25 Jahre Brücke zwischen Hessen und Bayern

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Steg“

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Blick auf die Kilianusbrücke vom bayerischen Mainufer aus gesehen.  

Mainhausen - Vor 25 Jahren ist die Kilianusbrücke eingeweiht worden. Das Bauwerk führt zwischen Mainflingen und Karlstein über den Main. Bis zum Bau der Brücke war es seinerzeit ein steiniger Weg.

Die Gesamtkosten für die Brücke beliefen sich damals auf etwa 4,4 Millionen Mark, die Gemeinden Mainhausen und Karlstein sowie die Länder Hessen und Bayern waren jeweils mit Löwenanteilen an der Finanzierung beteiligt. Zum 25-jährigen Bestehen des Bauwerks hat der Geschichts- und Heimatverein Mainhausen sich des Themas angenommen, eine DVD zeigt Bauphasen und Einweihungsfeierlichkeiten. Der Film ist über den Vorsitzenden Dr. Ludwig Stenger erhältlich. Vor der Brücke gab es Jahrzehnte lang eine kleine Motorfähre, die Autos, Fahrräder und Fußgänger von Hessen nach Bayern beförderte. Die Autos nutzten schließlich immer mehr die Verbindung über die umliegenden Autobahnstrecken, insbesondere die A 45. Auch Tagesausflügler, Wanderer und Fahrradtouristen nahmen oft andere Möglichkeiten wahr, um den Main zu überqueren, so die umliegenden Schleusen oder benachbarte Fähren, wie die in Seligenstadt.

Der heilige Kilianus, im Hintergrund die gleichnamige Kirche.

Im Laufe der 80er Jahre war die Unterhaltung der Fähre für die Gemeinde Mainhausen mit immer höheren Fix- und Personalkosten verbunden, das finanzielle Defizit wuchs kräftig an. Betriebszeiteneinschränkung hieß dann das kommunalpolitische Zauberwort, aber die von der damaligen CDU-Mehrheitsfraktion im Gemeindeparlament beschlossene Verkürzung der Betriebszeiten sparte nicht nur Personal- und Energiekosten ein. Gleichzeitig nahm die Unsicherheit in der Bevölkerung zu, wann und zu welchen Uhrzeiten die Fähre denn überhaupt noch in Betrieb sei. Die genauen Zeiten konnten oder wollten sich viele nicht so recht merken. Die Initialzündung für einen Steg- oder Brückenbau ging bei weitem nicht nur von Kommunalpolitikern aus. Es waren Arbeitnehmer aus Mainflingen, „Eisenbähner“ und andere, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad über den Main wollten, um ab morgens um fünf Uhr an den Bahnhof in Dettingen zu gelangen. Von dort ging es weiter mit dem Zug nach Hanau oder Frankfurt zur Arbeit. Je nach Schichtende spätnachmittags oder abends das gleiche Spiel auf dem Rückweg, wo sie dem jeweiligen Fährmann das Zeichen zum „Holüber“ gaben.

Aufbau der neuen Carl-Ulrich-Brücke

Neue Carl-Ulrich-Brücke schwimmt

Viele waren also auf die Mainüberquerung bei Mainflingen täglich angewiesen. Es waren Bürger, wie Alfred Bergmann, Helmut Roth, Berthold Kuhn, Otto Löser, Hugo Walter, Hans Bergmann, Josef Roth junior und Burkard Roth, um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt Mainflingens Urgestein Karl Steil, der für die Brücke als einzige echte Alternative zur Fähre eintrat. Durch die jahrelange gemeinsame Planung und Umsetzung des Brückenbaus wurden die Bürgermeister von Mainhausen und Karlstein, Dieter Gröning und Helmut Winter, zu echten Freunden und durften sich später zurecht als „Väter des Brückenbaus“ feiern lassen. Sie trugen die Hauptlast der organisatorischen Vorbereitungsarbeit, kämpften um Genehmigungen und Zuschüsse. Bei der Einweihung war Gröning zu Recht mit Stolz erfüllt, trotz Unkenrufen und Widrigkeiten das Großprojekt für Mainhausen realisiert zu haben.

Ein jahrelanges politisches Gerangel auf beiden Seiten des Mains zwischen Wiesbaden und München war vorausgegangen – um Planungen und mögliche Zuschusshöhen für Mainhausen und Karlstein. Gemeindevertretersitzungen respektive Bürgerversammlungen zum Thema Fährzeiten und/oder Brückenbau arteten teilweise zu „Beleidigungsschlachten unter der Gürtellinie“ aus, besonders dann, wenn Parlamentarier Sachargumente für eine Dauerlösung zur Mainquerung (noch) von sich weisen wollten. Der Mainflinger Berthold Kuhn forderte in seinem letzten Leserbrief im Jahr 1985 in dieser Zeitung die verantwortlichen Kommunalpolitiker mit folgenden Worten zum raschen Handeln aufgefordert: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Steg!“ Als die ersten Mainflinger Bürger am 8. Juli 1989 endlich über die Kilianusbrücke laufen konnten, war der Verfasser schon mehr als drei Jahre lang verstorben. Der Betrieb der Mainfähre wurde vor der Brückeneinweihung nach einem letzten „Holüber“ eingestellt, das Schiff später verkauft.  

(tku)

„Einschwimmen" der Carl-Ulrich-Brücke

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