Kilianushaus in Mainflingen

Problem-Immobilie belastet die Kasse

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Problemfall Kilianushaus: Das Gebäude rechnet sich durch die hohen Kosten für die Bewirtschaftung nicht. Mit neuen Ideen will der Verwaltungsrat die Auslastung erhöhen und die Einnahmen steigern.

Mainflingen - Zum Jahrtausendwechsel war es eine Zukunftsvision: Das Kilianushaus galt als Gebäudekomplex, der mit mehreren unterschiedlich großen Sälen bzw. Seminarräumen den Ansprüchen einer modernen Pfarrgemeinde Rechnung trägt. Von Thilo Kuhn 

Dennoch brauen sich über dem Kilianushaus dunkle Wolken zusammen und treiben den Verantwortlichen der Pfarrgemeinde einige Sorgenfalten ins Gesicht. Der erste Eindruck ist trügerisch: Die schöne Lage mit Aussicht auf den Main, die Kilianusbrücke und den Spessart täuscht hinweg über die wirtschaftlichen Probleme des Gebäudes, die durch dessen Unterhaltung entstehen. Der Mainflinger Pfarrverwaltungsrat hat die Immobilie nun zur „Chefsache“ erklärt. „Wir müssen uns dringend etwas einfallen lassen“, sagt Pfarrer Bernhard Gugerel, seines Zeichens und kraft seines Amtes Vorsitzender des Herren-Gremiums, das ansonsten vom Pfarrgemeinderat gewählt wird. Sein Stellvertreter dort ist Joachim Knecht, Schriftführer Frank Kollmus. Bernd Knecht und Markus Frey komplettieren als Vertreter des Pfarrgemeinderates den Verwaltungsrat.

Der Pfarrverwaltungsrat von St. Kilian vor dem Kilianushaus (von links): Markus Frey, Pfarrer Bernhard Gugerel, Bernd Knecht, Joachim Knecht und Frank Kollmus.  

Der Grundstein für das Kilianushaus wurde 1999 gelegt, der Sanierungsbedarf ist inzwischen nicht unbeträchtlich. Knapp über 50.000 Euro jährlich stehen der Pfarrgemeinde Sankt Kilian für die Bewirtschaftung ihrer Gebäude (ohne Einrechnung des katholischen Kindergartens) durch einen Bistumszuschuss aus Mainz zur Verfügung. Dieser ergibt sich aus einem Punktesystem, das im Verhältnis zur Anzahl der Katholiken der Pfarrgemeinde und der Fläche der Immobilien errechnet wird. Von diesem Zuschuss frisst alleine das Kilianushaus jährlich mehr als 20.000 Euro durch laufende Kosten auf.

Der weitaus größte Brocken (über ein Drittel) geht für Energiekosten für elektrischen Strom und Heizung drauf. Die Reinigungskosten für die großen Glasflächen des Gebäudes schlagen jährlich mit über 700 Euro zu Buche. Hinzu kommen vor allem Hausmeisterkosten, die Rasenpflege und die Instandhaltung der Kücheneinrichtung. Eine eigentlich notwendige Instandhaltungsrücklage könne unter diesen Voraussetzungen nicht gebildet werden. Einnahmen generiert das Haus durch Vermietungen der Säle für private Feierlichkeiten – jedoch in überschaubarer und seit Jahren stagnierender Anzahl.

Die Baufinanzierung war einst gut durchgerechnet, das Haus bald schuldenfrei. Benefizveranstaltungen von Mainflinger Chören in der Kirche halfen in den ersten Jahren bei der Kostendeckung für Anschaffungen. Dadurch, dass das Thema nun öffentlich wird, will der Verwaltungsrat das Problem ins Bewusstsein der Gemeindemitglieder rücken. Findige Ideen sind gefragt. So geht es beispielsweise um die Frage, ob ein Catering bei Veranstaltungen als „Vollservice“ angeboten werden könnte. Bislang müssen die Mieter das individuell beauftragen, also sich selbst um die Organisation der Verpflegung kümmern. Ein Aufwand, durch den manche Familienfeier von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Der Wunsch nach einem solchen Vollservice ist also bei potenziellen Nutzern durchaus vorhanden.

Neben privaten Mietern nutzen Vereine und Organisationen das Gebäude, meist gegen kleinere freiwillige Spenden oder indirekte Unterstützung wie Arbeitseinsätze beim Pfarrfest. Für den katholischen Kirchenchor ist das Haus festes wöchentliches Probendomizil.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Ideen für eine bessere Kostendeckung nimmt der Pfarrverwaltungsrat gerne entgegen und prüft sie auf Effektivität und Umsetzungsmöglichkeiten. So soll sich die Öffentlichkeit am „Brainstorming“ beteiligen. Das Thema bleibt auf der Agenda, „vielleicht bewegt sich ja doch mal etwas“, gibt Pfarrer Bernhard Gugerel seiner Hoffnung Ausdruck. Im Moment jedoch „frühstücke“ das Kilianushaus das finanzielle Fundament für eine in nicht allzu ferner Zukunft anstehende Kirchenrenovierung. Und dies trotz des großen Einsatzes vieler Ehrenamtlicher aus der Pfarrgemeinde, die dazu beitragen, den Kostenaufwand zu minimieren.

Wer Interesse hat, das Kilianushaus für eine Veranstaltung anzumieten, erhält im Pfarrbüro unter 06182/3544 weitere Informationen. Auch auswärtige Mieter sind willkommen.

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