubenschlag: Muttis kommen, Kinder gehen. Für die meisten ist Abholzeit, auch wenn Rita Haßmüllers Arbeitstag mit den Kindern offiziell von 7 bis 17 Uhr dauert. Zuerst sagt Lenja „tschüss“, dann gibt Jana dem kleinen Wilhelm schnell noch eine Reiswaffel vom Nachmittagsimbiss mit auf den Weg. Wilhelm ist noch neu im Reigen der insgesamt sechs Zöglinge im Alter zwischen ein und drei Jahren. Nicht mehr als fünf werden gleichzeitig betreut. „Die Eingewöhnung war einfach“, sagt Rita Haßmüller. Das liegt wohl auch daran, dass sich „alle hier wohlfühlen“, meint Wilhelms Mama, „auch die Eltern“.

Für Berufstätige ist die Tagespflege eine Alternative zur Krippe. Die in Mainhausen zuständige Fachberaterin Christiane Franzel schätzt diese Form der Betreuung: „Durch die kleinen Gruppen ist sie individuell, flexibel und hat familiäre Strukturen.“ Die Nachfrage ist deshalb groß, doch das Angebot hält nicht Schritt. Im Jahr 2014 waren acht Tagesmütter in Einsatz, durch Umzug, gesundheits- oder berufsbedingt sind es mittlerweile nur noch drei. „Dazu kommt ein Mann, der momentan noch in Ausbildung ist“, berichtet Christiane Franzel. Knapp ein Jahr dauert es, bis das Jugendamt die Pflegeerlaubnis erteilt. Die benötigte Grundqualifikation an der Volkshochschule umfasst mindestens 160 Unterrichts-einheiten, die der Kreis Offenbach finanziert. In einer Anschlussqualifizierung, bei Fortbildungen, Praxis-Reflexionsabenden und in Erste-Hilfe-Kursen werden Themen aufgefrischt, vertieft sowie Kompetenzen und Erziehungskonzepte weiterentwickelt. Viele Tagespflegepersonen haben selbst kleine Kinder oder welche, die zur Schule gehen. Andere, wie Rita Haßmüller, sind schon Oma. Die gelernte Bürokauffrau arbeitete als Übungsleiterin im örtlichen Turnverein mit Drei- bis Vierjährigen, betätigte sich dann in der Grundschulbetreuung, folgte schließlich als über 40-Jährige dem Vorschlag des Arbeitsamtes und wurde Tagesmutter. 2017 kann sie ihr 20-Jähriges feiern, und noch immer macht es ihr große Freude, sich mit den Kleinen zu beschäftigen, ihre Begabungen zu entdecken und fördern zu können.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

„Ihre Entwicklung zu verfolgen ist das Schönste“, sagt die 59-Jährige. Sie sitzt mittlerweile auf dem Boden neben dem kleinen Yannick, der sich ins Brettspiel „Tempo, kleine Schnecke“ vertieft hat. Im Spielzimmer steht der Wickeltisch, wird gespielt, getanzt, Musik gehört und selbst musiziert, auf Matratzen getobt. Zum Haus gehört ein 250 Quadratmeter großer Garten mit Sandkasten, Spielehaus und einem ganzen Fuhrpark an Kinderfahrzeugen. „Bei jedem Wetter geht’s an die frische Luft“, betont Rita Haßmüller, die zudem Wert legt auf täglich frisch gekochtes und ausgewogenes Essen. Der Tagesablauf wird oft nach Lust und Laune der Kinder gestaltet, feste Elemente sind gemeinsames Frühstück, Mittagessen und der Nachmittagsschlaf. Christiane Franzel hat beobachtet, dass die Tagespflegekinder erstaunlich schnell selbstständig sind, etwa bei der Sauberkeitserziehung.

Die schöne und vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern muss den nicht gerade üppigen Verdienst wettmachen: 4,95 Euro brutto zahlt der Kreis momentan pro Kind und Stunde. Dazu addieren sich monatlich 70 Euro Essensgeld. Der Arbeitgeber übernimmt für die selbstständig tätige Tagesmutter je die Hälfte der Renten- und Krankenversicherung, die Unfallversicherung komplett. Pro Jahr stehen ihr 30 Tage bezahlter Urlaub zu. Kommt das Kind aus Mainhausen, spendiert die Gemeinde 100 Euro pro Kind und Tagesmutter für Bastelmaterial. Rita Haßmüller hat sich mit diesen Konditionen arrangiert und denkt noch lange nicht ans Aufhören: „Ich habe Anmeldungen bis ins Jahr 2019.“  Die Gemeinde Mainhausen plant für Dienstag, 7. März, eine Informationsveranstaltung zum Thema „Kindertagespflege“; Uhrzeit und Ort werden noch bekannt gegeben. Am 21. April beginnt ein neuer Qualifizierungskurs. Information und Kontakt: c.franzel@mainhausen.de.

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