Wanderung der Amphibien beginnt bald

Kröten auf gefährlicher Reise

+

Mainhausen - Wenn in Nächten die Temperaturen fünf Grad Celsius nicht unterschreiten, machen sich die Erdkröten auf den Weg zu ihren Leichplätzen.

Die Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz bereitet sich auf dieses tierische Großereignis vor und kommt am Mittwoch, 14. Januar, zu einem Vorbereitungstreffen zusammen. Dabei stehen Aufbau und Betreuung des Amphibienzaunes im Mittelpunkt.

„Wenn in feuchten Frühjahrsnächten die Nachttemperaturen die Fünf-Grad-Celsius Marke erreichen, fällt der Startschuss für eine der beeindruckendsten Massenwanderungen unserer Amphibien“, sagt Hartmut Müller von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AGFA). Quasi zur gleichen Zeit tauchen sie aus dem Nichts auf. Der Boden im Wald beginnt zu leben. Einzeln oder Huckepack streben die Tiere den Gewässern entgegen, in denen sie selbst das Licht des Lebens erblickten. Alle zur gleichen Zeit scheinen sich am Laichgewässer einzufinden. Bereits im Herbst hatten sie sich auf den Weg gemacht. Aus teilweise mehr als drei Kilometer Umkreis ziehen sie sich rund um das Laichgewässer zusammen. Dem Winter trotzten sie eingegraben in Mauselöchern, unter Steinen oder abgestorbenem Holz.

Viele Kröten werden einfach überfahren

Ist die Witterung günstig, können in wenigen Nächten bis zu 90 Prozent der Tiere die Laichgewässer erreichen. Ihre bis zu fünf Meter langen Laichschnüre mit 2000 bis 6000 Eiern verankern sie an Pflanzen, toten Ästen und anderen Strukturen am Gewässerboden. Nach der Eiablage beginnt die Rückwanderung in die Sommerlebensräume. „Abhängig von der Wassertemperatur schlüpfen die Kaulquappen nach zwei bis bis vier Wochen“, erläutert Müller. Im Sommer, nach der Metamorphose, werden die jungen Kröten das Laichgewässer verlassen. Oft als „Froschregen“ wahrgenommen, beginnen die Böden der lichten Wälder der Umgebung wiederum zu leben. Abertausende von Kröten machen sich auf den Weg, neue Lebensräume zu erobern. „Ihre Vorliebe für Schnecken und Raupen macht sie oft zu gern gesehenen Gästen in den Gärten“, weiß Müller zu berichten.

Allerdings stellen auf ihrer Wanderung Straßen oft ein kaum überwindbares Hindernis dar. Die wechselwarmen Tiere sind bei den niedrigen Temperaturen nicht in der Lage diese Hindernisse zügig zu überqueren. „Bereits bei einem Verkehrsaufkommen von neun Autos pro Stunde werden mehr als 80 Prozent der Tiere überfahren“, sagt Müller. Erdkrötenmännchen werden nach drei Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst ein bis bis zwei Jahre später. Trotz einer maximalen Lebenserwartung von zehn bis elf Jahren laicht statistisch jedes Erdkrötenweibchen nur einmal ab. „Erdkröten gehören zu den besonders geschützten Tierarten, sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden“, betont Müller.

Die besten Tiergeschichten der Wissenschaft 2014

Die besten Tiergeschichten der Wissenschaft 2014

Zwischen Seligenstadt und Zellhausen wird am 28. Februar entlang der Landesstraße der 700 m lange Zaun aufgebaut. Die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Seligenstadt wird sich wieder am Aufbau des Zaunes beteiligen. Im Laufe des März muss wegen der anstehenden Rückwanderung ein Teil des Zaunes von der gewässerabgewandten Seite auf die Seeseite versetzt werden. Der Abbau erfolgt dann im April. Solange der Zaun steht, muss er morgens und abends kontrolliert werden. Fachlich betreut wird das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz.

Am Mittwoch, 14. Februar, findet im Sitzungssaal des Rathauses Mainflingen daher auf Einladung der Gemeinde Mainhausen ein Vorbereitungstreffen für die Betreuung des Amphibienschutzzaunes statt. Beginn ist um 18 Uhr in den Räumen der Humboldtstraße 46-48. „Dabei wird der Aufbau des Zaunes erklärt und der Dienstplan für das Frühjahr erstellt“, beschreibt Müller den Ablauf. Für die Durchführung der Kontrollen wurde ein kleiner Leitfaden erstellt. Wer das Projekt aktiv unterstützen möchte, ist eingeladen an diesem Treffen teilzunehmen. „Die Gruppe ist für jede helfende Hand dankbar“, so der Tierschützer abschließend.

sig

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare