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Holzwirtschaft: Kommunen planen Zusammenschluss

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Die Sicherstellung ihrer Holzvermarktung treibt viele Kommunen nach dem Kartellentscheid an. Die Lösung könnte eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) sein, für die die Kreise Darmstadt und Dieburg derzeit die Grundlage schaffen.

Ostkreis – Weil die Kartellbehörden dem Landesbetrieb „Hessen-Forst“ die Vermarktung von Holz mit Wirkung zum 1. Januar 2019 untersagt haben - geklagt hatte die Holzindustrie in Baden-Württemberg - wollen auch die Kommunen im Kreis Offenbach sicherheitshalber neue Wege gehen.

Federführend bei der Neustrukturierung der Holzvermarktung ist Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser (SPD) - aus gutem Grund: Sie verfügt über Kontakte zum Landkreis Darmstadt-Dieburg, mit dem die Kreiskommunen eine Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) gründen wollen, um den Holzverkauf selbst zu organisieren.

Kontakte hat Ruth Disser auch zu Groß-Bieberaus Bürgermeister Edgar Buchwald. Dissers Amtskollege und Parteifreund war mehr als 30 Jahre bei den Forstämtern Beerfelden und Michelstadt sowie beim Regierungspräsidium in gehobener Position beschäftigt und gilt als ausgewiesener Fachmann in Sachen Wald.

Bei der Vorgehensweise orientieren sich die beiden Landkreise am Rheingau-Tanus-Kreis, der diese Form der Vermarktung bereits betreibt. Eine Evaluierung sei dort bereits fortgeschritten, auch fanden Vorprüfungen statt, die für den Landkreis Darmstadt-Dieburg sowie die Stadt Darmstadt bereits eine Grundlage bildeten. Eine AöR-Satzung ermöglicht durch ihre Zweckbeschreibung ein modulhaftes Angebot, einmal nur Holzverkauf (zum Beispiel für die, die bei Hessen Forst bleiben oder eigene kommunale Förster beschäftigen wollen), zum anderen zum Holzverkauf auch die Dienstleistung für die Beförsterung. Das Forst- und Holzkontor AöR würde eigenes Personal beschäftigen oder Dienstleistungen ausschreiben sowie Büroräume, Fahrzeuge und eine entsprechende Ausstattung vorhalten.

Es sei davon auszugehen, dass neben einem bevollmächtigten Geschäftsführer ein bis zwei forstlich oder holzwirtschaftlich ausgebildete Mitarbeiter sowie bis zu zwei Verwaltungsmitarbeiter benötigt würden. Die Kosten dafür seien zu evaluieren. Der Rheingau-Taunus-Kreis beschäftigte neben dem Geschäftsführer vier Mitarbeiter, allerdings sei die zum Verkauf stehende Holzmenge um 50 Prozent höher. Die Kosten würden über Beiträge der beteiligten Kommunen je verkauftem Festmeter (FM) finanziert. An Hessen Forst war bislang 2,50 Euro je Festmeter zu zahlen, da dieser Betrag nun für die neue Struktur verwendet werden kann, sei nach derzeitigem Planungsstand nicht mit Mehrkosten für die Kommunen zu rechnen.

Warum uns die Natur so gut tut

Laut Ruth Disser erwirtschaften die Kreise Darmstadt-Dieburg und Offenbach gemeinsam knapp 110. 000 Festmeter, auf Mainhausen, das über 443 Hektar forstbetriebliche Fläche verfügt, entfallen nur rund 1 550 Festmeter. Daher habe sich ein Zusammenschluss angeboten, „um als Marktpartner wahrgenommen zu werden“. Die Erlöse aus dem Verkauf kommen den jeweiligen Kommunen zu Gute. Geprüft wurden im Vorfeld auch andere Organisationsstrukturen, unter anderem eine Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) oder eine GmbH. Diese Möglichkeiten wurden aber aus verschiedenen Gründen verworfen.

Reagiert haben auch die Stadt Seligenstadt und die Gemeinde Hainburg. Nach Angaben von Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) existiert bereits eine öffentliche Vorlage des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung („Zukunft der Holzvermarktung und Waldbetreuung des Stadtwaldes“), die am 4. Februar tagt. Inhalt: Die Stadt Seligenstadt möchte sich der Anstalt öffentlichen Rechts im Kreis Darmstadt-Dieburg anschließen, denn auch die Einhardstadt strebe bei der Holzvermarktung „eine möglichst große Einheit“ an. Allerdings: Die forstliche Dienstleistung bis zum Holzverkauf kann dem Vernehmen nach bei Hessen Forst bleiben (Waldwirtschaftsplanung, Beförsterung, Waldwegebau). „Hier werden Schnittstellenprobleme prognostiziert.“

Als Waldbesitzerin verfügt die Stadt Seligenstadt über eine Betriebsfläche von rund 960 Hektar. Für das laufende Jahr ist ein Holzeinschlag von 3590 Festmeter geplant, für 2018 stehen 3 795 Festmeter zu Buche.

Auch in der Nachbargemeinde Hainburg (geplant: rund 2300 Festmeter) geht eine Beschlussvorlage in die parlamentarische Diskussion. Tenor: „Zur Sicherstellung der Holzvermarktung und Schaffung von Betreuungsoptionen“ soll eine eigene gemeinsame Organisation ins Leben gerufen werden, also: Beitritt zur AöR Darmstadt/Dieburg. Die Entscheidung dürfte in der nächsten Gemeindevertretersitzung am Montag, 11. Februar, fallen. (sig/mho)

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