Schloss und Stuckert treten aus Mainhausens CDU-Fraktion aus

Kein Licht am Ende des Tunnels

Alexander Schloss: Reißleine gezogen.
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Alexander Schloss: Reißleine gezogen.

Mainhausen – Die jahrelangen Querelen innerhalb der Mainhausener CDU-Fraktion haben mit dem Austritt von Anna-Maria Stuckert und Alexander Schloss einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem der frühere Fraktionsvorsitzende Johannes Wegstein im Juni vergangenen Jahres ebenfalls aus Fraktion sowie aus der Partei ausgetreten ist, hat sich die Fraktion mittlerweile halbiert. Mit nur noch drei Abgeordneten ist die Union nach SPD (15) und UWG (4) nur noch drittstärkste Kraft in der Gemeindevertretung (FDP: 2; fraktionslos: 3).

Alexander Schloss nennt unter anderem verkrustete Strukturen als Grund für seinen und Stuckerts Rückzug. Mit der Mainhausener CDU gehe es nicht vorwärts, „da gibt es für mich keine Zukunft“, begründete er seine Entscheidung. Er habe schlichtweg „kein Licht mehr am Ende des Tunnels gesehen, da musste ich die Reißleine ziehen“. Vor den Kommunalwahlen in Hessen 2016 sei innerhalb der Fraktion vereinbart worden, dass man wieder mit bekannten Gesichtern wie Johannes Wegstein, Dieter Stegmann oder Dietrich Egner ins Rennen gehen werde, um möglichst viele Stimmen zu sammeln. Im Laufe der Legislaturperiode sollten „die über 60-Jährigen“ sich dann zurückziehen und Platz für jüngere Nachrücker machen. Doch hätten sich Stegmann und Egner nicht an die Absprache gehalten, mit der Konsequenz, „dass alle Jungen nun weg sind“. Die „Alten“ beharrten auf ihren Sitzen und hätten einem Generationswechsel keine Chance gegeben, sagt Alexander Schloss. Mit Pascal Wunderlich ist ein einziger junger Abgeordneter Mitglied der Fraktion. „Der tut mir leid“, sagt Schloss.

Mit der Mainhausener CDU sei es daher weiter talwärts gegangen. Unterstützung hatte Schloss sich von der Kreis-CDU erhofft. Die habe ihn aber abblitzen lassen. „Dort hat man uns gesagt, wir sollten das unter uns ausmachen.“

Er sei müde, wolle sich für die Redebeiträge des Fraktionsvorsitzenden Dieter Stegmann auch nicht mehr „fremdschämen“, wenn dieser mit nicht abgestimmten Ausführungen vor der Gemeindevertretung stehe. Bis zu seinem Austritt habe Johannes Wegstein da noch „etwas lenken“ können. Schloss wirft Stegmann und Egner unflexibles Agieren vor nach dem Motto „Das war früher so, daher machen wir das heute auch so.“

Die anstehende Bürgermeisterwahl sei für den Fraktionsvorsitzenden Stegmann „nie ein Thema gewesen“. Die CDU hätte „den einen oder anderen Kandidaten“ gehabt, aber die hätten nun keine Lust mehr und seien alle weg.

Ob für ihn nach der Legislaturperiode Schluss sei mit der Kommunalpolitik, lässt Schloss noch offen. „Ich würde gerne in der CDU weiter machen, das muss man aber in Gesprächen klären.“

Fraktionsvorsitzender Dieter Stegmann möchte die Kritik so nicht im Raum stehen lassen. Natürlich seien er und auch Egner bereit, Platz für jüngere Nachfolger zu machen, doch hätten alle möglichen Aspiranten bislang aus Zeitgründen abgesagt. Schloss habe seinerzeit einige Mitglieder mit in die Partei gebracht, doch seien sie mittlerweile alle wieder ausgetreten. Nach dem Austritt von Schloss und Stuckert hofft Stegmann, „dass nun wieder Ruhe einkehrt“.

Er wirft beiden vor, in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht mehr an Fraktionssitzungen teilgenommen zu haben und in der Gemeindevertretung abgestimmt zu haben „wie sie wollten“. Auf Telefonate hätten sie nicht reagiert, E-Mails nicht beantwortet.

Sebastian Wurzel, seit vergangenem November Vorsitzender des Mainhausener CDU-Ortsvereins, dementierte Gerüchte, in denen von einem Auseinanderbrechen des Ortsvereins die Rede ist. Die Posten im Vorstand seien alle besetzt, auch wenn weniger Leute aktiv seien. Derzeit arbeite man daran, „die CDU wieder nach oben zu bringen“. Dies geschehe im Moment eher unauffällig, „aber wir werden wieder kommen“. Auf der Suche nach einem Bürgermeisterkandidaten sei man ebenfalls, da führten die Blicke in alle Richtungen, auch in andere Ortsverbände. Ob es am Ende gelinge, einen Gegenkandidaten für Frank Simon (SPD) ins Rennen zu schicken, der dieser Tage seine Kandidatur als Nachfolger von Ruth Disser ankündigte, könne er allerdings nicht sagen.

Von Oliver Signus

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