„Sankt Kilianus“ im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen

Hinweis auf Glockenweihe vor 70 Jahren entdeckt

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Der Kirchturm von Sankt Kilian, heute die sichere Herberge der Glocken.

Mainflingen - Die Glockenweihe „im katholischen Pfarrdorf Mainflingen“ jährt sich zum Jahreswechsel 2017/18 zum 70. Mal. Das geht aus einer Mitteilung des damaligen Pfarrers Karl Lucas im Pfarrblatt aus der Adventszeit 1947 hervor.

Aufmerksame Bürger entdeckten in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Heimatverein Mainhausen dieser Tage den für die Gemeinde Sankt Kilian erfreulichen Sachverhalt. Demnach waren die schon 1906 von den Brüdern Hamm in Frankenthal gegossenen Glocken mit ihrem melodischen Dreiklang F-G-A weit über Mainflingens Ortsgrenzen hinaus deutlich zu vernehmen. Zu Ehren der Gottesmutter Maria, des Kirchenpatrons Sankt Kilianus und der Sterbepatronin Sankt Margaretha taten sie Jahrzehnte lang unbehelligt ihren Dienst. Gespendet worden waren sie einst von Pfarrer Dr. Wilhelm Franzmathes und Domkapitular Weber.

Nur der heftige Widerstand des damaligen Pfarrers Hugo Holzamer und des Domkapellmeisters Vogt verhinderten, dass die Glocken schon im Ersten Weltkrieg zur Waffenproduktion eingeschmolzen wurden. Im Zweiten Weltkrieg jedoch mussten die Mainflinger – trotz heftiger Gegenwehr – am „weißen Montag“ 1942 die beiden großen Glocken wehmütig ziehen lassen. Der Materialnachschub für die Waffenproduktion hatte sie als grausamen Tribut unerbittlich eingefordert. Für die Glocke „Sankt Kilianus“ sollte es ein Abschied für immer werden, sie wurde tatsächlich eingeschmolzen. Die Schwesternglocke zu Ehren Mariens wurde jedoch nach Kriegsende durch eine glückliche Fügung in einem Hamburger Lager entdeckt und kehrte im Sommer 1947 auf ihren alten Platz im Mainflinger Kirchturm zurück. Erstmals nach ihrer Rettung läutete sie zum Christkönigsfest im Herbst.

Mainflingens Gläubige, die dieses „Zeichen der Hoffnung“ in schweren Zeiten sehr positiv berührt hatte, wollten künftig wieder alle vier Glockenplätze des Kirchturms ausgefüllt wissen. So sammelten Messdiener-Buben im Ort eifrig mit Handwägelchen Kupfer- und Zinnüberbleibsel. Fündig wurden sie auch auf dem Gelände des alten Wehrmachtsflugplatzes außerhalb des Dorfes. Den Rest der benötigten zehn Zentner Kupfer und drei Zentner Zinn kaufte man hinzu. Die Firma Fritz Rincker aus dem Lahn-Dill-Kreis goss die beiden Glocken. Es reichte sogar noch für eine zusätzliche kleine Glocke für eine von Pfarrer Lucas unterstützte Pfarrgemeinde in Vielbrunn im Odenwald.

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In Mainflingen gesellte sich zum alten Dreiklang F-G-A das harmonisch rundende C der neuen kleineren Glocke zu Ehren des anderen Schutzpatrons, des Heiligen Sebastianus. So tut diese bis heute neben der Glocke der Sterbepatronin Sankt Margaretha und über den beiden großen Glocken ihren Dienst – also über der zurückgekehrten Glocke zu Ehren der Gottesmutter Maria und der neu gegossenen zu Ehren von Sankt Kilian.

Die Weihe dieser vier Glocken durch den Geistlichen Rat Philipp Lambert aus Seligenstadt fand am 14. Dezember 1947 unter freudiger Anteilnahme der Bevölkerung statt. Viele ältere Mainflinger können sich noch an diesen besonderen Tag in ihrer Kindheit erinnern. Der damalige Pfarrer Karl Lucas fand dazu die Worte: „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“ Heimatdichter Karl Steil senior widmete der Glockenweihe eigens ein Gedicht. Er sah zum Jahreswechsel 1947/48 eine Epoche des Friedens eingeläutet: „Mög‘ das Opfer ihrer Treue nicht umsonst für uns bestehen. Lernen wir den Hass verachten, lernen besser Liebe säen!“ (tku)

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