Gedenktafel im Wald bei Zellhausen enthüllt

Geschichts- und Heimatverein Mainhausen erinnert an grausame Tat

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Norbert Wolf (Mitte), Norbert Hesse (rechts) und Klaus Heng vor der neuen Gedenktafel. 

Im Wald kurz vor den Wiesen bei Zellhausen befindet sich die Stelle, an der die 13-jährige Schülerin Frieda Weih am 4. August 1906 brutal ermordet wurde. 

Ostkreis – Wie berichtet, ergriff der Geschichts- und Heimatverein Mainhausen (GHV) die Initiative, die Erinnerung an dieses ebenso grausame wie unverständliche Verbrechen wachzuhalten. Die hölzerne Gedenktafel, die praktisch unleserlich geworden war, sollte ersetzt werden: durch eine neue, witterungsbeständige Tafel aus massivem Eichenholz mit einem Metalldächlein und neuer Schrift.

Unter Federführung von Norbert Wolf aus Zellhausen wurde die Enthüllung der neuen Tafel am Samstag vor mehr als 30 interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus der Umgebung vorgenommen. „Wir freuen uns über das von der Öffentlichkeit gezeigte Interesse an diesem Gedenken, als Zeichen von Respekt und Betroffenheit vor dem erlittenen Leid des Opfers und seiner Angehörigen“, bekundete Wolf, der detaillierte Erläuterungen über die zum Teil aus seinem familiären Umfeld überlieferten Kenntnisse zum damaligen Geschehen gab. „Ein bisschen fühlt sich das an wie aus einem Kriminalroman“, brachte einer der Interessenten seine Bestürzung zum Ausdruck. Die Informationen zum damaligen Ereignis sind jedoch weitgehend authentisch.

Der Täter war trotz intensiver und lang anhaltender Suche durch die Behörden im damaligen Großherzogtum Darmstadt nie gefasst worden, was auch mit den eingeschränkten ermittlungstechnischen Möglichkeiten vor über 100 Jahren zusammenhing. Dies obwohl der Tatort nahe an der damals schon recht belebten Landstraße nach Seligenstadt und Offenbach lag, die es seit Anfang der 1830er Jahre gab. Erst Jahrzehnte später erreichte das Bistum Mainz und damit auch die katholische Pfarrgemeinde Sankt Wendelinus Zellhausen aus den USA der Hinweis auf den Täter. Übermittelt wurde, dass ein aus dem Ostkreis stammender Geistlicher in Amerika auf seinem Sterbebett gestanden habe, vor seiner Auswanderung der Peiniger und Mörder des jungen Mädchens gewesen zu sein. Dafür musste er sich jedoch vor keinem irdischen Gericht mehr verantworten.

An der Aufarbeitung und Umsetzung des Themas waren vonseiten des GHV beteiligt: Peter Wolf, der Quellen im Seligenstädter Stadtarchiv erschloss, Norbert Wolf als Organisator sowie Norbert Hesse aus Mainflingen und Klaus Heng aus Klein-Welzheim, die für die handwerklich-künstlerische Umsetzung verantwortlich zeichneten. Außerdem Klaus Krohmann aus Wiesbaden-Medenbach, der ebenso fachmännisch die der Originaltafel nachempfundene Gedenkschrift in der damals gebräuchlichen Rechtschreibung und Formulierung eingebrannt hat.

Alle Beteiligten waren persönlich anwesend und wurden mit viel Beifall für ihre Mühe bedacht. Ansätze für die Ermittlung weiterer Details zum Täter sind gegeben. Sofern gesicherte neue Erkenntnisse für die Öffentlichkeit interessant sind, will der Geschichtsverein das Thema noch einmal aufgreifen.

Von ofmhofman

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