Interview mit Ruth Disser

„Schritt für Schritt zum Ziel“

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Ruth Disser

Mainhausen - Bürgermeisterin Ruth Disser ist heute exakt zehn Jahre im Amt. Anlass genug für Rückblick und Vorschau:.

Frau Disser, Sie sind nun zehn Jahre Bürgermeisterin. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus? 

Positiv! Es konnte für Mainhausen viel erreicht und vieles zum Abschluss gebracht werden. Das kann man sehen, wenn man mit offenen Augen durch die Gemeinde geht. Nach meiner Auffassung hat sich Mainhausen in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und ich will, dass diese Entwicklung weitergeht.

Welche Entscheidung war die unpopulärste, die Sie getroffen haben, bzw. umsetzen mussten, welche die populärste? 

Die unpopulärste Entscheidung war auch sicher die Entscheidung, die mir selbst am schwersten gefallen ist. Der Vorschlag, zur Haushaltskonsolidierung Spielplätze zu verkaufen, hat mir sehr viel Kopfzerbrechen bereitet. Trotzdem halte ich diese Entscheidung nach wie vor für richtig.

Populäre Entscheidungen sind immer die Entscheidungen, die etwas geben und nicht nehmen. Für mich selbst hatte die Kinderbetreuung immer eine hohe Priorität. Die Ausweitung der Betreuungszeiten an den Kitas und die Aktivitäten an den Grundschulen in Mainhausen waren am wichtigsten. Hier insbesondere der Neubau in Zellhausen, die Sanierung in Mainflingen und der Bau der Betreuungsräume an beiden Schulen. Eine hohe finanzielle Beteiligung der Gemeinde war gerade bei der Schaffung von Räumen für die Schülerbetreuung erforderlich. Mit diesen Maßnahmen haben wir Zukunftsweisendes geschaffen und sind meines Erachtens auf einem richtig guten Weg zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur Stärkung des Standortes Mainhausen.

Was hätten Sie gerne schneller geändert bzw. würden Sie gerne schneller verändern? 

Zwischenzeitlich habe ich recht gut gelernt, dass alles einfach seine Zeit braucht. Allerdings bin ich sehr ungeduldig und muss mich selbst oft bremsen. Meine mir angeeignete Geduld wird bei manchen Verfahren allerdings sehr strapaziert. Vor allem bei Dingen, die nicht alleine in der Zuständigkeit der Gemeinde liegen. Ich denke hier speziell an Bauleitverfahren, wie zum Beispiel die Erweiterung des Gewerbegebietes in Zellhausen oder an die lange Wartezeit auf die Fußgängerampel an der Grundschule in Zellhausen, für die wir gemeinsam so lange kämpften.

Wie beurteilen sie die Veränderung der politischen Landschaft in Mainhausen seit Ihrem Amtsantritt? 

In den ersten sechs Jahren hat der politische Umgang dazu geführt, dass sich der Ruf Mainhausens verschlechterte. Über die Berichte zu Sitzungen und über das stete „Draufhauen“ wurde anderenorts mehr als nur geschmunzelt: Diese Art des politischen Handelns hat damals sicher auch mögliche Investoren abgeschreckt.

Heute hat sich der Stil des politischen Umgangs doch geändert, was auch mit der Veränderung der Mehrheitsverhältnisse zu tun hat. Wobei die Mehrheitsfindung manchmal auch heute nicht einfach ist. Wer glaubt, die SPD-Fraktion würde alles schlucken, was die Bürgermeisterin will, irrt gewaltig. Wir diskutieren intensiv und haben dabei nicht immer Samthandschuhe an. Aber wir treffen letztlich gemeinsam Entscheidungen, auch wenn diese mal unbequem sind. Das gehört zur Politik dazu, und oftmals vermisse ich in der „großen“ Politik ähnlich konsequentes Handeln. Und weil das in Mainhausen anders ist, bin ich sehr stolz darauf der örtlichen SPD anzugehören.

Die Kommunen stöhnen unter der Abgabenlast an die Kreise. Welche Möglichkeiten der zusätzlichen Einnahmen sehen Sie für Mainhausen noch während Ihrer jetzigen Amtszeit? 

Schon bei der Einbringung des Haushaltes 2014 habe ich gesagt, für mich ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Das betrifft Ausgabenkürzungen ebenso wie Steuererhöhungen. Natürlich besteht immer die Möglichkeit an der Steuerschraube zu drehen. Aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass Mehrbelastungen der Bürger durch höhere Steuern immer nur letztes Mittel sind. Ich halte dies auch gar nicht für notwendig. Wenn wir uns die Zahlen objektiv und unter rein sachlichen Erwägungen (…) anschauen, ist Mainhausen auf einem sehr guten Weg. Die Konsolidierungsmaßnahmen greifen, und wenn die begonnen Planungen, zum Beispiel für das Gewerbegebiet, umgesetzt werden können, ist auch hier mit Mehreinnahmen zu rechnen.

Einschränken möchte ich aber bei den Gebühren, zum Beispiel für Wasser, Abwasser und Abfall. Diese müssen auch künftig kostendeckend weitergegeben werden, was Erhöhungen leider nicht ganz ausschließt.

Als Bürgermeisterin haben sie jede Menge Termine wahrzunehmen, freie Wochenenden gibt es höchstens im Urlaub. Ist Ihnen das nicht manchmal zu viel? 

Gegenfrage: Wenn bei Ihnen morgens der Wecker klingelt, sind Sie immer hocherfreut? Ich liebe den Beruf der Bürgermeisterin und ich brauche die vielen unterschiedlichen Termine und den Kontakt zu den Menschen. Aber es gibt auch Tage, an denen mir andere schöne Dinge einfallen würden. Vor allem an den Wochenenden, an denen auch mein Mann mal frei hat und zu Hause ist. Das ist nur jedes dritte Wochenende der Fall.

Ganz ehrlich: Was war der größte Fehler, den Sie als Bürgermeisterin gemacht haben? 

Meinen größten Fehler habe ich sicher in der ersten Amtszeit gemacht. Ich habe mich aufreiben lassen, von den Beschimpfungen und Angriffen immer wieder in die Rechtfertigungsecke drücken lassen. Da habe ich eindeutig viel zu viel Kraft und Energie für Unnötiges geopfert. Heute glaube ich, dass ich mich selbst recht gut gefunden habe. Heute kann ich gut mal Gerüchte eben nur Gerüchte sein lassen, ohne gleich darauf zu reagieren. Es ist oft ganz nett festzustellen, was andere wissen oder zu wissen glauben und wie sich manches dann einfach in Schall und Rauch auflöst.

Die zweite Amtszeit neigt sich schon langsam dem Ende zu. Können die Mainhausener mit Ihrer erneuten Kandidatur rechnen? 

Noch etwas, was ein ungeduldiger Mensch lernen musste: Schritt für Schritt kommt man zum Ziel. Die Frage stellt sich heute noch nicht. Meine Amtszeit geht bis zum 31. Januar .2016. Gegen Ende dieses Jahres werde ich eine Entscheidung treffen und diese dann auch sehr intensiv mit meiner Partei, also mit der SPD vor Ort, beraten.

Nennen Sie drei Ziele, die Sie während Ihrer Amtszeit noch realisieren möchten. 

Die Erschließung des erweiterten Gewerbegebietes in Zellhausen und die Umwandlung des manroland-Geländes stehen an oberster Stelle. Ein großer Wunsch wäre die Sanierung des Bürgerhauses in Zellhausen. Hiermit möchte ich gern im nächsten Jahr beginnen, wenn es die Finanzplanung zulässt. 

(sig)

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