Kein Erschrecken über sich selbst

Kinderschänder-Prozess: Mann muss sechs Jahre ins Gefängnis

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Symbolbild

Darmstadt/Mainhausen - Mit einer Haftstrafe von sechs Jahren endete gestern die Verhandlung vor dem Landgericht gegen den Mainhausener D. (29) wegen Missbrauch der eigenen, Anstiftung zum Missbrauch fremder Kinder sowie Besitz von Kinderpornographie. Von Stefan Mangold 

Wie sich ein Leben als Kinderschänder anfühlen kann, lässt sich daran ermessen, wie der Verteidiger mit seinem Mandanten umgeht. Anwalt Christian Heinemann erwidert den Blick seines Mandaten nicht, geschweige denn gibt er ihm die Hand. Später wird Heinemann sich in seinem Plädoyer darauf konzentrieren, dass nicht D., sondern der „Kölner“ im Chat die treibende Kraft gewesen sei, um reale Treffen zum Missbrauch der Kinder anzuberaumen. Der Angeklagte habe das abgeblockt. Der schon verurteilte Kölner, der seine vier- und fünfjährigen Töchter von anderen Männern benutzen ließ, drängt in den über Monate geführten Dialogen mehrfach darauf, die Kinder zu tauschen. Der Angeklagte vertröstet oder weicht aus.

Richter Jens Aßling und die beisitzende Richterin Loßbrand lesen den Chatverlauf der beiden Väter vor. Diese degradieren ihre Söhne und Töchter zu Sexspielzeugen. Es wird diskutiert, wie es sich verhindern lasse, dass sich die Kinder den Müttern mitteilen. Als probates Mittel gelten Alkohol und Betäubungstropfen. Der psychiatrische Gutachter führt aus, der Angeklagte D. habe jenseits seiner pädophilen Neigungen funktioniert. Seine sexuelle Präferenz habe zu keiner Beeinträchtigung geführt. Der Gutachter kann „keine Persönlichkeits- und keine Intelligenzstörung“ feststellen. Was bedeutet: Der Angeklagte war bei den Missbrauchstaten Herr seiner Sinne.

„Sie folgten ihren Kopfentscheidungen“, führt Staatsanwältin Karin Ophaus in ihrem Plädoyer aus. Der Angeklagte habe seinen einjährigen Sohn nicht aus Lust missbraucht, sondern nur im Tausch gegen Bilder vom Missbrauch der Töchter seines Internetbekannten: „Sie stellten ihr sexuelles Interesse weit über das Wohl ihre Kindes.“ Zugute könnte man ihm nur halten, sein Kind nicht körperlich geschädigt zu haben. Jedoch habe er den Chatpartner aufgefordert, dessen vierjährige Tochter so zu missbrauchen, „wie es schlimmer nicht mehr geht“. Auf die Frage, was er gemacht hätte, wenn der Kölner der Weisung gefolgt wäre, habe er lediglich geantwortet: „Ich weiß es nicht“.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Ophaus fordert in Summe sechs Jahre Haft. Verteidiger Heinemann spricht von einem „sehr ausgewogenen Plädoyer“. Mit „fünf bis sechs Jahren“ schließt er sich an. Er betont die Therapiebedürftigkeit seines Mandanten. Auch Richter Aßling lobt das Anklageplädoyer, dem das Gericht inhaltlich weitgehend und im Strafmaß ganz folgt. Dem Angeklagten gibt er mit auf den Weg, er habe zwar alles gestanden, aber „was mir fehlt, ist ein Erschrecken über sich selbst“. Er empfiehlt ihm dringend, „sich in einer Therapie im Gefängnis auch damit auseinander zu setzen, wie weit sie noch gegangen wären“. Der Gedanke, seine Frau hätte später noch eine Tochter bekommen können, „der lässt uns schaudern“.

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