Dem Himmel so nah

Noah Kleeberg ist 15 und ein echtes Segelflug-Talent

Noah Kleeberg
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Noah Kleeberg, hier am Cockpit eines Segelfliegers, ist mit seinen 15 Jahren beim LSV Seligenstadt-Zellhausen ein großes Segelflugtalent.

„Fliegen wollte ich schon immer, hab schon als Kind immer in den Himmel geschaut“, erinnert sich das 15-jährige Segelflug-Talent Noah Kleeberg. „Zu meinem 14. Geburtstag bekam ich einen Schnuppergutschein geschenkt und durfte beim Luftsportverein (LSV) Seligenstadt-Zellhausen einen ganzen Tag mitmachen“, erzählt der Newcomer, der im September beim Jugendvergleichsfliegen in Vielbrunn/Odenwald unter 27 Nachwuchspiloten mit einem zweiten Platz überraschend gut abschnitt.

Zellhausen - „Erst im Sommer 2020 hat der damals 14-Jährige mit dem Fliegen begonnen. Obwohl noch Flugschüler, darf der Nachwuchspilot bereits allein, unter Aufsicht eines Bodenfluglehrers, fliegen“, erläutert Pressereferent Bastian Blinten. „Noah schnitt als Jüngster beim Jugendvergleichsfliegen als bester Pilot des Vereins ab. Das ist herausragend und eine echte Besonderheit.“

Das Jugendvergleichsfliegen wird alljährlich unter Segelflugtalenten in einer regionalen, einer hessenweiten und einer bundesweiten Runde bestritten. Über Vielbrunn maßen sich 27 Jungpiloten im präzisen Fliegen ihrer Schulungsmaschinen. „Neben drei sauberen Starts und Landungen mussten Rollübungen, eine hochgezogene Fahrtkurve, ein sauberer Kreiswechsel und der Seitengleitflug gezeigt werden“, berichtet Blinten. Beim Hessenentscheid in Langenselbold eine Woche später erklomm Noah Kleeberg unter 32 hessischen Piloten erneut das Siegerpodest. Er bestätigte seine tolle Leistung vom Regionalentscheid. „Noah zeigte nochmals, dass er die ASK23 ganz hervorragend beherrscht. Neben sauberen Flügen lieferte er präzise Ziellandungen und erreichte Platz drei. Blinten bedauert jedoch, dass der Bundesentscheid in Schleswig-Holstein abgesagt wurde. „Gerne hätte Noah dort seinen Höhenflug fortgesetzt.“

LSV Seligenstadt-Zellhausen hat 175 Mitglieder

„Mit 14 Jahren kann ein Jugendlicher mit der Segelflugausbildung beginnen, mit 16 kann er seine Lizenz bekommen“, weiß Dennis Gill, Vorsitzender des 175 Mitglieder zählenden LSV. „Die Ausbildung beginnt man im Doppelsitzer, in dem der Fluglehrer hinten und der Flugschüler vorne sitzt. Der Jungpilot macht die Ausbildung bis er soweit ist, dass er alleine fliegen kann.“

Im Gegenanflug sind Landeplatz und Hangar des LSV Seligenstadt-Zellhausen gut zu erkennen.

„Ich habe 69 Segelflüge benötigt, bis ich meinen ersten überwachten Alleinflug machen durfte“, zeigt Noah Kleeberg auf seinen Ausbildungsnachweis. „Angehende Segelflieger benötigen zwischen 50 und 100 Flüge im Doppelsitzer-Segelflugzeug bis zu ihrem ersten Alleinflug. Erst dann darf der Flugschüler allein im Cockpit fliegen, muss in Sichtweite des Flugplatzes bleiben und hält Funkkontakt zu seinem Fluglehrer am Boden. Dieser sagt Übungen wie Kreiswechselflüge oder Rollübungen um die Längsachse an“, ergänzt Dennis Gill. Jeder Segelflugpilot muss ein Flugbuch, in dem jeder Flug dokumentiert wird, führen. „Drei Stunden war mein längster Segelflug“, erinnert sich Noah Kleeberg. Da müssen die äußeren Bedingungen insbesondere die Thermik passen. Und die ist im Sommer am besten. Mitte Oktober sind - wegen fehlender Thermik - nur Kurzflüge von wenigen Minuten möglich. „Im Frühjahr und Hochsommer, wenn die Sonneneinstrahlung den Untergrund erwärmt, herrscht die beste Thermik. Kumuluswolken sind Indikatoren für eine gute Thermik“, so LSV-Ausbildungsleiter Alexander Diegel.

In drei Sekunden auf 100 km/h auf eine Höhe von bis z u 450 Meter katapultiert

„Über dem Segelflugplatz Zellhausen darf man maximal 940 Meter hoch fliegen“, sagt Noah Kleeberg. Dort wird der Pilot mittels Windenschleppe innerhalb von drei Sekunden auf 100 km/h auf eine Höhe von bis zu 450 Meter katapultiert, dann klinkt sich der Segelflieger automatisch aus. Nun beginnt je nach Thermik der Flug über die herbstlich-bunte Landschaft. „Piloten und Begleiter tragen im Cockpit stets einen Fallschirm auf den Rücken. In unserem 1951 gegründeten Verein ist aber noch nie etwas passiert“, erläutert Gill. Beim LSV, wo Noah auch seinen ersten Segelflug machte, ist der Jüngste der 75 aktiven Mitglieder 14 Jahre und der Älteste 81 Jahre alt. „Zwei Jahre dauert die Ausbildung, bis ein Segelflugschüler seine Fluglizenz bekommt“, erläutert Gill.

„Mein erster Segelflug war am 4. Juli 2020 und dauerte 17 Minuten. Es war ein echter „Wow-Moment“ mit viel Adrenalin im Blut und einem tollen Gefühl von Freiheit“, erinnert sich Noah Kleeberg. „Ich möchte mit 16 Jahren meine Segelfluglizenz in den Händen halten“. Als Berufswunsch gibt er die Luftfahrt an, Traumberuf Pilot. „Aber Segelfliegen soll immer Hobby bleiben“, widmet sich der Gymnasiast doch weiteren Freizeitbeschäftigungen: Golfen und Volleyball. (Von Holger Hackendahl)

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