Geheimnisse ausgeplaudert

Gemeindevertreter tagen nur 28 Minuten

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Mainhausen - Rund 28 Minuten dauerte der öffentliche Teil der ersten Gemeindevertretersitzung des Jahres am Dienstagabend im Bürgerhaus Mainflingen. Beschlossen haben die Kommunalpolitiker praktisch nichts. Von Oliver Signus

Dafür sahen sich die Volksvertreter von einer Wolke des Vergessens zart umhüllt. Wer kennt sie nicht, die beiden putzigen Zeichentrick-Schweinchen Piggeldy und Frederick, die seit Jahrzehnten mit ihren launigen Kurzgeschichten im „Sandmännchen“ Generationen von Kindern das Zubettgehen versüßen? Die Folgen beginnen stets damit, dass der wissbegierige Piggeldy vom großen Bruder einen Begriff erklärt haben möchte. „Frederick, was ist Vergessen?“ lautete einst eine Frage. „Nichts leichter als das“, war die (immer wiederkehrende) Erwiderung des Großen. In der Sitzung der Gemeindevertreter gab es gleich mehrere Antworten darauf.

So kritisierte CDU-Fraktionsvorsitzender Dietrich Egner die Verwaltung, weil sie Unterlagen zur Sitzung zu spät zugeschickt habe. In der Verwaltung habe man wohl vergessen, dass zwei weibliche Fraktionsmitglieder keinen Computer besäßen und daher die zugestellte CD mit einem Abschlussbericht des Kreises Offenbach nicht hätten lesen können. Im Verlauf der Diskussionen stellte sich jedoch heraus, dass die Verwaltung die Post bereits am 3. Dezember auf den Weg gebracht hatte. Sieben Wochen müssten ausreichen, um bei der Gemeinde auf das Versäumnis hinzuweisen, befand SPD-Fraktionschef Kai Gerfelder, und Bürgermeisterin Ruth Disser versicherte, dass die Verwaltung das auf CD gebrannte 300-Seiten-Opus selbstverständlich auch ausgedruckt zugesandt hätte - hätte man nicht vergessen, dass es noch PC-freie Gemeindevertreter gibt.

Dennoch wanderte der umfangreiche Bericht, in dem es um die vom Landesrechnungshof veranlasste Prüfung der „Konsolidierung des Kreises“ geht, in die Mainhausen miteinbezogen war, zur weiteren Diskussion in den Fachausschuss. Dort landete auch der Bebauungsplan „Nördlich der Seen“, weil Ruth Disser vergessen hatte, der Drucksache einen Plan hinzuzufügen. Damit sich die Gemeindevertreter nun ein Bild machen können, wird der Plan also nachgereicht.

Das Vergessen machte sich auch in der Diskussion um den nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt, in dem es um die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes ging, breit. UWG-Fraktionschef Manfred Stolz kritisierte, dass die Anregung zwar von einem Mainhausener komme, unter dem Aspekt der Bürgerbeteiligung für den Haushalt 2014 aber falsch eingeordnet sei. Gemeindevertretervorsteher Dieter Jahn unterbrach die Ausführungen mit dem Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit der Drucksache - der Name der zu ehrenden Person dürfe nicht fallen.

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Stolz versicherte, dass es ihm nur darum gehe, dass der Antrag in den öffentlichen Teil der Tagesordnung übertragen werde, fuhr fort mit seinen Ausführungen, erklärte, dass Bürger kein Antragsrecht hätten „und mit Herrn Jahn kein Präzedenzfall geschaffen werden darf“. Da war er raus, der Name, der dann noch ein oder zwei Mal fiel. Den Antrag auf Diskussion in der öffentlichen Sitzung lehnte die SPD-Fraktion ab, so dass alle Besucher sowie die UWG-Fraktion (wie angekündigt) den Saal verließen.

Im Foyer sah man dann einige lächelnde Gesichter, die sich darüber amüsierten, dass Stolz im Eifer des Gefechts vergessen hatte, dass Dieter Jahn im Zusammenhang mit der Verleihung des Ehrenbürgerrechts nicht hätte genannt werden dürfen.

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