Neue Mitbewohner aus Eritrea

Häuslicher Frieden in Unterkunft in Gefahr?

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In einer der Wohnungen über dem Bürgerhaus-Restaurant in Zellhausen leben derzeit acht afghanische Flüchtlinge.  

Mainhausen - Weil die Gemeinde zwei Flüchtlinge aus Eritrea in eine Unterkunft verlegen will, in der acht junge Afghanen leben, fürchten die Betreuer um den häuslichen Frieden. Bürgermeisterin Ruth Disser sieht allerdings keine andere Möglichkeit. Von Oliver Signus 

Seit längerer Zeit leben in einer Wohnung in der Zellhausener Rheinstraße acht junge Flüchtlinge aus Afghanistan. Nun fürchtet die Mainhausenerin Gabriele Muth, die die Männer betreut, um den häuslichen Frieden. Die Wohnung sei mit rund 100 Quadratmetern ohnehin schon sehr beengt, dennoch plane die Gemeinde nun zwei Eritreer dort unterzubringen.
Bürgermeisterin Ruth Disser begründet diesen Schritt damit, dass die Wohnung an der Babenhäuser Straße, in der die Männer derzeit noch leben, auf Grund erheblicher baulicher Mängel (Schimmel, etc.) nicht zumutbar sei. Daher habe die Gemeinde den Mietvertrag gekündigt. 1800 Euro Miete werde die Gemeinde dadurch sparen. „Das sind Steuergelder“, erinnert Disser.

Gabriele Muth und Klaus Sulzmann, der sich ebenfalls um Flüchtlinge kümmert und ihnen die deutsche Sprache beibringt, kritisieren, dass die Wohnung viel zu klein für so viele Menschen sei. Ursprünglich sollte die Wohnung lediglich mit sechs Personen belegt werden. Weil es aber 2015 wegen der massiv angestiegenen Flüchtlingszahlen Engpässe bei der Unterbringung gegeben habe, habe man sich auf eine vorübergehende Erhöhung bei der Belegung geeinigt. „Das Zusammenleben der Afghanen in der Rheinstraße hat in den vergangenen Jahren nur so gut funktioniert, weil es sich um eine homogene Gruppe handelte, die sich selbst als Familie ansieht“, sagen Sulzmann und Muth. Die acht jungen Männer hätten sich die Wohnung nett eingerichtet, einigermaßen gut erhaltene Möbel vom Sperrmüll geholt und gemeinsam einen Teppich für den größten Raum, den sie als Wohnzimmer nutzen, gekauft.

Diesen Frieden sehen sie durch die künftigen Mitbewohner gefährdet. Auch bemängeln sie, dass es in der Wohnung lediglich ein Badezimmer gibt. Da die jungen Männer zum Teil arbeiten und morgens zur selben Zeit aufstehen müssten, führe das jetzt schon zu Engpässen. Auch aus hygienischen Gründen sei eine Erhöhung der Bewohnerzahl abzulehnen.

Bilder: Einblicke in die Notunterkunft in Mainhausen

Sulzmann kritisiert auch, dass die Gemeinde bereits seit einem Jahr gewusst habe, dass sie die Unterkunft in der Babenhäuser Straße aufgeben werde - Zeit genug, um sich nach etwas passendem umzusehen.

Bürgermeisterin Ruth Disser hält den Ausführungen entgegen, dass die Wohnung seit ihrer Inbetriebnahme mit zehn Personen belegt war und alle notwendigen Voraussetzungen erfülle. Auch habe man bei der Wahl der künftigen Mitbewohner darauf geachtet, dass es einigermaßen passe. Die beiden Eritreer seien umgänglich und ohnehin den ganzen Tag arbeiten. Sie sind als Asylbewerber anerkannt und auf Wohnungssuche, führt die Bürgermeisterin weiter aus. Die gestalte sich aber als sehr schwierig, „Wir helfen bei der Suche, und wir können die Leute ja nicht einfach auf die Straße setzen.“ Man bemühe sich weiter, und sollte man bis zum geplanten Umzugstermin im Oktober oder November fündig geworden sein, dann sehe die Situation ohnehin wieder anders aus, so die Bürgermeisterin abschließend.

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