BILANZ Reuters Zeit als Chef im Rathaus Mainhausen geht zu Ende

„Ich betrachte das als Privileg“

Torsten Reuter ist ab 1. Januar wieder ausschließlich Erster Beigeordneter.
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Torsten Reuter ist ab 1. Januar wieder ausschließlich Erster Beigeordneter.

Mainhausen – Gut 16 Monate führte Mainhausens Erster Beigeordneter Torsten Reuter (SPD) die Amtsgeschäfte für die erkrankte Ex-Bürgermeisterin Ruth Disser. Nachdem sein Parteifreund Frank Simon kürzlich zum neuen Rathauschef gewählt wurde, endet Reuters Arbeit in der Verwaltung zum Jahresende. Im Interview zieht er Bilanz. Die Fragen stellte Oliver Signus.

Herr Reuter, die doppelte Belastung als Geschäftsführer und als Vertretung von Bürgermeisterin Ruth Disser endet mit Jahresbeginn. Was werden Sie als Erstes machen, wenn Sie wieder mehr Zeit haben?

Wegen der Herausforderungen in diesem Jahr bleibt mir ziemlich viel Jahresurlaub, den ich über die Feiertage gut nutzen kann. Mit etwas Glück bleiben diese Tage ruhig und entspannt, bevor Frank Simon am 1. Januar übernimmt. Einen Teil der wiedergewonnenen Zeit möchte ich in meine Vorstandsarbeit mit Frank und den anstehenden Kommunalwahlkampf stecken, mittelfristig in die weitere Digitalisierung der Verwaltung. Der Rest geht in meine Freizeit.

Ihr Wirken als Verwaltungschef ist allseits sehr wertgeschätzt worden. Was haben Sie in der Zeit gelernt, das Sie in der Fraktion effektiv einsetzen können?

Die Besonderheiten der Verwaltung über alle Fachbereiche hinweg genauer zu kennen ist im Gemeindevorstand wie in der Fraktion sehr hilfreich. Außerdem habe ich beide Seiten des Schreibtischs gesehen und kann dazu beitragen, den Informationstransfer wechselseitig zu unterstützen. So kann ich mir beispielsweise vorstellen, die schwierige Thematik Haushalt anschaulicher und verständlicher darzustellen. Für die Zusammenarbeit im Gemeindevorstand habe ich ebenfalls einige Änderungsvorschläge. Diese möchte ich natürlich zunächst mit Frank Simon als Verantwortlichem besprechen.

Welche Erfahrungen, positive wie negative, haben Sie in den vergangenen 16 Monaten gemacht?

Schwierig waren und bleiben für mich die quälend langen Laufzeiten bei behördlichen Projekten sowie die Komplexität der Kommunikation mit den Beteiligten. Auch wenn Kommunalpolitik und Verwaltung spezielle Prozesse erfordern: Da hätte ich mir an manchen Stellen mehr Spielraum und Entscheidungsfreiheit, verbunden mit der notwendigen Verantwortung und Konsequenz, gewünscht.

Positiv war vor allem der Zuspruch aus der Bevölkerung und die ausgesprochen flexible Reaktion der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung. Zwar konnte ich seit April einen vollständigen Tag pro Woche im Rathaus arbeiten, aber die Zusammenarbeit während der übrigen Woche am frühen Morgen und per Online-Kommunikation während des restlichen Tages war für alle Beteiligten neu und eine gravierende Umstellung. Andererseits war es eine sehr gute Vorbereitung auf das, was dann durch Corona auf uns zukam.

Sie wirken stets ruhig, gelassen und souverän. Gab es Momente, in denen Sie auch an persönliche Grenzen kamen?

An persönliche Grenzen zu kommen hätte ich nicht zugelassen, sondern vorher abgebremst. Glücklicherweise war das nicht notwendig.

Was haben Sie getan, um sich physisch und psychisch im Gleichgewicht zu halten?

Dass ein einigermaßen gesunder Lebenswandel in solchen Umständen hilfreich ist, hat sich herumgesprochen. Wie an anderer Stelle schon gesagt, ist auch ein stabiles familiäres Umfeld wichtig und ausgleichend. Kenner von „House of Cards“ wissen außerdem, wie Francis Underwood sich sportlich betätigt hat. Diese Idee habe ich übernommen. (Dabei geht es um ein Rudergerät, Anm. d. Red.)

Wie fällt Ihr persönliches Resümee aus 16 Monaten als Stellvertreter im Rathaus aus?

Die vergangenen 16 Monate boten mir Gelegenheit, in der freien Wirtschaft und gleichzeitig als Chef der öffentlichen Verwaltung meiner Heimatgemeinde wirken zu dürfen. Das betrachte ich als Privileg. Zwar war die Zeit sehr anstrengend, aber auch verbunden mit Erfahrungen und Erlebnissen, die ich nicht missen möchte.

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