Tristan Schulz

Klavier-Talent überwindet Tumor-Erkrankung

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Besuch am Krankenbett: Michael Sadler (r.) und Jim Gilmour von Saga bei Tristan.

Mainhausen - Der OP-Bericht im Sommer 2011 begann mit der Frage „Ist Tristan Schulz ein Wunderkind?“ Der Zwölfjährige spielte damals nach Gehör Stücke der Gruppen Saga oder Supertramp auf dem Klavier - und das so toll, dass er mit den Rockprofis gemeinsam auf der Bühne stand. Von Thomas Hanel 

Fazit damals: Tristan ist ein Ausnahmetalent, kein Wunderkind, sondern ein normaler kleiner Junge. Doch hinter dem mittlerweile 15-Jährigen liegen schwere Zeiten. Es begann im Herbst 2012 mit Kopfschmerzen, Kribbeln in den Gliedmaßen, motorischen Schwierigkeiten, Sprach- und Sehstörungen. Niederschmetternde Diagnose des Aschaffenburger Kinderarztes: Bösartiger Hirntumor, eine Operation sei unerlässlich. „Und dann kam das ganze Programm. Chemotherapie, acht Stunden Operation, Bestrahlungen“, erzählt Tristan jetzt. Aber er ist als gesund und geheilt entlassen, geht wieder zur Schule - und spielt wieder Klavier.

Mutter Nicole Walter, Tristan und Vater Thomas Schulz mit der „Mutmach-Perlenkette“. Jede Perle steht für eine medizinische Behandlung...

Klavier gespielt hat er aber auch auf der Station Regenbogen der Würzburger Kinderkrebsklinik, wo die Behandlung erfolgte. Mit Sondergenehmigung und auf einem krankenhausgemäß sterilisierten Elektropiano. Ohne seine Tasten kann Tristan nicht, das sahen auch die Ärzte so. Die Musik half ihm in dieser Zeit, in der er insgesamt fünf Operationen über sich ergehen lassen musste, darunter die achtstündige Entfernung des vier Zentimeter Keimzelltumors aus dem Gehirn. Körperlich war Tristan nach den ganzen ärztlichen Maßnahmen natürlich am Boden, jedoch an seiner Einstellung änderte sich nichts: „Ich hab es akzeptiert. Ich bin schwerkrank, aber ich werde wieder gesund.“ An die Leidenszeit erinnert seine „Mutmach-Perlenkette“. Für jeden Eingriff, für jede Bestrahlung, für jede ärztliche Maßnahme ist eine Perle auf der Schnur aufgezogen. Die Kette ist über zwei Meter lang.

Eine harte Zeit

Eine harte Zeit auch für seine Familie. Mutter Nicole Walter, Vater Thomas Schulz und seine zwei Schwestern. Krankenhausbesuche in Würzburg, ständige Angst und Sorgen. Thomas Schulz: „Während dieser Zeit funktionierst du, willst alles möglich machen. Aber als es vorbei war, Tristan wieder gesund, kam dann bei der Familie auch eine Art Zusammenbruch.“ Mittlerweile hat sich das Leben der Schulzens in Mainhausen wieder normalisiert.

Dennoch hat es natürlich viele Änderungen gegeben, über die die Familie offen spricht. „Es haben sich Freunde abgewandt, dafür kamen entfernte Bekannte hinzu und wurden zu Freunden.“ Zu diesen Freunden zählt auch Michael Sadler, Frontmann der weltberühmten Rockgruppe Saga. Anlässlich einer Saga-Tournee in Deutschland besuchte er Tristan natürlich im Krankenhaus. Wie auch Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser, die mehrmals in Würzburg war.

Tristan engagiert sich

Tristan möchte für die Unterstützung in den Zeiten seiner Krankheit etwas zurückgeben. Den anderen Patienten, den Pflegern, den Ärzten. Er engagiert sich inzwischen bei den sogenannten „Benefiz-Konzerten“. Einer musikalischen Pop- und Klassik-Gala, die allein der Unterstützung der Kinderkrebsstation des Würzburger Krankenhauses dient (zwei Konzerte in Aschaffenburg, Stadthalle am Schloss, 7. und 8. März, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr, Infos unter www.benefiz-konzert.com). In Mainhausen ist Tristan am Klavier beim Frühlingsempfang des Gewerbevereins am Sonntag, 16. Februar, zu erleben.

Musikalisch hat sich Tristan Schulz ebenfalls weiterentwickelt. Komplizierte Stück von Rick Wakeman („Yes“) oder Billy Joel spielt er mittlerweile, alles nach Gehör. Medikamente nimmt er seit einiger Zeit keine mehr. „Einzige verbliebene Nebenwirkung ist, dass er auch Abba-Musik spielt“, schmunzelt Vater Thomas. Aber das hat eher mit der Klavierausbildung zu tun.

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